Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 7 (1907)
- Issue
- 1 & 2 (Jan.-Febr. 1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Sabbath. 5־ Verkaufsstelle» die Sqnntagsarbeit freigegeben wird. § 41ä der Gewerbe-Ordnung sagt, dass in offnen Verkaufsstellen ein Betrieb nicht stattfinden darf, sonnt dürfen Lelirlimre, Gehilfen und Arbeiter nicht beschäftigt werden. E* sollen dadurch die Geschäfte mit Personal gegen die ohne Personal geschützt werden. Es ist wahr, dass wir •J4 Stunden am שבת geschlossen haben, aber ein Otfenhulten des Ladengeschäftes zu verlangen, das wäre eine Übermenschliehe Forderung. Da würde die Landkundschaft Sonntairs hereinkommen, und die Folge wäre W asser auf die Mühlen des Antisemitismus, ich bin, um mich zu resümieren dafür, dass der Verband der Sabbathfreünde absolut selbstständig vorgeht, seine Eingaben an die Ministerien durch persönliche Verhandlungen unterstützt und nach Wahl des neuen Reichstages mit den Führern der einzelnen Parteien Fühlung nimmt. Die bayerischen Rabbiu?!• haben bei dem Landesministerium schon einen Erfolg er/.ielt, und das wäre vielleicht auch in Württemberg möglich, ebenso i:1 Hessen. Es sollen die verschiedenen hier anwesenden Delegierten in den einzelnen Bundesstaaten in dieser Richtung entschieden Vorgehen. Es sollte nur das gefordert werden, was erreicht werden kann, dass tür eine Konfession, die statt Sonntag einen anderen Ruhetag hält, am Sonntag die Arbeit hinter ges c 111 0 s s e n e 11 Türen gestattet werde. — Dr. C 0 11 n-lchenhauseu unterstützt die Auffassung des Herrn Rosenheim bezügl. unabhängigen Vorgehens des ״Verbandes der Sabbathfreunde“, da nach den in Bayern gemachten Erfahrungen nur bei Hervorkehrung des religiösen Standpunktes ei« Erfolg zu erwarten sei. — W e r t h e i m - Fulda verlangt, dass bei einer Statistik nur solche Geschäfte aufgeführt werden, die um .שבר streng geschlossen halten. — Lazarus-Berlin hält eine Statistik für sehr wichtig. Es sollen nur solche Geschäfte aufgezählt werden, die tatsächlich am Sabbath streng geschlossen sind. Die Aufstellung soll nach Braueben erfolgen. Es sollte iii den Eingaben verlangt werden, dass auch Detail-Geschäfte am Sonntag hinter gesell lossenen Türen arbeiten dürfen. — Kahn- Esslingen halt es für augebracht, auch Einzel-Gewerbetreibende 111 die Statistik aufzunekmeii. Bei der Bearbeitung der politischen Kreise seien besonders die Socialpolitiker unter den Abgeordneten zu interessieren. — Dr. S t e i 11 - Sdiweiufurl stimmt Herru Roseuhcim zu, dass nur der Verband der Sabbath freu 11 de die geeignete Stelle zur Vertretung der sabbathtreueu Kreise gegenüber der Regierung sei. Er hält ebenfalls eine Statistik füi wirksam, besonders wenn sie nach den einzelnen Ländern geordnet sei, da alsdann auf die Landesteile mit kleinen Städten relativ hohe Zahlen entfallen. — E 111 i n g e r-Frankfurt hält eine Enquete für notwendig. Den Antrag B1;eslau, Regelung durch Ortsstatut kann er nicht guiheissen, die Regelung müsse durch Reichsgesetz erfolgen. Die Vertretuug bei der Regierung sei ohne Vorbedingung dem gesebäftslührenden Ausschuss zu überlassen. — Plachta- Berlin: Bevor wir an den Verband der deutschen Juden herangetreten sind, waren wir darüber einer Meinung, dass wir das religiöse Moment in den' Voidergruud treten lassen müssten. In die Statistik sollen auch solche Geschäfte aufgenommen werden, die jüdischen Angestellten den Sabbath frei geben. — F q e y!1 a 11 - Breslau bittet um Auuahme des Antrags II b. der Ortsgruppe Breslau. Der Vorsitzende tragt, welches Novum dieser Antrag eigentlich eutüalte. — Benjamin- C0111 verlangt im luteresse der am Sabbath von der Arbeit befreiten jungen Leute, dass nur die Sonntags-Arbeit hinter verschlossenen Türen gefordert werde. — Dr. K a 1111 - Esslingen bittet diesen Punkt zu verlassen, und alle Massnahmen dem