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Der Sabbath · 1906-07-01 · 7-8 (Juli-August 1906) · p. [Seite]

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Journal
Der Sabbath
Volume
6 (1906)
Issue
7-8 (Juli-August 1906)
Date
1906-07-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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Der Sabbath. 55 «insern Tagen wird die ehemalige Schule der Franken, ״Aitschule1־ ,genannt, zum Tempel des neugeregelten Cultus umgewandelt. Es ist bei den Israeliten eine talmudische Vorschrift, dass in -der Macht vor dem ersten Passahabend alles Gesäuerte, ״Chomez“ aus dem Hause geschafft werde- Daher ist jeder Hausherr verpflichtet, mit einer leuchtenden Wachskerze alle Ecken und Winkel -der Stuben und Kammern durchzustöbern, ob nicht irgendwo ein -Stückchen Brod oder sonstiges Chomez liegen geblieben. Da über diese Ceremonie der Segen gesprochen werden muss, und im Falle der Sucher nichts fände, der heilige Spruch ohne Anwendung bleiben würde, so werden absichtlich da- und dorthin einige Brodkrumen, Pfefferkuchen und dergleichen am Passah verbotene speisen gelegt, damit sie gefunden werden. Der Hausherr kehrt, was er findet, sorgfältig in einen Lappen und bindet diesen Zusammen, um das Päckchen am nächsten Morgen zu verbrennen. Diese Ceremonie heisst Chomez-Battlen- Der Rabbi der Altschuler- Gemeinde, dessen Wohnung nahe an der Synagoge stand, hatte mit frommer Andacht diesen religiösen Gebrauch vollendet und -־sich bald darauf zu Bette begeben. Kaum entschlummert, ward er durch die Worte: .Steh auf! Du hast noch nicht recht Chomez gebattelt,“ geweckt. Erschrocken sprang der Rabbi vom Lager auf, zündete die Kerze an und durchsuchte abermals alle Winkel 1 ■des Hauses; da er aber nichts finden konnte, glaubte er nur gej ־träumt zu haben. Er legte sich wieder nieder, doch kaum war er 1 -eingeschlafen, so Hessen sich die obigen Worte wieder vernehmen, \ und abermals stand der Rabbi auf, nachz.isuchen und fand *wieder Nichts. Als ihn aber zum drittenmale die nämlichen Worte ge- 1 ־weckt hatten, fragte er, wo denn der Sauerteig eigentlich liege?; —״In der Wohnung des Herrn unter der heiligen Bundeslade liegt! -der Sauerteig und Deiner Gemeinde Verderben verborgen!* war die Antwort. Sogleich liess der Rabbi den unt:r ihm zu ebner Erde wohnenden Schammes (Synagogendiener) wecken, und Beide betraten nicht ohne Grauen um Mitternacht die schauerliche Halle.! Der Rabbi nahte sich der Lade und nahm aus der Mische unter derselben die Weinkanne und den silbernen Pokal, die zum Ein- ־segnungswein bestimmt sind, hervor. Wer malt das Entsetzen der beiden Männer, als sie den Inhalt der Kanne erkannten. Es war Blut. ״Gelobt bist Du, Gott, unser Herr, der Du Dein Volk rettest -aus der grossen Gefahr, und der Feinde Tücke vernichtest,“ sprach der Rabbi mit andächtiger Stimme. — ״Gewiss, ein böser Mensch hat dies hierher gestellt, um uns zu verderben!“ wandte er sich -dann zu dem bebenden Schammes. — ״Komm, lass uns eilen, dieses verderbliche Chomez wegzuschaffen.