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Der Sabbath · 1906-07-01 · 7-8 (Juli-August 1906) · p. [Seite]

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Journal
Der Sabbath
Volume
6 (1906)
Issue
7-8 (Juli-August 1906)
Date
1906-07-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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54 Der Sabbath. die angeregte Agitation zu einem Gesetzes-Yorschlag fuhren, njtlcher unter Berücksichtigung dieser Ansicht eine secbstägigeJtrbeiwwoche Torschreibt, aber die Wahl des Ruhetages beliebig freigibt, dann wäre es nicht uninteressant, wenn diejenigen• Juden, welche den|Sonntag als den einträglicheren Geschäftstag betrachten, dadurch gezwungen wurden, am Sabbath streng geschlossen zu halten, und wir auf diese Weise dem Ländesgesetze eine gewissenhaftere Heilighaltung des Sabbaths seitens vieler Juden zu verdanken hätten. 1 I.Jüd. Presse.־) Vermischte Nachrichten. Berlin. 1. •luli. Mit Rücksicht auf den jüdischen Versöhnungstag (2!l. September!, der mit dem Schulschluss in diesem Jahre zu-aiu* inenfüllt, wird das künigl. Provinzialsckulkollegium auf Hingabe des Vorstandes der hiesigen jüdischen Gemeinde eine Verfügung dahin trerfen, dass den jüdischen Sehulern. die am Gottesdienste tcilnebiuen die Zeugnisse anderweitig zugehen. Halle a. S.. 1. Juli. V״r!lern Kriegsgericht der b. Divi-io» war unlängst ת11ך Reservist Friedrich Stior wegen Ungehorsams und Beharrens im Ungehorsam angeklagt, weil er am Sonnabend, 21.׳ April auf dem Trupiamübungsplatz in Altengrabow, wo er zu einer Uebung, eingez2״enwar. aus religiösen!;runden keinen Dienst tun wollte. Als in der-3. Kompagnie des Infanterie-Regiments Nr. 66 am Sonnabend, den 21, April, morgens, der Befehl erging: .Fertig machen, znm Dienst־, erklärte Stior, er tue unter keinen Umständen Dienst, denn er sei Adv^tist vom siebenten Tage. Er sei früher Eisendreber gewesen, jetzt Missionsschuier geworden und müsse den Sabbath auf jed׳n Fall heiligen. Sonnabends tue er keinen Dienst, und wenn es sein Leben jfc׳sttv i,, r Unteroffizier, der Ftldwel>el der Leutnant, ■ler HatfpjmSn und der Major gaben sich grosse Mühe, den Angeklagt!« Ai!■■•wegen. Dienst zu tun. Er erklärte aber weinend, er tue keinen I*it^ust. Seine Mutter habe ihn zu der Adventisjenlehre bekehrt und gesagt, das. was diese Sekte lehre, sei das Richtige. D׳׳r Kit! eilt!!!live den Herrn derartig erziehen, dass der Herr Sonl ab.nd־ vop! Knecht nichts Unrechteverlange. Der Angekl^gt der während -einer früheren Dien-tzeit evangelisch war, sich : g geführt *hat und aibraver Kamerad galt, licss sich auch durch <1 Kriegsrichter - von -einer religiösen Ueberzeugi Er i«l 1*114011׳ «1־. Sonnabends wird kein Dien-t1 getan, lautete mf z»*-i Monate •iefängnis. London, jl. Juli. Eine bemerkenswerte Aenderung des Hofzeremoniellhilf, wie .The Tribüne־־ meldet, der Könia von England zugunsten der Juden verfugt. Während bisher ■eine jede Cour am Freitag abgehalten wurde, hat die dritte Cour dieser Saison am Donrterstag dm 2*. •luni stattgefnnden. Mit dieser Aenderung wird bezweckt, dem! Iberrabbiner und den Mitgliedern der jüdischen Gemeinde die Teilnahme an den Hotfestlichkeiten zu ermöglichen, | von der sie iüshef durch die strenge Beobachtung des Sabbaths auSgeschlossen waren. Wie da- Blatt weiter bemerkt, wird diese Anorefnung des ^Ciinigs als eines der wichtigsten gesells ch^ftlic h e'n E r eign iss e der Saison betrachtet. Montreal, j. Jnli. Das kanadische Parlament hat ein Gesetz angenommen, durch das die Be*chränkangen der geschijftlichep Tätigkeit am Sonntag bedeutend vermehrt worden sind. Die jüdische Bevölkerung wird äusserst schwer (!1־durch-: betroffen-' Das uftenhalten der Läden war auch bisher schon verholten. Es war jedoch gestattet, in den Bureaux und Werkstätten hihter verschlossenen Türen zu arbeiten. Dies ist nach dem nenen Gesetz nicht mehr zulässig. Das Gesetz ist keineswegs *us einem Wunsch der grossen Volksmassen bervorgegangen. Es ist auch von christlicher Feite, so z. B. von der Montrealer Handelskammer dagegen protestiert worden. Desgleichen waren die französisch-kanadischen Katholiken Gegner der Vorlage. Aber trotz dieses