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Der Sabbath · 1906-10-01 · 10 (10.1906) · p. [Seite]

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Journal
Der Sabbath
Volume
6 (1906)
Issue
10 (10.1906)
Date
1906-10-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Der Sabbath. Gelsenkirchen, 29. August. Herrn Rabbiner ür. Marx-Kecklinghaasen, der im Aufträge des ״Vereins zur Wahrung der religiösen Interessen des Judentums in der Provinz Westfalen“ handelte, ist es gelungen, für die Soldaten des ganzen VII. Armeekorps, nicht nur Boschhaschonoh, sondern auch den darauf sich anschliessenden Schabbos Schuwo, sowie Jaumkippur Urlaub zn erwirken. Das betreffende Schriftstück des Herrn kommandierenden Generals Freiherrn v. Biessing lautet: VII. Armeekorps Generalkommando Sect. Ile. J.-Xr. 8570. Münster, d. 27. 8. 06. ״An den Herrn Rabb. Dr. Marx, Recklinghausen. Auf Ihr Schreiben vom 23. fj. 06. J.-Xr. 1542 V, teile ich Ihnen ergebenst mit, dass ich die Truppenteile angewiesen habe, die Mannschaften israelitischen Glaubens, an den höchsten jüdischen Feiertagen, 20.—22. 9. und 29. 9. sowie auch an den Vorabenden (19., 23. 9. abends) nach Möglichkeit vom Dienste zu dispensieren, damit dieselben ihrem religiösen Bedürfnis R״cl1nung tragen können.״ — Es wäre nur zu wünschen, dass alle jüdischen Soldaten rechtzeitig von diesem Dispens Gebrauch machen. Bromberg, 27. September. Wie diu ״Ostd. Rundschau“ von hier brachte, hatten die beiden jüdischen Geschworenen der gegenwärtigen Schwurgerichtsperiode den Autrag gestellt, sie von der Teilnahme an der Freitag-Sitzung zu entbinden, da am Freitag nachmittag ein hoher jüdischer Feiertag, das Versöhnungsfest, beginne ' Der Vertreter der Staatsanwaltschaft hatte gegen die Beurlaubung der Antragsteller' nichts einzuwenden, der Gerichtshof beschloss aber nach längerer Beratung, die Gesuche abzulehnen. Er folgte dabei, wie der Vorsitzende ausführte, einer beim hiesigen Landgericht konstant geübten Praxis, die auch bereits von allen bis zu den höchstgerichtlichen Instanzen gebilligt worden sei. Da die Herbst-Schwurgerichtsperiode in der Regel in den September lielen, in diesem Monat aber mehrere jüdische Feiertage statttinden, so könnten sich bei einer grösseren Anzahl von jüdischen Geschworenen leicht Erschwernisse ergeben, wenn solchen Gesuchen nachgegeben würde. Sie müssten daher, wie auch das Posener Oberlandesgericht entschieden habe, prinzipiell abgelehnt werden. — Von Rechts wegen! Dass es geradezu Gewissenszwang ausüben . .heisst, den Juden an seinem höchsten Feiertage zur Ausübung richterlicher Funktionen durch Strafandrohung unzuhalten, dafür fehlt dem erkennenden Gerieht' offenbar ebenso das Verständniss, wie für die Erwägung, dass es mit der verfassungsmässigen Gleichberechtigung de'r Oonfcssionen im Widerspruch steht, wenn man zwar dem Christen die Beobachtung seiner Feiertagsruhe gewährleistet, sie aber dem Juden versagt! Dass dieser Zustand auf die Dauer nicht zu halten ist, liegt auf der Hand und der ״Verband der Sabbathfreunde“ wird sich def Pflicht nicht entziehen, nach Kräften für die Abstellung dieses Miss- Standes zu wirken. Verbandsnachrichten. Folgende Xeugrnndungcn von Ortsgruppen sind seit Erscheinen :־unserer letzten Uebcrsicht (Juni-Xo. des ״Sabbath“) zu verzeichnen: 34) M ühringen i. Württemberg. 35) M ergentheim i. Württemberg. 36) X iederstetten i . Württemberg. 37) F reudenthal i. Württemberg. 38) S chwabach. 39) V eitshöchhei m . 40) s chweinfurt. 41) A ltenlotheim . 42) F rankenau. 43) H öringhausen 44) T reuchtlinge D . Mit den bereits für' die nächste Zeit bevorstehenden weiteren ‘־Gründungen, dürfte die Zahl unserer Ortsgruppen das halbe Hundert -erreichen, Wenn nicht übersteigen. Möge dieser Fortschritt allen Freunden unserer Sache zur Aneiferung dienen. Stuttgart 14. September freunde“ in Freuden thal trag. Xnchdem der Redner in samkeit, welche gerade die 1906. Am 19. v. Ms. hielt Herr. 69 Paul M. Aron aus Stuttgart im Aufträge des ״Verbandes des Sabbathin Württemberg einen Propagandajvorder Einleitung die bedeutsame Wirkjüdischen Frauen für die Zwjcke des Verbandes entfalten künden, indem sie die Jugend durch das Beispiel echtjudischer Frömmigkeit zur Heilighaltung der ganzen Thauroh und besonders dos Sabbaths erziehen, hervorgehoben hi.tte, gab er in einem wunderschöner Gleichnis einen kurzen Überblick ijber die Geschichte des Sabbath, seitdem ihn Gott dem jüdischen Villko geschenkt hat, bis auf den heutigen Tag, wo dies herrliche (resclipnk nur noch von einer kleinen Minorität behütet und in Ehrgn gelia wird• Diese wenigen echten .