Mannheim
Compact Memory

Der Sabbath · 1906-10-01 · 10 (10.1906) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Sabbath
Volume
6 (1906)
Issue
10 (10.1906)
Date
1906-10-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/4874912-5428444-5428509--134-4875025
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

70 Der Sabbath. Bei dieser Gelegenheit möge nachgetragen werden, dass in Württemberg der Verband der Sabbatfreunde rasche und weite Verbreitung gefunden hat und allgemein auf recht lebhafte Sympatlneti gfeto8S(^rist, insbesondere stuf dem Lande. Im August wiurden ■ach V.prtrkget des Herrn Rabbiner Dr. M. Kahn aus Esslingen Ortsgrtfppen gerundet in Mergentheim und Niederstetten. Verdient haben sich um die Gründung derselben gemacht Herr Raibiner Dr. Sänger in Mergentheim und Herr Lehrer Adler in Nieder- Stetten.' ־ Stuttgart. Am 2.\ September fand liit-r unter dem V -des Herrn Kirchen rat I »r. Krön er eine Versammlung der w ipttein stattc he n jetzt 1g er-; x i 11 - O II II, bergischen (irtsgiuppm des .Verbandes der habbathfreunde י— Einstimmig wurde die Begiümlung einer Württemberg! Landijrereiniiunc beschl״ssen. — Es gehören ihr bis .folgende 1 >rt!•,gruppen an: Lai sin gen. Freud enth’al, Ha loch. M 1111 r i 11 •zx. 11. Mergentheim, Niederstetten, R 4jen. Muil^irt mit einzelnen Mitgliedern in l'lbi, Heilb B r a u 11 s li a c 11 ■lind l'r• il!urg i. i». Die Beratungen ergaben, dass eine, solche Laialcsvcrciuigung, abgesehen von den allgemeinen fielen des,Verbändes, inm rhalb dsr engeren I.andesgrenzfen reichet Stoff zur Tätigkeit’,{indeii kann. Es wird dadurch nicht nur möglich sein, diti'Gründung weiterer Ortsgruppen platimässig und mit vexii iltuis massig' weniger K״stcn .■!1> von Merlin aus in Angriff zu ־nehmen, somJern t י können auch die hesonde 1! n Aufgaben auf den durch L indesgesi tz'^gvregelten Gebieten, wie schule, l’niversität etc. leicht ■r gelöst wi tiKn. Wir begrusstn ilaher die Bildung der Vereinigung mit bo&xiidi n r Krrii'le mul hotten. dasdas Staaten Nrhchahmui.g ’ rinden wird. Die Sit das Beispiel auch in Statuten lauten: ' .־ Satzung ‘ , dt־r Wirtlenib. Landesvtreinignnj: des Verbandes derSabfcalhfrentid•‘. j 1 5י Name. . .־'.*ם ereiuigung der ׳ »rtsgrujipeu des Verbandes der Saljbathfreunde t>itz in ßerlini. welche in Württemberg und Hukenz »Ilern sich bettnden. heisst ,Wurttetnhergische Landcsvereinjguiig“^ Sie hat ihren ■ritz in Stuttgart. so Zweck. I •er 7. w eck der Wurttemberffisehen Landesvereinigung de! batlifretynde!*sieht in: a! dem Zusammenhalten und-Zusammenw aller whirtteniluxgi.'Cken Grtsgruppen des Verbandes der Sab 1: freu mit •im allgemeinen und insbesondere in: bl der Einrichtung Arbeitsnachweises für htelleiisuchende, die den rabbath und die tage nicht übertreten: ci gemeinsamem Vorgehen Zum Schützt 8abhaths für israelitische Kinder in dou Schulen wie für die is tische Bevölkerung bei den Grt— und Staatsbehörden Württemb dl geint•insainer Beihilfe für alle, welche durch strenge Heobachjt des Sabhaths notleiden: ei weiterer Propaganda für den Sal f §;i•!Mitgliedschaft, Eintritt, Austritt. Mitglied ־ der Württembergischeii Landesvereinigmig der bathfreumie ist jede wurttembergische Ortsgruppe des Verba welche ,ihren Beitritt schriftlich erklärt und-ihren Beitrag Der Austritt erfolgt durch schriftliche Erklärung; doch ist de(• das laufende Ke<$1nungsjahr fällig«; Beitrag zu zahlen. Das; ■ungsjJ^refieginiir mH dem 1. Juli. Jede Ortsgruppe hat einen destbeitrag Von ein Drittel des Fünftels (§!1) ihrer Gesamteinm. an dio Landesvereinigung zu zahlen. Die Landesvereinigung hui Beeilt, besonders nur für Württemberg und Hohenzollern bestiih Zowundungen anzunehmen. i 1. 