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Der Sabbath · 1906-10-01 · 10 (10.1906) · p. [Seite]

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Journal
Der Sabbath
Volume
6 (1906)
Issue
10 (10.1906)
Date
1906-10-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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Der Sabbath Nochim war ein Lamden par excellence. Er beherrschte Schass und Posskim wie selten einer und seine ßewandnis im Talmud und sein Scharfsinn erregte Bewunderung. Im ein Kemach ein Tauroh, sagt der Talmud, wo kein Mehl d. h. Nahrung, da ist kein Studium möglich, und so muste auch für den Unterhalt seiner Hörer, die fast alle unbemittelt waren, gesorgt werden. Er machte sich dann jeden Nachmittag auf die Reise, um das Nötige für den morgenden Tag zusammen zu bringen, und seine Bemühungen waren stetjf von Erfolg gekrönt. Wo Reb Nochim anklopfte, fand er Eingang und Gehör. Nebst seiner Gelehrsamkeit war er ein feiner, aber auch ein bekowider Schnorrer. Er missbrauchte das Wohlwollen, das ihm die Leute, die er in Anspruch nahm, entgegenbrachten, nicht. Sobald er soviel beisammen hatte, um die Bedürfnisse seiner Schützlinge für den folgenden Tag decken zu können, sagte er mit Hillel בתך ד׳ יום ים, für morgen wird Gott sorgen und begab sich wieder in sein Beth hamidrasch, um sich mit dem Studium der Torah weiter zu beschäftigen. Reb Nochim trug immer eine Kappe mit einem grossen Schirm vorne, um seine Augen vor dem Anblick eines weiblichen Wesens zu schützen. Nie hat er einer Frau in’s Antlitz geschaut. — jeden Freitag, wenn es gegen Abend Zeit war den Sabbat seinen Eingang halten zu lassen und die Vorbereitungen zu seinem Empfang fertig sein sollten, da durchzog unser Held pfeilschnell die Strassen Grodnos mit dem Ruf: ״Schabes, Schabbes, schliessen“ und die Leute folgten seiner Aufforderung willig. Noch bevor der Vörbeter in der Synagoge ״ יכו נדעה דה׳Kommt, wir wollen dem Ewigen frohlocken, zujubeln dem Hort unseres Heils“ ertönen liess, waren alle jüdischen Geschäfte geschlossen. An das gottgeweihte Leben dieses seltenen Mannes, an seine treue Hingebung und seinen Opfersinn für die Aufrechthaltung der religiösen Vorschriften und an das Tun und Lassen der Grodnoer Juden zur Zeit meiner Studienjahre — es war in den 60er Jahren und ob es heute noch so ist, weiss ich nicht — wurde ich erinnert, als ich letzten Freitag hier, in einer Ortschaft am Genfersee das Leben und Treiben der Leute zu betrachten Gelegenheit gehab, hatte. Das war ein Hin- und Herlaufen, ein Kommen und Gehen ein Trachten und Denken. Alles deutete daraufhin, dass es sich hier um ein Sichvorbereiten zum Empfang eines hohen Gastes handelt, alles liess vermuten, dass man sich hier am Vorabend eines Festtages befindet, welcher Vorbereitungen erfordert, um den Gast in Ehren zu empfangen und den Tag würdig zu begehen, grade wie in Grodno am Erew Schabbes. Und wem galten diese Verkehrungen? Dem Sabbat — rsש!! Was? Giebt es am Genfersee solche Fromme, die den Schabbes so heilig halten? Ja, lieber Leser, es giebt hier fromme, von echt religiöser Gesinnung durchdrungene Menschen, die den Sabbat heiligen und *ihn als strengen Ruhetag beobachten, nur sind es — leider — keine Juden. Christen sind es, die den Sabbat hier heiligen und sich jeder Arbeit an demselben enthalten. Strenggläubige Christen haben s. Z. (seit wann, wissen wir nicht genau) es herausgefunden, dass die Sonntagsruhe biblisch nicht begründet werden kann, dass der Tag, den Gott für die Menschen als Ruhetag eingesetzt hat, nicht Sonntag, sondern Samstag ist und dieser müsse, als solcher geheiligt und beobachtet werden. Anfangs waren es ihrer nur wenige, die sich zur Rückkehr zum altbiblischen Gesetze — freilich nur in diesem Punkt — entschliessen wollten, heute bilden sie schon eine stattliche Zahl und sind fast in allen Ländern anzutreffen. In Amerika allein sollen sie über 80000 Anhänger haben. Sie nennen sich Les adventistes du septieme jour, die Adventisten vom 7ten Tage, oder Sabbatisten. In der Schweiz sind sie ebenfalls ziemlich stark vertreten; am stärksten aber in der französischen Schweiz. Fast an jedem grössern Orte ist eine Sabbatistengemeinde anzutreffen. Im Sommer veranstalten sie jedes Jahr in einem andern Orte ein Zeltlager, zu welchem nicht nur die in der Schweiz wohnenden wallfahren, sondern auch Abordnungen aus allem Ländern und Weltteilen erscheinen. Es ist interessant und lehrreich dieses Schauspiel mitanzusehen■ Ungefähr hundert leinene Zelte sind auf einem Platze aufgestellt, in welchem die Wahlfahrer Unterkunft finden. Die Zelte sind sehr hübsch ausgestattet und practisch eingerichtet■ Zwischen den Familienzelten ist ein grosses, zirkusartiges Zelt aufgestellt, welches als Bet- und Versammlungslokal dient• Wie der religiöse