Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 6 (1906)
- Issue
- 7-8 (Juli-August 1906)
- Date
- 1906-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Sabbath diejenigen, die in dieser Beziehung noch am weitesten zurück wären. Von der Notwendigkeit eines solchen Vereins, yon dessen Zweckmässigkeit zu sprechen, dürfte wohl überflüssig sein. Es blieb unsalso nur noch die Ausführbarkeit übrig und unsere heutige Aufgabe wäre gelbst. Doch, fragen wir, warum sollte denn ein solcher Verein etwa nicht zu gründen, und wenn dieses geschehen, warum nicht lebensfähig sein? Etwa weil schon einmal die Versuche dazu in Hamburg sind Frankfurt a. M. scheiterten? Mit Nichten. Damals war es eine einzige Stadt ohne diesbezügliche Verbindung mit anderen Handelsplatzen, heute reden wir von ganz Deutschland, verbünden, wie noch nie früher durch eine, in den weitesten Kreisen verbreitete, Wochenschrift. Ja, der ״Israelit“ ist es, den wir als mächtigen Hebel zur Förderung dieses guten Werkes betrachten, auch könnte der Verein durch Verbindung mit denjenigen Vereinen des Auslands einen internationalen Charakter annebmen, was jungen Geschäftsleuten von grossem Nutzen sein dürfte, l'ud wenn auch abgesehen von dem keineswegs zu bestreitenden Grunde, dass damals es nur eine einzelne Stadt war, der keine weitverbreitete Wochenschrift als Organ zur Seite stand, der erste Versuch misslang; haben wir dadurch das Hecht, für die Folge dem hereinbrechenden Verderben müssig zuzuschauen? Wfcte das jüdisch gehandelt? Verdient unsere gute Sache nicht mehr Vertrauen? Ist das ein guter Soldat, der nach dem einmal misslungenen Angriff das Gewehr wegwirft, ohne einenerneuten Angriff zu wagen? Nein, abeimals nein. Versuchen wir also das Unserige und vertrauen auf Jen Segem der von Oben kommt. Jeder trage das ■ Seinige dazu bei, keiner unterschätze seine Kraft. Selbst der Unbedeutendste kann etwas leisten, wenn er nur will. Haben wir nur erst in mehreren Städten Männer, die sich der Sache annehmen, so haben wir schon dasjenige, was uns am meisten nottut. Die müssten alsdann Lokal-Komitös ins Leben rufen, denen ein Central-Comitö Vorstände. Was letzteres nun betrifft, so dürfte sich dasselbe am besten hier in Mainz bilden, weil gerade von hier aus die Veröffentlichungen am direktesten durch den ״Israelit“ vor sich gehen könnten. Ich zweifle keinen Augenblick daran, dass sich hier solche Männer, die Eifer und Liebe für die Sache mit dem nötigen Organisationstalent verbinden, Anden werden, um die Geschäfte des eventuellen l'entral-Komites zu übernehmen. Auch ,an Lokal-Komitös dürfte es uns bei einem guten Willen nicht fehlen. Gott •sei Dank, die Geschäfte, die am Samstag geschlossen sind, zählen noch immer in Deutschland nach Tausenden, und in diesen Geschäften können gar viele fromme junge Leute placiert worden, wenn die Geschäftsherren nur hübsch auf wirklich frommes Personal reflektieren. Was die vollständige Organisation dieses zu gründenden Sabbathvereins betrifft, ob z. B. die Vereinskosten durch einmalige Zahlung der Stellungssuchenden oder durch ganz geringe Jahresbeiträge der jungen Geschäftsleute zu decken sind, alles dieses zu beurteilen, erlasse man dem einfachen Lehrer, darüber mögen kompetentere und erfahrenere Gesinnungsgenossen sprechen. Die löbl. Bedaktion des ״Israelit“ wird gewiss dieser Diskussion mit Vergnügen die Spalten dieses Blattes öffnen, und so sehen wir denn denselben mit grösstem Interesse entgegen und schliessen mit einem ״Glückauf der guten Sache“. t 51 DasSabbathproblem in Österreich-Ungarn. Von Moritz A. Loeb in Frankfurt a. M. Unter dieser Ueberscbrift erschien in Nr. 26 des ״Israelit“ ein Artikel, der in eindringlicher Weise dafür eintrat, dass die gesetzestreuen Kreise Oesterreich- Ungarns der zunehmenden Sabbathentweihung nicht länger untätig zuschauen, sondern sich zu Abwehrmassregeln aufraffen sollten. Ganz die gleiche Mahnung hatte schon