“ Ein Feuer ward angeschürt, das Blut verbrannt, Kanne und Pokal rein gescheuert, mit Wein angefüllt und an die frühere Stelle gebracht. — ״Leget die : Hand an detj Mund, schweiget still und wartet ab, was da kommen < wird" sprach der Rabbi zum Synagogendiener. ״Zeitig früh gehet von Haus zu Haus und verkündigt in meinem Namen, dass nicht ' nur die männlichen Erstgebornen, sondern die ganze Gemeinde j faste, und fragt Euch jemand nach der Ursache, so saget: Es ge-! schehe wegen des frommen Salum, der im Kerker schmachtet.‘ן ־ Der Schammes verneigte sich ehrerbietig und ging; der Rabbi 1 hingegen betete inbrünstig die ganze Macht hindurch, der Herr | möge alles Unheil, das den jüdischen Einwohnern Prags drohe,! abwenden und zum Guten umwandeln. Am ersten Passahabend ’ hatten sich die Israeliten der Altschuler Gemeinde in ihrer Synai goge zum Abendgebet und zur Einweihung des Festes versammelt;! aber diesmal waren sie nicht wie sonst in festliche Gewände» gej -kleidet, und die Heiterkeit, die gewöhnlich in-^den Mienen der : frommen Feiertagsverehrer sich spiegelte, war heute verschwunden. j Des Vorbeters übliche Gesänge verstummten, murmelnd und ein- 1 tönig wurden die Gebete verrichtet, in die sich mancher Seufzer : mischte, und fast in jedem Auge sah man Tränen. Nur schwach j war das Bethaus beleuchtet; es schien, als wäre heute der Vor- ן abend des neunten Ab, an dem man über die Zerstörung jerusalems trauere. Unsägliche Angst und böse Ahnung erfüllte die Gemüter der ganzen Versammlung, und man eilte die Gebete zu -enden, um früher in die Wohnung zurückzukehren. Doch ehe noch die letzte Betformel begonnen, verwandelte sich die Angst in Entsetzen. — Die Pforte der Synagoge ward mit Heftigkeit aufgerissen — eine grosse Anzahl obrigkeitlicher Personen, Quartiermeister und Commissäre drang herein, ihnen folgte eine Schaar bewaffneter Söldner und füllte den ganzen Raum der Synagoge. Verzweiflung malte sich auf den erblassten Gesichtern der Israeliten. Hie und da konnte man den Ausruf: Herr Israels! Auf Deine Hilfe hoffe ich — in Deine Hand befehle ich meinen Geist, zwischen dem Gemurmel vernehmen. Da verliess der Rabbi seinen Sitz neben der heiligen Lade, bestieg den in der Mitte der Schule stehenden Almemor und gebot mit kräftiger Stimme Ruhe und Stille. — Alles horchte aufmerksam, Niemand wagte einen Laut, denn die hohe Gestalt, die imponirende Haltung des Greises flösste selbst den anwesenden Christen Ehrfurcht ein. Hierauf begann -der Rabbi: ״Fürchtet nicht, verzaget nicht, Männer Israels, der j Herr der Heerschaaren ist mit uns, die Feinde können uns nichts j -anhaben. Und Du, Ausgeburt der Hölle, tritt hervor, zeige Dich, 1 *verleumderischer Satan, und vollende Dein teuflisches Werk.“ | Lange herrschte schauerliche Stille.' Da trat aus dem gedrängten Menschenhaufen teuflisch lachend Izzig Klebler hervor; schnell bestieg er die Stufen vor der Lade, nahm die Kanne und den Kelch aus ber Nische und überreichte beides einem der Beamten; dieser erhob die Kanne hoch über ’den Kelfch, um ihren Inhalt darein zu giessen, damit jedes Auge es sehe,■*— wie flüssiger Rubin sprude'lte der reinste Wein, rings umher Wohlgeruch verbreitend, hinab in den Pokal, j } ״Ha! was ist das? treibt der Kerl sein Spiel mit üns?‘‘|e1tscholl es von mehreren Seitep, und Izzig glotzte auf dem herjab־ fliessenden Wein; blass und starr stand er da wie eine Bildsäule. ,,Schurke!“ rief der erste Commissär, ״ist das Blut? Diesdr Spass soll Dir teuer zu stehen kommen!“! ״Wehe über mich! israjels Gott kann' Wunder tun!