Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 6 (1906)
- Issue
- 7-8 (Juli-August 1906)
- Date
- 1906-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/4874912-5428444-5428499--106-4874999- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
52 D«jr Sabbath. wenn ich zum Schlüsse dieser Ausführungen an alle, die sich berufen fühlen, Kaufleute (Prinzipale und Angestellte) und Nichtkaüfleute, in dieser hochwichtigen Sache mitzuarbeiten, d$ Aufforderung ergehen lasse, ihre Adresse unserem Frankfurter Verein*) mitzuteilen. * Sobald eine genügende Anzahl von Anmeldungen erfolgt ist, können die ersten Schritte’ zur Verwirklichung des Projektes geschehen. *י Verein zur Versicherung gegen Stellenlosigkeit Frankfurt a. M., Schutzcnstr. 14. 1 Aufruf. e ganze Reihe vop Ortsgruppen unsen■• Verbandes hat sich von der Notwendi^seit überzeugt, im Sinne der Verbandsaüfgaben Äufenthaltsstätten z.u schaffen, in denen jungen Leuten am Sabbat, wie auch am freien Sonntag Gelegenheit geboten ist, ihre MussestunAen in angemessener geistiger Beschäftigung tjurch ‘Lektüre von Büchern und Zeitschrifte|1 zuzubringen. — Dieses Bedürfnis besteht’nicht nur in grossen Städten, in denen siaft vielfach Bibliotheken und Lesesäle, seien sie jüdischen oder allgemeinen Charakters be- , finde?, sondern es tritt auch in mittleren und kleineren Orten hervor, wo die jübgere Geschäftswelt in der freien Zeit sich gänzlieh selbst überlassen ist. Die Einrichtung 'der Aufenthaltsstätten ist so gedacht, dass ein einfach ausgestattetes Lokal gemietet und mit einer kleinen Handbibliothek von; 1 Werken jüdischen Inhalts^ wie mit einer Anzahl Zeitschriften versehen wird. ■ " Die Ortsgruppen, wie auch die Verbandskasse sind nicht in der Lage, aus eignen Mitteln die erforderlichen Aufwendüngen zu bestreiten. Wir richten daher an alle diejenigen, die mit uns der lieberzeugung sind, dass es sich hier um ein Unternehmen von hervorragender sozialer, sittlicher und religiöser Bedeutung handelt, . . die herzliche Bitte, uns f I. durch Spendung von Geldbeträgen. II. durch Ueberweisung von Büchern jüd. Inhalts in deutscher Sprache , zu unterstützen. Geldsendungen sind an die Centrale des Verbandes, Berlin C., Heidereutergasse 4, Büchersendungen an die Ortsgruppe Frankfurt a. M., Neue Zeil 63; zu richten. Berlin, 1. Juli 1906. v Verband der Sabbathfreunde. ץ M Woran es liegt! Von allen Rubriken des ״Sabbath“ halte ich die mit obiger Ueberschrift für eine der allerwichtigsten. Denn um Besserung zu erzielen, muss doch zunächst die Ursache oder die Ursachen der Krankheit, und eine solche ist doch die Entweihung des Sabbath und zwar eine recht schlimme, erkannt werden! Wenn auch vielleicht dabei eine oder die andere falsche Ansicht mit unterläuft, so muss sie eben mit corrigiert werden. Zu diesen falschen Ansichten rechne ich auch die so sehr bewegliehe Klage in der letzten Nutnmer seitens יהודי über die frommen Prinzipale, welche nichtjüdische Austräger beschäftigen. Auch ich kenne solche in grosser Anzahl und kann wohl sagen, dass ich nie etwas darin gefunden hahe, aber wohl die Gründe solche hin und wieder vorzugsweise zu engagieren, anerkennen muss! Zunächst bedingt die Stellung eines Austrägers eine genaue Ortskenntnis, welche von galizischen Jünglingen nicht verlangt werden kann. Ausserdem tritt noch ein anderes sehr wesentliches Moment hinzu! Welche Schwierigkeiten es macht, jeden ערב •צבת und יום טוב, besonders wenn das betreffende Geschäft Saison hat, die Comptoire und Verkaufsräume rechtzeitig zu schliessen, dürfte wohl allen Praktikern klar sein; da sind aber öfters oder immer kurz vor Schabbos Wege zur Bahn, zur Post, zur Kundschaft zii besorgen; einem jüdischen Austräger könnte man dies nicht überlassen, da es ja nicht absolut sicher vorauszusehen ist, dass die Besorgungen so schnell erledigt werden können, dass der Besorger auch rechtzeitig vor Schabbos in seinem Hause sein kann, eine Notwendigkeit, die bei einem X i c h t j u d e n nicht vorliegt; desgleichen die Zeitverskumnis, am דיצאי •צבה durch הבדלה, die Wege nach dem Geschäftslocal etc., was alles bei den! ננרי wegfällt, der kann pünktlich mit Eintritt der Nacht öffnen. Und häufig sind Viertelstunden Gold wert! Also bitte nicht gleich auf alles persönlich Missliebige einen Stein werfen! Und nun noch eine Geschichte aus der Praxis zu dem leider unerschöpflichen Thema ״Woran es liegt“. In meiner Vaterstadt wohnt ein jüdischer Buchdrucker, ein technisch vorzüglicher Handwerker, aber leider jeder kaufmännischen Ader bar. Derselbe wird seitens der jüdischen Vereine etc. durch Drückarbeiten weitgehendst unterstützt, Hochzeitslieder lässt man ausschliesslieh bei ihm drucken und doch ובל זה איננו •עוד. לו. Als er mir einmal seine Not betr. Mangel an Arbeit klagte, riet ich ihm, an die Vorsteher der Vereine, welche bei ihm arbeiten Hessen, von denen die meisten kaufmännische Geschäfte betreiben, und daher Bedarf in Drucksachen haben, heranzutreten und ihnen Offerten zu machen. Da selbige aus der Vereinstätigkeit die Qualität seiner Arbeit kennen, würden sie sicher/ifim Aufträge zuwenden. Vorbedingung seien dazu se^Wtverständlich kaufmännisch ausgesuchte Mustervorlagen und auch concurrenzfähige, wenn auch nicht billige Preise. Da erhielt ich denn die Antwort: Das kann ich doch nicht, wenn ich Schabbos geschlossen habe, muss ich doch höhere Preise halten als diejenigen, welche Schabbos arbeiten. Eine Erwiderung darauf hielt ich für zwecklos. Was ist gegenüber solchen rückständigen Ansichten zu tun? Wer giebt Rat? Hamburg. N. N. Der von dem Herrn Einsender angeführte Fall kann als ein typischer nicht angesehen werden, insbesondere trifft er für die Grossstädte nicht zu; da ist es