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Der Sabbath · 1906-12-01 · 12 (12.1906) · p. Seite 83

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Sabbath
Volume
6 (1906)
Issue
12 (12.1906)
Date
1906-12-01
Page
Seite 83 (sequence 5)
Language
German
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Der Sabbath 83 das den Menschen Erhaltende ist, dass vielmehr haupt- .sächlich das dem Munde bezw. dem Geiste Gottes entstammende W 0 r t das Erhaltende, Belebende und Erhebende für uns sein soll und muss. Die Vorschriften für die Zeiteinteilung der שלש סעודות können und Sollen uns aber auch als Fingerzeig für die Er- Ziehung der Kinder zur .תורד und zur Uebung der Gebote dienen. Da muss entsprechend dem Abend- und Tages- *קירח dem Kinde schon in frühester Jugend, sowie später bei etwas gereifterem Verstände und fortgesetzt in fernerer Lebenszeit in geeigneter Weise die Jpyligkeit und Unantastbarkeit des ganzen jüdischen Gesetzes und der jüdischen Gebräuche eindringlichst zum Bewusstsein gebracht werden;'dies muss aber von vorn herein als Selbstzweck (לשס שמים) und nicht als Mittel, um damit Geld und Ehren zu erwerben, geschehen. Und wie wir bei den שלם סעודות, wenn wir sie vornehmlich ׳ לשם סציה einnehmen, davon doch einen körperlichen Genuss haben, so werden den dem. Thorastudium und dem jüdischen Leben zugeführten Kindern ungesucht die Ehren der Mitmenschen nicht versagt bleiben. Aber wie derjenige, der die שלש סעודות in nicht vorschriftsmässiger Weise willkürlich aufeinmal hintereinander einnehmen wollte, seiner Pflicht nicht nur nicht genügt hätte, sondern gesundheitswidrig handeln würde, so hätte eine unausgesetzte, nicht sachgemässe nur zufällige Belehrung in einer ungeeigneten Zeit nicht nur keinen vorteilhaften Wert, sondern sie könnte unter Umständen vollständige Erschlaffung und geistige Ertötung herbeiführen. Möge .הק&׳ר unsern Geist erleuchten, dass wir alle מצות ת׳ und!insbesondere die von ש־ש סע-ד־ת בשב־ mit Verständnis und Würde ausführen. E. G. Segnungen — der vertriebene Gottesenge): Gestein und heute' wohl habt ihr ihm die Pforten weit aufgetan, aber nicht um seinetwegen, sondern um seines Bruders willen; nur unter dem Schutze des Sühnfestes darf der Vprstossene euch nahe kommen und fast unbemerkt sich ein-; schleichen. Und doch sind beide Brüder mindestens einander ebenbürtig! Beide tragen ausschliesslich den Namen Sabbath der Sabbatbe, beide sind dazu bestimmt, als schützende Cherubim über dem Heiligtum der jüdischen Lehre und der jüdischen Gemeinschaft zu schwebe■.׳ Der Sabbath will die Sünde nicht zu Odem kommen lassejn, der Sühntag will, den aufiechtstehenden Menschen vor dem Falle sichern, der Sühnt ag den Gesunkenen aufriebten; der Sabbath will den Menschen im Vollschmucke!seiner göttlichen Abstammung und Herrscherhoheit hiervortreten lassen, wie er unbeschädigten Fusses Otterh und Schlangen zertritt, dem wogenden Meer irdischer Leidenschat't Schweigen gebietet und das heiss in ihm kochende Blut selber dem Herrn über Leben und Tod weift!, er will den ganzen Menschen mit all’ seinen höheren und niederen Trieben erquicken und beseligen und zu!einem Jubelton verschmelzen: Gott in der Höhe; der Sttthntag will ihn mit dem Schmerzgefühl seiner Zerrissenheit und Knechtschaft erfüllen, die zerbrochene Herzeaslyra , in Klagetönen erbeben machen und im Feuer heiliger Sehnsucht wieder zusanimentiigen, kurz, der Sabbathi spendet Edenfreuden. während der Sühntag keine a!ndere Bestimmung hat, als das verlorene Eden zuriicHzuer-! ohern. Und ihr meint, das Sühntest ohne den Sajbbath ״ ehren zu können? Ihr glaubt, das Eden verschmähen zu dürfen