geschäftsführenden Ausschuss anheim zu stellen. — Dr. 11 a in h 11 r g e r-Breslau: Der Schlusssatz unseres Antrages Hl> ist nicht, ־dahin aufzufassen, dass die Regelung dem Belieben des Ortsstatuts überlassen bleibt., sondern das Gesetz soll die ()rtshehüfden anweisen, für die 'Durchführung zu sorgen. — Ein Antrag auf Schluss der Debatte wird mit Mehrheit angenommen; Der Vorsitzende: Dass das religiöse Moment zu betonen ist, ist. durch die Tendenz unseres Verbandes bedingt. So ist e-.auch von unsererSeite in unserer Unterredung mit den Vertretern des Verbandes deutscher Juden stets gehalten worden, wobei ich auf mehr Verständnis gestossen bin, als ich erwarten konnte. Der Stand der Frage ist folgender: Durch $ 105a, b der Gewerbe-Ordnung ist ausgesprochen, dass die Arbeitszeit am Sonntag in Geschäftsbetrieben 5 Stunden dauern darf. Eine Ei lisch ränkung bleibt dem Ortstatut überlassen. Zweitens sind einzelne Betriebe aufgeführt,• die von dieser Bestimmung nicht berührt werden. liiere urch gab es viele Differenzen und Graf Posadowsky wfllte eine Einheitlichkeit her- : beiführeir. Klar ist, dass jede Reform der sogen, soci- , alen Gesetzgebung eine iimschränkuiig vorhandener j Freiheiten bedeutet. Die Frajge war nur, in welcher Rieh-! tung wird sich die Tätigkeit der Regierung zunächst bej wegen, besonders da.von dein, grossen Handluiigsgehülfen- 1 verband u.a. Seiten in verschiedenem Sinne auf die Regierung! eingewirkt wird. Bei der Verschiedenartrgkeitdes Verlangten war es um so schwieriger, festzustellen, was die Regierung zunächst tun will. Wir haben aus den otficielien Statistiken I festgestellt, dass vorerst der Grosshandel in Frage kommt. : Nun entsteht die Frage; darf man sich angesichts dieser Sachlage der Tatsache verschliessen, dass auch der Detailbandel späterhin wird in Mitleidenschaft gezogen wer- , den? Kann man sich dieser Frage aber nicht ver- 1 schliessen, so muss man weiter fragen, hat man einige Aussicht auf Erfolg, sobald man versuche« wird, einzu- | »reifen? bas ist der Punkt, wo die Meinungen liier stark uuseinandergegangen sind und ebenso im gescliättsführen- ' •len Ausschuss. Wir vom gesch. Ausscb. stehen auf dem Standpunkte, dass es unsere unbedingte Pflicht ist, auch für den Detailhandel das Mögliche zu erl reichen. Es ist «nangebnacht, von vornherein zu sagen, diese Sache kann nichs durchgehen. Es erscheint Ihnen das auch nur darum, weil in uns allen ein grosser1 Teil von Uniformitätssucht speckt, sonst würde man .sich das gar nicht so ungeheuerlich vorsteilen.■ Das ergibt sich aus der nüchternen Betrachtung der Tatsache, dass i in andern Ländern die Gesetzgebung den Ausnahme- Standpunkt anerkannt hat. Die Führer der Arbeiter- Partei, in England haben hei der Regierung ein Ameudement eingebracht, das für die Juden eia Ausnahmegesetz vorsieht. Ebenso ist es i$ Russland, der Bukowina, Holland, Amerika der Fall.! Es sind an uns Briefe von , gewerbetreibenden Leuten aus Bayern gekommen, des In• halts, Ihr müsst für uns tun, was getan werden kann, denn wenn wiram Sonntag imDelailhaudel nicht arbeiten d.ürfen, sind wir verloren. Aus academischen Rücksichten dürfen wir uns doch nicht über diese Vernichtung von Existenzen uuserer Brüder hinwegsetzen. Was wollen wir denn; mit unserem Verbände? Doch nur aufs Neue, das Bewusstseiu erwecken, dass durch die Sabbathheiligung der Jehudi nicht unterzugeheu braucht. .Es kann gar nicht die Frage sein, ob man etwas tun sollj Wir müssen handeln und bald handeln, und diesen Rait muss ich auch für die gauze Action geben. Wenn der Gesetzentwurf erst an den Reichs tag gelangt ist, dann ist da* Verhandeln mit den Parteien sehr wenig wertwoll. Es lassen sich dann vielleicht noch Aenderungen herbeiführen, ajber das Parlament wird nichts hereintragen, was nicht schbn projektirt ist. Es hängt; von dem Ausfall der nächsten Reichstagswahl ab, wie