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Der Sabbath · 1906-07-01 · 7-8 (Juli-August 1906) · p. [Seite]

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Journal
Der Sabbath
Volume
6 (1906)
Issue
7-8 (Juli-August 1906)
Date
1906-07-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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% Der Sabbat(!. den jüdischen Handwerkern und Gewerbetreibenden zumeist nur möglich, gerade durch billigere Angebote Aufträge zu erhalten, weshalb sie sogar vielfach seitens der nichtjüdischen Concurrenten als Preisverderber verschrieen sind. — Andererseits kann vielen, selbst religi- Ösen Juden der Vorwurf nicht erspart bleiben, dass sie ן ihrer Pflicht gegenüber den zu den שם־י שבת gehörenden j Handwerkern und Gewerbetreibenden nicht gerecht! werden, wenn sie diese bei Vergebnng von Arbeiten aus; Befürchtung vielleicht benachteiligt zu werden, ganz ן umgehen und sie nicht einmal mit in Concurrenz ziehen, j die Aufträge vielmehr ohne Rücksichtnahme auf den שבת j übertragen und da nicht selten ohne Widerrede teurere : Preise zahlen. Red.; Der Sonntagmarkt in London. 1.0 1111011, 1. Juli. lu dein unmittelbar öst'ich vom Mittelpunkt Londons gelegenen Stadtteile wohnt eine Bevölkerung, welche hauptsächlich aus Juden besteht und sich durch neue Ankömmlinge immer weiter nach Osten und Norden ausdehnt. Ein grosser Teil derselben kam aus Russland oder Polen und besitzt deshalb manche Eigentümlichkeiten und Gewohnheiten, die, wenn man an ihre frühere Heimat und an die Verhältnisse, in denen sie dort gelebt haben, denkt, wohl leicht erklärlieh, aber dennoch nicht gerade geeignet sind, ihnen bei jedem Engländer eine freundliche Bewillkommnung zu sichern. Doch das wird jhnen selbst von Gegnern und Neidern zugestanden, dass sie durch den Eifer und Fleiss, durch die Sparsamkeit und Genügsamkeit, mit . welcher sie aus der niedrigen sozialen Stellung, in der sie sich bei ihrer Ankunft hierzulande zumeist befinden, in angestrengter Tätigkeit und Ausdauer sich emporzuarbeiten streben, ihren neuen Nachbarn; als nachahmenswertes Muster dienen können. Viele von ihnen widmen sich dem Handel und dem Geschäftslebeu, wenn dieser Ausdruck kein zu hochklingender ist. Man wird nicht erwarten, dass sie grosse Aufwendungen zur Errichtung von Geschäftshäusern und Wareni lagern machen. Eine Bretterbude, ein Karren, ein blosser Tisch, ein Stuhl, die dann in langen Reihen auf beiden Seiten der Strasse stehen, genügen ihnen, ihre Waren zur .Schau zu stellen. Für Manche ist sogar eine derartige Einrichtung zu umständlich oder zu kostspielig. Sie tragen ihr ganzes Waren-,Lager“ ganz einfach in der Tasche, auf den Armen oder den Händen umher und bieten sie den Vorübergehenden zum Verkauf an. Und gar Manche, die auf diese Weise ihre geschäftliche Tätigkeit begannen, haben sich später in der Kaufmannsweit einen grossen Namen gemacht und bewohnen jetzt Häuser, für welche sie jährlich Hunderte von I’fuud Miete zahlen. Die ganze Woche hindurch, mit Ausnahme des Sabbathtages herrscht hier ein reges, geschäftiges Leben, das am Freitag und au den Tagen vor einem Jorntow, ganz besonders aber am Souutag seinen Höhepunkt erreicht. Eine grosse Menschenmenge strömt hier zusauimen, die aus Verkäufern und Kauflustigen besteht, mitunter auch namentlich am letzgenannten Tage, aus vielen Leuten, welche die blosse Neugierde herbeigelockt hat. Das Gedränge ist ausserordent- Reh gross, und aur mit Mühe kann inan sich Bahn brecheil. Das Geschrei wirkt auf den Fremden und Uneingeweihten im höchsten Grade verwirrend und betäubend. Von Zeit zu Zeit fährt ein Wagen ■J mitten hindurch and treibt die wogende Masse auseinander, die sich aber gleich hinterdrein, wie Wasser hinter einem Schiff, wieder zu׳ ־ sammenschliesst. Die antisemitische Agitation, die vor einigen Jahren entfacht wurde und das Fremden-Gesetz (AUens Bill) zur Folge hatte, hat sich nunmehr aueh gegen dieses Sonntags-Geschäft als eine Störung der Sonntagsruhe :gerichtet und hat es durchgesetzt, dass eine König- Rehe Kommission ernannt wurde, welche die Frage untersuchen und darüber Bericht erstatten soll, ob jene Zustände weitetr ged111 ׳ .et oder durch ein besonderes Gesetz beseitigt werden sollen, liegen die fernere Duldung wird geltend gemacht,!lass das Beispiel *uch