ur.d durch den Schmerz über den Verlust des Edens geheilt zu werden ל Mit solchem frivolen Spielen wollt ihr die Gnade Gottes erlangen ל Das Sühnfest soll euch als Los für Asasel dienen, soll eure Sünden ■weit weg in die Wüste tragen, während es euch za viel ist, das Gott geweihte Opfer iu seinem Heiligtum darzu- , bringen, und ihr selbst in der Wüste weilt, Worin ihr saintnt den Eitrigen bei allen prunkenden Piiacht- David Einhorn über den Sabbath. Witgeteil) von Rabbiner Dr. Xordhtiuii-r-SvLwttz a. O. Der bekannte Reformer Dr. David Einhorn hielt am VersöhnuBgstage im Jahre 1862, der auf den Sabbath fiel, im Tempel der Kenesetli-Israel-Gemeinde zu Philadelphia eine Piedigt, in welcher er u a. sagte: Wahrlieh, wer es treu meint mit Israel, der muss mit dem Propheten rufen: ״Das Herz möchte mir brechen über die Zerrissenheit meines Volkes! Ist denn kein Balsam mehr in Gilead, kein Arzt mehr dort, die schwere tiefe Wunde zu heilen ׳׳“ Es ist, es ist ein solcher Arzt vorhanden, aber er ist eben ausser Mode gekommen; seine Stimme klang süss und lieblich im alten Israel; er wurde einst überall mit Jubel als der trauteste Freur.d empfangen und schon im Herannahcn wusste er die .Müden aufzurichten, die Verwundeten zu heilen und die Trauernden mit himmlischem Tröste zu erlüllen. Sein Name ist Sabbath. Eure Kinder — arme Kinder — kennen ihn bloss vom Hörensagen, aber euch — gesteht es offen — bebt das H!e1z in der Erinnerung an den Entflohenen. Entflohenen ל Nein! Gewallsam Verstossenen. Jetzt noch pocht er allwöchentlich in süsser Dämmerstur.de an eure Tüie und ruft: ״Oeffne mir, ich trage langes Leben in meiner Rechten, Reichtum urd Herrlichkeit in meiner Linken und ich wjll dich, dein Weib und deine Kinder mit unsebätzbaren Himmelsgabeu schmücken!“ Und immer wieder verhallt sein Ruf wie eine Stimme in der Wüste, immer ־wieder wird er schnöde zurückgewiesen mit all’ seinen zimmern vor Durst verschmachtet? Saget doch selber — weicht die innere Zufriedenheit und das wahre Glück Inieht immer mehr auch aus der Familie ל Hat das ewige Haschen nach Wind, der Mangel an aller religiösen Weihe nicht auch das Heiligtum des Hauses zernagt und zerfressen ל Damals, als der Jude noch die Pfützen des, Hasses durchkriechen musste, sich ein Stückchen Bfotes zu erwerben, fand er im Hause den reichsten Segen, die vollste Entschädigung für all’ seine Mühen, den Brennpunkt all’ seiner Wünsche und Hoffnungen, und sobald er, dessen Schwelle betrat,!waren die bösen Geister gewichen vom geliebten Weibe und den blühenden Kindern die Thränen aus dem Auge,! die Wolken von der Stirn hmweggelächelt. Und wenn erst der Sabbath kam; dev süsse und heilige, da fanden sich überall die Engel des Friedens und erfüllten jselbst die ärmliche Hütte mit Trost und Jubelsängen und schlossen immer enger ' das Band um die Herzen. Jetzt sind die Sklavenketten gelöst, aber atu h die Fanjilienl ande loser geworden. Die Hüften haben sich in Paläste verwandelt, den Beden bedecken kostbare Teppiche, die Wände kostbare Tap sten und Bilder, die Leiber kostbare Gewänder — es gliinzt und schimmert alles, aber unter der schimmernden Decke haust Moder und Fäulnis. Sang- und klanglos, öde und trauiig zieht ein Tag um den andern dahin. k!!ine feierliche Stimmung, kgin höherer Ton unterbricht die' einförmige Tiiibseligkeit. Wie Lasttiere schleppen!!ich Familienhäupter dahin, seufzend und keuchend, immer an. demselben Karren ziehend und durchglüht von der schweren Sorge, sich auch ferner: auf Stelzen zu erhalten. Das Haus ist keine Heimat mehr, sondern nur eine Herberge,

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