•sabbathfreunde zu sammeln *und zu ganisiereu, um dann erfolgreich für die Heilighaltung des Sabbiths kämpfen und einstchen zu kcjnnen, ist die grosse Aufgabe, die;ich. der ״Verband der Sabbathfreu ide“ gesetzt, und zu der er jeden ilabbathfreund mitauffordert. — Die Ausführungen des Redners wurden mit grossem Beifall aufgenommen. — Xachdem Herr Lehrer Ade.Ishei|mcr von Freudenthal, der sich besonders um das Zustandekommen der Versammlung verdient gemacht hatte,- nochmals auf die Wichtigkeit der Sache hingewiesen hatte, konstituirte sich eine Ortsgruppe, welcher sämmtliche Anwesenden, Herren und Damen, beitra — Es bestehen nunmehr 8 Ortsgruppen in Württemberg. -ץ- Stuttgart, 14. Oktober. Dienstag, 25. September hielt (die Ortsgruppe Stuttgart des Verbandes der Sa b ha t freunde (ine .Hs Redner war Herr Moritz A. Loeb worden. Die Versammlung war gut wurde sie ton dem Vorsitzenden der Stuttgarter Kirchenrat öffentliche Versammlung ab. aus Frankfurt a. M. gewonnen besucht. Eröffnet Ortsgruppe, Herrn Kirchenrat Dr. Krön er, welcher kurz die Geschichte der Gründung des Verbandes, schilderte, wie dieselbe von Berlin aus unter tätiger Mitwirkung des Redners erfolgte, und 11er auch die Verbreitung des Verbandes in Stuttgart und im La1.de Württemberg mit seinen verhältnismässig zahlreichen Ortsgrupjcn hervorhob. Alsdann führte Herr Loeb aus.!lass die!Absichten des Vereins dahin gingen, die Liebe zum Sabbat den Treugebliebenen erhalten und in weiteren Kreisen wieder zu erwecken, vor all :ui aberden sabbattreuen Geschäftsleuten und'Handwerkern, seien es Geschäftsinhaber oder Angestellte, die Heilighaltuug des Sabbats zu erleichtern. Dies geschehe d irch Stellennacbwcisung, durch Vermittiuug von Associationen od!r durch Ermittlung von Städten Und Urten, wo dieser oder jener Ge;chäftszweig noch wenig vertreten( ist, ferner durch Aufzeiguug neuer Geschäftsbetriebe, in welchen j die Beobachtung des Sabbats no^h nicht so sehr erschwert ist. JJer. Vortragende wies auf die bedeutenden Erfolge der Vereine zur Ver- Sicherung gegen Stellenlosigkeit hin, damit beweisend, dass Unternehmungen,״ an Welche man anfangs nur zagend und zögernd ging, dennoch zu ungeahnter Blüt$ und zu vorzüglichem Gelingen sich intwickelteu. Auch wies er in seinen Ausführungen darauf hin, dass der Verein schon in zahlreichen Fällen dazu beigetragen habe, dass die Gesetze über die Sonntagsruhe zu Gunsten sabbathaltender Ge» schäfte ausgelegt und angewandt wurden und dass bei Behörden schon des Oefteren günstige Erlasse betr. Dispensationen vom l£rscheinen, vor Gerichten und voip Schreiben in der Schule etc. erwi ■kt worden seien etc. etc. Besonders forderte Redner dazu auf, d iss man derartige Fälle der Redaktion des ״Sabbat* mitteilen möge behufs Veröffentlichung und Xutzbarmachung noch für־»;־eit :re Interessenten. Auch wies er darauf hin, wie notwendig und nützlich es sei, die genannte Zeitschrift eingehend und genau zu lesen i.nJ weiter zu verbreiten. Mit einer warmen Aufforderung, die Ideen ijnd Aufgaben des Verbandes energisch und allseitig zu ptlegen und in immer grösserem Umfange die Gewinnung von Mitgliedern zu betreiben schloss der Redner seine hochinteressanten, aus_dem erfahrungsreichen Leben gegriffenen Ausführungen. In der Diskussion wies Herr Veit Kahn aus Uannstatt auf die!,dicht von Rabbinern und Lehrern hin, in der Schule und Jauf der Kanzel der Entweihung 1 es Sabbatcs entgegenzutreten. Xach einer kurzen Bemerkung hierauf seitens des Herrn Kircheurats schloss dieser nach herzlichen Dankes- Worten für den Redner des Abends die Versammlung. —

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