viele Christen der Nachbarschaft verleite, ihre iieschäfte im Sonnt tg zu öffnen, um nicht die Kundschaft zu verlieren, dass di;! gelittene Gelegenheit viele Leute veranlasse, ihre Einkäufe auf :••.nnta; _ zu verschieben, was die religiösen Gefühle der christliche^ Anwubier verletze. Ferner beklagt maiJ -ich darüber. da-;•- unter ih n Hämlhni . auch solche Juden seien, die ihre Laden am >abbath olffen 11ilt|e11 uml durch die Siouutagsgeschäfte einen unberechtigten Vorteil ge über ihren christlichen Konkurrenten hätten. Dagegen wijd and amert-rseits hervorgehoben, dass viele der Arbeiterklasse angehün;11de mite jener Gegend nur am Sonntag ihre Einkäufe besorge» könnten, zwar auf jenem •Sonntägsmarkte billiger, ulanderswo und zu!■iuler geschlossen haben, würde dfr jedenfalls ein' harter :schlag genies-eti. sich den •>it teil und f •c ätteii und nicht durch eine Möruu arn Aiisios.« erregen sollten. Von anderen Zeit. Für viele Händler, christliehe sowohl wie jüdiscbcL iei der Sonntag der einzige < •esehäftstag, an dem siu etwas Verdi m;11 könnten. Für die religiou.sg»|treue11 Juden, die am Mibbuth st repg Abschaffung des Sonutags-<׳escI:älts sein. sie.in ihrer Enverbstiitigkeit auf fünf Tage der Wache beschränken und manchen es ganz uumöglith machen, einen anständigen, genügenden Lebensunterhalt zu verdi» nt n Den Fleischern und Obsthändlern wurde, namentlich während des Sommers, noch ein weiterer Verlust erwachsen, da ein grosser Teil ihrer Waren in der Zeit von Freitag Nachmittag Ins Montag fr(ih verderben müsste. 1 Wie schon bemerkt, befinden, sie-11 unter den'Häinllern uihli manche Christen, und es gibt übrigens auch noch einige andere > r. sseil iu dem grossen London, wo derartige Sonntags - Märkte. \ ׳e111 auch in verkleinertem MassOnbe und auf kürzere Zeit, abgeh;Mm werden. Ausserdem existiert eine vollständige Gcschäfts-Eiuhnl jtng am Smutag ja überhaupt nicht, da z. B. Wirtshäuser und Bahn hi nur während der Zeit des öfiUiitlielieU Gotte-dienstcS, also uitgtfäjti• zwischen 11 und 1 Uhr, geschlossen sind. j Von der erwähnten Klungl'ichcn ־Kommission ist-bereit ganze Anzahl iivjeressirter Personen vernommen worden, der tiegher behaupteten einfach, dass die Juden als Ausländer den Schutz der Laudc-gcsctze eben dieses Landes zu fugen '11 Sonntagsruhe bei ihren Naeltl: etwas rücksiehtvollcreii Gi-ginrcn wird Inrvorgchobgn. dass die Iru Ilten Juden iu den Munden nach .'abbatli-Ausgaiig für dem etw; igfen Verlust;1111 Souptag Entschädigung finden, könnte». Doch stehen hekunntlich während der Sottime'r-.Monate. wenn derSälibath erst gegen haRi zehn Uhr zu Ende geht, bücliMcns zwei Stunden zur Verfügung, abgesehen davon, dass es sieh kaum der .,Muhe lohnt, für so 1 urze Zeit, spät am Abend, das Geschäft zu öffnen. Indessen wird Hierkannt, dass fnr die am .'־abball! gewissenhaft ■feiernden Juden jejier Gegend ein vollständiges Verbot eine grosse Härte ■bedeuten wurjde, weshalb auch von gegnerischer Seite •zucestamleii wird, dass viel eicht eine kurze geschäftliche Tätigkeit in den frühen Sonntag-Morgel stjuu. den gestattet werden könnte.־ Als Kuriosum mag auch die vot ein- /.einen Zeugen ausgesprochene Befürchtung erwähnt worden, dass manche gewissenlose Christen sich für Juden attsgeben würdet, Uin^ auf diese Weise sieh wöchentlich sieben Geschäftslage zu sichern. Als ob es für die findige Londoner Polizei nicht ein Leichtes vijre^ derartige Betrüger zu entlarven und zur Rechenschaft zu ziehen! Abgesehen vom religiösen Gesichtspunkte, bestellt hier allgcmcti die Ansicht, dass Niemand mehr als sechs Tage wöchentlich arbeiten, sondern eitlen Tag der Ruhe widmen soll. Es wird daher aucl 011 י manchen Agitatoren den Juden der Vorwurf gemacht, dass Viele unter ihnen, die am Sabbath .offen־ haben, auch am Sonntag ihre. Geschäfte betreiben, wodurch sie gegenüber ihren an die Somiagsruhe gebundenen christlichen Konkurrenten einen bedeutenden Vorteil haben. Doch wäre es auch in solchen Pallen sehr leicht, diejenigen . Juden, welche durch eine siebentägige Arbeitswoche öffentlicheu Anstoss geben, ausfindig zu machen und zu bestrafen. —V on judi:cter_ Seite wird behauptet, dass de^ öffentlichen Meinung Genüge gesclchc, wenn ein beliebiger Wochentag ■ der Ruhe gewidmet werde, riolite

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