Widerspruches hat es eine Anzahl von Leuten, die nach einem hfittel suchten, um den mangelhaften Kirchenbesuch zu stärken, durchgesetzt, dass das Ministerium dem Parlament das erwähnte Gezetz zur Votierung vorlegte. Alsbald sprach eine jüdische Deputation bei dem Premierminister, Sir Wilfried Laurier, und dem Justizminister vor, und bat um die Einsetzung einer besonderen Kommission zur Beratung eines Amendements, wonach es denjenigen, die den Sabbath heiligen, erläubt sei, wie bisher hinter verschlossenen Türen und so, dass niem ind‘ in seiner Sonntagsruhe dadurch gestört wird, ihrer Arbeit obliegen. Sir Wilfried Laurier erkannte die Berechtigung dieses Wunsches an, und es wurde zur Prüfung der.Sache eine Kommission eingesetzt, die nach eingehender Untersuchung die Annahme des Amendements beschloss. Das י Plenum des Parlaments hat jedoch diesem Beschluss seine Bestätigung versagt, und der Vorlage in unveränderter Form endgültig zugestimmt. Besonders hart werden die Konfektionsgeschäfte, in denen 7000 jüdische Hände — die Mehrzahl in der Hauptstadt — be-chäftigt sind, uiiter dem neuen Gesetz zu leiden haben. Jajin Kiddusch. Mach einer Sage j von L. Weisel 1 (Fortsetzung). ״Du hast wahr geredet, himmlisches Mädchen,“ sprach Leon : und drückte die Holde fester an sich. ״O Könnte alle Welt Dich sehen und hören so wie ich, der alte Hass würde schwinden vor der Macht Deiner Unschuld, und die grimmigsten Feinde würden zur Vernunft kommen und sagen: Wenn diöses holde Wesen mit Laster befleckt ist, welchen Unterschied gibt’s zwischen Engeln und Höllenfratzen? Wer wird noch an die Tugenden glauben, wenn das Laster sich in himmlischem Glanze zeigt?“ ״Gnädiger Herr!“ nahm Salum wieder das Wort, ״Ihr wisst, dass ich unschuldig bin, aber die Andern werden es nicht glauben. Ich weiss, was mir bevorsteht. — Ihr seid der! Nächste bei unserm Statthalter, redet ein günstiges Wort für mich. Die Schuldbriefe sollen vertilgt sein, wenn man nur den gerechten! Weg geht und uns nicht ohne Beweis verurteilt.“ ״ ןSeid ohne Furcht; so lange Euere Schuld nicht offen vor 1 Augen liegt, soll Euch nicht das Geringste geschehen; aber gestehet mir: habt Ihr denn gar keine Mutmassung irgend eines; Feindes, der Euch aus Rache diesen Streich׳ gespielt hätte? Es 1 soll Einer von Euern Glaubensbrüdern Euch angeklagt haben.“ j ״Herr! Vermutung? Gott vergebe mir die Sünde, wenn ich Jemand mit Unrecht beschuldige! Der Izzig Klebler, Dina’s ehemaliger Bräutigam, hat uns gedroht.“ ״Alter, Du wirst recht haben! Dass ich doch nicht gleich auf den Buben verfallen bin! — Ja, der Schuft! kein Anderer ist’s, der fähig wäre, sein Volk zu verraten und es dem Verderben preis zu geben. Ein niederträchtiges Bubenstück: steckt dahinter! — Lebt wohl, ich will nicht ruhen, nicht rasten, bis ich die Wahrheit herausgebracht,“ sprach Leon und eilte hastig davon. Zu jener Zeit, wo unsere Erzählung spielt, bestanden die Juden in Prag aus zwei Gemeinden, die sich sowohl durch Charakter als auch durch religiöse Gebräuche genau unterschieden. ■ Die grössere, auch alte Gemeinde genannt, bewohnte die eigentliche Judenstadt; sie bestand grösstenteils aus den!Nachkommen der in den frühesten Zeiten eingewanderten Israelitein. Diese hingen an . dem Ritus der polnischen Rabbiner und trugien auch in dem gewohnlichen Leben den Charakter und die Sitten der polnischen Juden an sich. Die kleinere, neue Gemeinde, die ausserhalb der Judenstadt in der Gegend der Kreuz- und Geistgasse beisammen wohnte, bestand aus neuen Ankömmlingen der südlichen Länder, daraus die Juden damals verjagt wurden oder auszuwandern sich bewogen fanden. Diese hatten andere Synagogengebräuche, andere Gebete und waren überhaupt an Bildung und Sittlichkeit vor den! länger einheimischen Juden voraus. Sie wurden allgemein wegen ihrer Landesabkunft und eigentümlichen Sprache ״Franken“ oder ־ ״Portugiesen“ genannt. Nach und nach hatten sich die ausländischen Juden mit den einheimischen durch Ehen vereinigt, ihre Gebräuche und Siften angenommen, bis auf einige Synagogen-Observanzen,. welche noch in der jüngsten Zeit beibehalten wurden. Erst in 1

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