Jude, verrichten auch sie 3mal täglich, morgens mittags und abends ihre Gebete. In der Zwischenzeit werden Konferenzen und Versammlungen abgehalten. Sie entfalten eine ausserordentliehe Regsamkeit und gewinnen immer mehr an Boden. Bis nach Afrika hinein sind sie gedrungen und haben dort ihren Glauben und ihre Lehre zu verbreiten gesucht und mehrere Sabbatistengemeinden gegründet. Sie legen einen Eifer und eine Opferwilligkeit an den Tag, um die wir sie beneiden dürfen. Predigten und Vorträge werden in allen Sprachen gehalten. Wie in alter Zeit der םהית&ן, steht hier an der Seite des Vortragenden ein Uebersetzer, der jeden Satz ins Französische überträgt. Freitag Abend war äuf dem Lagerplatz besonders bewegtes Leben, da sich alles auf den Sabbat vorbereitete. Um 8 Uhr ging -U esdich gekleidet zum Gottesdienst. Auch in Grodno, wo ■*,eb Nochim lebte, ' ~ . . , - per und sonst in Russland geht dieser Jahreszeit ebenfalls er)5t gegen 8 Uhr zu .2־s .קבר־, nicht kie hierzulande, wo der Achile halber der Freitagabendgottesdienst schon um 7 Uhr angesetzt wird. Aber dem Grundsätze folgend, hakol kefi minhag hamdine, mann richte sich nach den Lahdes gebräuchen, machte ich auch hier schon um 7 Uhr Schabbes, brummte den Lecho daudi, dem ich sonst Komplimente zu machen gewohnt bin, still vor mich allein hin und nachdem ich das nicht sabbatliche Nachtessen, ohne Fisch und ohne Fleisch, herunteigewürkt hatte, begab ich mich ebenfalls in das-Betzelt, um dem Kabbolas-Schabbosgottesdienst o ine Lecho daudi beizuwohnen. Nachdem die Versammlung, aus z rka 340 Personen bestehend, im Cior mit Harmoniumbegleitung ei ו Sabbatlied gesungen und ein s?hr schönes, dem Moment entsprechendes Einleitungsgebet gesprochen, folgte die Predigt, welche den Kulminationspunkt des Abend bildete. ״Die Worte, die wir unserer heutigen Betrachtung zu Grunde legen, begann der Prediger, stehenj aufgezcichnet in Jesaias Cap. 58, 13 ■14, und lauten folgendermaissen: Wenn du deinen Fuss von dem Sabbat kehrst, dass du nicht tust, was dir gefällt, an meinem t eiligen Tage, so wird es ein lustiger Sabbat heissen den Herrn zu heiligen und zu preisen, denn so wirst du denselben preisen, we nn du nicht tust deine Wege, noch darin erfunden werde, was dir gefällt, oder was du redest.! Alsdann »wirst du Lust haben im Herrn, und ich will dich übet) die Höhen auf Erden schweben 11ssen, und will dich speisen 1)nit dem Erbe deines Vaters Jakof s; denn des Herrn Mund sagt c$“. An diese Mahnung des Prophe!en jesaias, welche er an Israel richtete, sich anlehnend, sprach per Redner eine Stunde lang mit einer hinreissenden Begeisterung von der Heiligung des Schabbats, so dass ich momentweise glauben konnte, ich sei in Wolkowizk im Beth hamidrasch und höre den berühmten Kellner Maggid mit seinen zündenden, fast feuerspeien-, den Strafreden für die Entweihung des Sabbats• ״Sehr viele spotten unser und meinen, wir wären Ignoranten. Lasset sie spotten. Wir wissen, dass es einen Gott giebt, der in seiner. Allmacht die Welt in Dasein rief, der alles erschaffen und alles erhält, und das eenügt uns.* Uns ist wohl dabei und wir fühlen uns in• diesem Bewusstsein glücklich. Wir wissen, an wen wir uns zu halten haben, und wissen die Bedeutung unseres Lebens. Das־ wissen diejenigen, die uns mit einem• mitleidigen, geringschätzigen Lächeln ansehen* nicht“.—in dieser Weise sprach der Redner über eine Stunde lang derart eindringlich, ermahnend und aufmunternd, dass ich morrentweise wirklich in einem russischen Beth hamidrasch zu sein undpen Kelmer Maggid mit seinen feuerspeienden, aber packenden Sirafdrohungen uud Sprudelnden Moschelich zu hören geglaubt hi tte, wenn mich nicht der Anblick der unbedeckten Hauptes sitzenden Zuhörer belehrt hätte, dass ich mich in keiner jüdischen Versammlung befinde. Ein Gefühl der Wehmut bemächtigte sich meiner; ber beim Anblick dieser Erscheinung und ich konnte mich des St >ss- Seufzers nicht enthalten: Ach, wie sieht es bei uns aus mit dem שבה? Wie .begründet wären derartige Mahnungen in unseren potteshäusern! — Dass man nun die Beobachtung des Sabbat hier am Genfefsee und zwar von nichtjüdischer Seite so ernst aufgenommen hat ist auch ein Zeichen der Zeit. Isch Jehudi. Sabbath-Ausgang. (Aus ״.Icsi’hurun4 ־.*Jahrgang 5(118). (Schluss.׳ Wenn gekommen, spricht der Ew'ge, Jener Tag des Weltmessias, Will ich senden, ihn zu künden Elijahu, Elijahu . . . Tausend Jahr und wieder tausend Harren wir getreu im Elend. Und hoch immer bist Du ferne Elijahu! Elijahu! ... Von dem Oel die letzten Tropfen Hast der Witwe Du gesegnet-: Unser Beten unser Hoffen Rinnet .. Rinnet ... kommst Du bald? Elijahu? Elijahu? . . . Einen zarten, bleichen Knaben Riefst Du auf zu neuem Leben•— — Rufe wieder — rufe Juda! Elijahu! Elijahu! ...

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