ein ähnlicher Artikel in Nr. 23 des ״Israelit“ ausgesprochen. In den beiden Zuschriften ist übereinstimmend die Schaffung einer Stellenvermittlung als erstes und dringendstes Erfordernis bezeichnet worden. Damit stimmt auch die Tatsache überein, dass bei der isr. Stellenvermittlungs-Zentrale in Frankfurt a. M. fortgesetzt Bewerbungen eingehen, in denen, oft in herzbewegender Weise, Klage darüber geführt wird, dass die Erlangung einer Stelle, in der am Sabbath nicht gearbeitet zu werden braucht, in Oesterreich-Ungarn immer schwie- Tiger werde, ja vielfach bereits zur Unmöglichkeit gehöre. Leider ist es uns nur in den seltensten Fällen׳ möglich, durch die Zentrale Abhilfe zu schaffen. Wenn wir auch grundsätzlich keinen Unterschied michen zwischen Reichsdeutschen und Ausländern und die vorliegenden Bewerbungen einzig nach sachlichen Ges chtspunkten bearbeitet werden, so wird dieser Unterschied doch .vielfach seitens der Prinzipale gemacht, linil wie die Erfahrung zeigt, entschliesst sich nur ei^i! verschwindend kleiner Bruchteil (•fferten ausländischer Bewerber zu berücksichtigen. Massgebend hierfür ist die Furcht vor polizeilichen Scherereien, die Unmöglichkeit vor Abschluss der Engagements eine persönliche Vorstellung zu bewirken und endlich die Erwägung, dass bei einem Angestellten, der seine Heimat nur unter grossen Opfern an Zeit und Geld wieder erreichen• kann, der Prinzipal einer eventuell nötig werdenden Kündigung gegenüber nicht die volle Freiheit der Entschliessung besitzt. 1 Abhilfe kann also nur durch eine Organisation geschaffen werden, die in Oesterreich-Ungarnselbst ihren Sitz hat und sich bemüht die zerstreuten und ih ihrer Zerstreuung ohnmächtigen Kräfte zu sammeln und ‘zu vereinigen. Wenn in dem im Eingänge erwähnten Artikel .dem Verband der Sabbathfreunde die Aufgabe zugewjiesen wird, ,sich mit der Aufforderung zur Gründung v<jn| *»די־ שנת-Vereinen an einflussreiche Persönlichkeiten!unter den Gesetzestreuen Oesterreich• Ungarns zu wenden, so scheint mir das nicht ganz der richtige Weg .züjsein, Ohne der Entschliessung der leitenden Persönlichkeiten unseres Verbandes irgendwie vorgreifen zu wollen,(glaube ich behaupten zu können, dass auch sie der Meinung sein werden, die Initiative zur Schaffung der so!wünsehenswerten Organisation müsse von dort ausgelen! I Es würde ja nicht allzuschwer sein von Deutschland aus einen solchen Verein ins Leben zu rufen, aiber es liegt in diesem Falle die Gefahr nahe,' dass bei einer von ausserhalb bewirkten Gründung nicht die richtigen Männer an die Spitze treten und darunten würde die Entwicklung und. Wirksamkeit des Vereins sicher zu leiden haben. ׳ ~ Ganz anders liegen die Dinge, wenn sich dort ein kleiner Kreis von Männern bildet, der die Sache) in die Hände nimmt und damit eine richtige Durchführung von vornherein gewährleistet. Selbstverständlich würden wir die Erfahrungen, die wir uns in beinahe lOjähriger Praxis erw-orben;haben, dem neuen Unternehmen gern und freudig zur Vertagungstellen. Es dürfte damit eine rasche und sichere!Entwicklung von vornherein gewährleistet sein. '; In sachlicher Beziehung möchte ich vorsejilagen, dass statt der ־, שכתer-Vereine, wie wir sie zjuerst hatten, gleich ein Verband der Sabbathfreunde, mit entsprechenden Ortsgruppen gegründet wird. Als erste und vorläufig einzige praktische Aufgabe käme die Schaffung einer Stellenvermittlung, verbunden mit Stellenlosigkeitsversicher־ ung in Betracht. Für die aktiven Mitglieder dieser Abteilung wäre ein entsprechender Zuschlag zu erjheben. Für die Stellenvermittlung wäre dann je ein Bureau in Wien und Pest zu errichten. Die weiteren Aufgaben des Verbandes, die Heiligung des Sabbath auf anderen Gebieten betreffend, könnten_ dann später in Angriff genommen werden. Mit der vorstehend geäusserten Meinung, dass die Initiative in dieser Angelegenheit den Nächstbetejligten gewahrt bleiben müsse, steht es nicht in Widersjpruch,