“ scfjrie Izzig, die Hände zusammenschfagend und stürzte ohnmächtig nieder. ״Elender Schuft! nenne; nicht mit Deiner verruchten Zuhge ■ den Namen des ־unerforschlichen Wesens! Geh’ von dannen lind ^entweihe nicht mit Deinem Leib die gottgeweihte Wohnung,“ dortnerte der Rabbi von der Tribüne herab. Alles war voll Verwunderung und Keiner konnte genügende Auskunft geben. ' Da nahm der Vornehmste der anwesenden Beamten dais Wort. ״Ihr staunt, meine Herren, mit Recht! Ein Bubenstreich ohne Gleichen ist an den Tag gekommen. So mag's oft schon geschehen sein, dass unsere leichtgläubigen Brüder die Aussage eines Schurken für Wahrheit nahmen und ohne Untersuchung die grössten Greueltaten an den armen juden verübten. Ergreift den Schurken, werft ihn in den Kerker, jetzt wollen wir Seiner Hochwürden, dem Herrn Statthalter, anzeigen, was wir gefunden“. In dem Augenblicke, als die Beamten die Synagoge verlassen wollten, hörte man in der Vorhalle ein Weib aufschreien und,einen Knaben weinenjedes Auge war auf den Eingang gerichtet. Da trat Doctor Leon herein; mit der rechten Jfand hielt er die yor Freude bebende Ludmilla, an‘ der linken [ührte er den kleinen totgeglaubten Heinrich. * ״Meine Herren,“ sprach der Arzt, ״die Schurkerei, die Jhr entdeckt, ist noch nicht die ganie gewesen. Die׳ Verhaftung dies: redlichen Salum war auch ein Streich des Elenden; der Zufall führte mich zu seinem Spiessgesellen; durch freundliches Zureden und Vorstellungen gelang es mir, sein noch nicht ganz verstocktes Herz zu bewegen, dass er mir das niederträchtige Gewebe entdeckte. Der schuftige Izzig wollte das Kind wirklich töten lassen und Salum in den Vei dacht des Mordes bringen; allein er wajd von dem menschlicher gesinnten Spitzbuben י getäuscht. Das ist der Knabe, meine Herren, den Salum im Keller geschlachtet habin sollte!“ Freuäe glänzte in den Augen allein Anwesenden und tiefe Stille herrschte, als Leon die Geschichte erzählte, wie er din Knaben gefunden, Wlaclaw Rybar war der Schlüssel zu dem veh־- brecherischen Rätsel. Indessen hatte Izzig Klebler sich wieder aufgerichtet und die Erzählung Leon’s ruhig bis zu Ende angehöijt; dann erhob er seine widrig kreischende Stimme und schrie: ■ ״Gott ist wahrhaft und gerecht, ich aber hin der grösste Sünder! Führt mich auf den Richtplatz, ich werde Alles öffentlich bekennen und Gottes Namen heiligen.“ Auf einen Wink des Commissärs ward Izzig fortgefuhrt. (Schluss folg(.) .טניחה ושטחה Erholung und Freude und lichtvolle Zeit O, Tag der Ruhe und Lieblichkeit. Wer treu Dich hält und dem Schöpfer weiht, Bekennt: ״Am sechsten stand Alles bereit.“ Der Himmel Himmel und Land und Meer, Der Höhe gewältig unzähliges Heer, Und Hai und Mensch und Büffel und Bär Der Welten Schöpfer stellte sie her! Und Er, Er sprach zum •Volke der Hut: ״Halt heilig ihn ganz mit fröhlichem Mut“ Der Sabbath ist ja sein köstlichstes Gut, An welchem Er selber als Schöpfer geruht. Im Sabbathgebot ist Dir beschert, AuV;־bete zu Ihm, der gern Dir gewährt; ״ ״Von jeglicher Seele, von uns auch verehrt,‘ _ Geniess” nun mit Freuden — Du bist schon erhört. Gedoppeltes Brod, gesegneter Wein, Beim reichlichen Mahle wohlgemut sein; O, selig, die wahren dpn Edelstein, Das kommende Heil 's^ll sie noch erfreu'n. Abrah. Tendlau.

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