4 Verwaltung. Ijje Verwaltung 11er Wurttembergisehen Landesvereiuigi geschieht durch: a) den gcschäftsfübrendeu Vorstand; b) die’ ■eral Versammlung. Sabrkt'U latlieims e>tdes 1 aelirgung latli. Der \ orstand wird von der Generalversammlung auf 3 Jahre ■ittels geheimes Abstimmung gewählt. Er besteht aus einem Vorsitzenden, einem Schriftführer und einem Kassier. Der Schriftf« hrcr iat zugleich Stellvertreter des Vorsitzenden. Der Vorsitzende vertritt diu Württembcrgiselie Landesvereinigung .nach aussen in illen lec Sabides, alilt. für!:11- [Min- JllllC das mte;ung Gc- Vereinsangelegenheitcn. Er leitet die Sitzungen und vollzieht die Beschlüsse. Der Schriftführer hat alle Schriftsätze zu entwerfen und das Protokoll zu fuhren. Der Kassier hat die Gelder zu verwalten und nach Anweisnng des Vorstande» zu verausgaben. Er hat eine geordnete Buchführung zu beachten und die Gelder mündelsicher anzulegen. § Ai. Die Generalversammlung wird alljäh'lich einmal im Monat Sivan oder Tamus einberufeil. Die Einladung zu derselben erfolgt 4 Wochen vorher und enthält die Tagesordnung. Anträge der Mitglieder sind 14 Tage vorher bei dem Vorsitzenden anzumelden.! Die Abstimmung erfolgt nach einfacher Stimmenmerheit. Zu den j Gegenständen der Generalversammlung gehört: 1. Geschäfts- und i Kassenbericht; 2. Anträge; 3. Wahlen; 4. Auflösung. Eine | ausserordentliche Generalversammlung ist auf Antrag von 3 Mit- gliedern einzuberufen. Jede Ortsgruppe hat das Recht einen Delegierten zur Generalversammlung zu entsenden. Ortsgruppen mit I mehr als 30 Mitglieder haben das Recht für je weitere angefangene ■ 30 Mitglieder einen Delegierten zu entsenden. Als Delegierte sind; nur solche Personen wählbar, welche den Sabbath in Wort und Tat ' im Sinne der überlieferten schriftlichen und mündlichen Lehre halten. .7 § ־! 4 Auflösung. Sobald nicht mehr als zwei Ortsgruppen in Württemberg vor- ' banden sind, kann die Württembergisohe Landesvereinigung aufgelöst werden. 1111 Falle der Auflösung ist das Vermögen der Landes- Vereinigung unter die vorhandenen Ortsgruppen zu gleichen Teileu zu verteilen, und wenn gar keine Ortsgruppe vorhanden ist, dem ,Verband der Sabbatlifreunde“ zu überweisen. Kur-Plauderei.*; Eine Sabbathfeier am Gcnfersce. ,Macht schnell, geschwind, geschwind, Reb Nochim kommt“, sagte ängstlich Golde die Krämerin zu ihrer Nachbarin Leie, die noch einige Einkäufe auf Schabbes machte, dabei aber, als Evas Tochter ihre Neugierde zu befriedigen suchend, nach den Tagesneuigkeiten sich erkundigte und mit ihren Schalles nicht fertig werden wollte, ,macht schnell, schnell, denn Reb Nochim kommt schon, —“ Kaum hatte sie es ausgesprochen und die Einkäuferin machte : sich daran ihre Sachen zusammen zu nehmen und sich zu entfernen, als die äussere Ladentüre mit einem Knall zugeschlagen wurde und der Ruf erschallte ,Schabbes, Schabbes, zumachen'‘ *und weiter ging es im raschen Lauf. Leie drückte sich ^chleunigst aus dem Laden und geschlossen wurde das Geschäft. In einigen Minuten waren in der ganzen Strasse, in welcher Reb Nochim durchzog, alle Verkaufsmagazine geschlossen und in kurzer Zeit wurde es immer stiller und ruhiger auf der Strasse. Wer war Reb Nochim? Was wollte er? Hierzulande weiss man wenig oder gar nichts von diesem Manne; doch in der russisch-littauischen Stadt Grodno, wo meh( Juden als in der ganzen Schweiz leben, und noch weit hinauis über die Grenzen dieser Stadt wurde der Name des Reb Nochim Schames mit besonderer Ehrerbietung und Hochachtung genannt. Was? Schames? Ja wohl, Schames in einem Beth ha midrasch in Grodno war er. 1 Ein Schames ist gewöhnlich keine bedeutende Persönlichkeit in I einer Kehite; Reb Nochim aber war trotz seiner untergeordneten Stellung eine hochgeachtete und allgemein beliebte Persönlichkeit und wegen seiner grossen Gelehrsamkeit und seines tugendhaften, wahrhaft frommen Lebenswandels als ein heiliger Mann betrachtet und fast gefürchtet. Er war wirklich ein merkwürdiger Mensch. Arm wie Lazarus und reicher als der grösste Kozin von Grodno. Er konnte nicht einmal einen Rubel sein eigen nennen und war; doch der glücklichsie Mann auf Erder!. Er hatte kein Bedürfnis nach iidischen Gütern und war daher für sich selbst mit sehr wenig zufrieden. Sorgen bereitete ihm nur das Wohl anderer und er leistete eben in dieser Beziehung bedeutend mehr als mancher Kozin. Trotz seiner totalen Besitz-! losigkeit an Vermögen unterhielte er allein eine grosse Anzahl von Bachurim, die dem Talmudstudium in seinem ßethhamidrasch ob- 1 lagen, und war ihnen Lehrer und Ernährer zugleich. Des Morgens versah er Schamesdienst und nach dem Dawnen (Oren) hielt er seinen Lehrvortrag, dem die lünger mit grosser Aufmerksamkeit ן folgten und der dem grössten Raw Ehre gemacht hätte. Denn Reh i *) Mit Genehmigung der Redaktion aus Nr. 32 des ״Israelit.! Wochenblatts für die Schweiz“ entnommen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.