Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 6 (1906)
- Issue
- 7-8 (Juli-August 1906)
- Date
- 1906-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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50 Der Sabbath. הקב׳יה durch den שבה zwischen Sich und dem jüdischen Volke errichtete (ביני ובין בג• ישיאל אדה היא לעלה), das Abwärtsgleiten auf schiefer Ebene beginnt; denn wer einmal den Boden der geschichtlichen Entwicklung seines Volkes verlässt, was mit der Preisgabe des »שבי zweifellos geschieht, dem wird bald kein göttliches Gesetz mehr heilig bleiben, wo und wie es seinem irdischen Streben, seiner Genuss- und Habsucht sich entgegenstellt, der wird auf haltlosem Nachen immer mehr in die Wogen des Lebens hineingerissen und keinem höheren Ziele mehr zustreben. Mit dem immer mehr zunehmenden זדלול שבה wird aber der Kampf ums Dasein nur noch schwerer und drückender, die Concurrenz rücksichtsloser und die Ge- Samtverhältnisse ■ verschlechtern sich zusehends, sodass eine Abliülf^dringepd notwendig erscheint. Soll aber ein Üebel geheilt werden, so muss maji es bei der Wurzel fassen. Ein solches Ziel strebt der ,Verband der Sabbathfreunde“ an und er verdient darum die weitgehendste materielle und ideelle Unterstützung nicht nur derjenigen, die die Bedeutung des Sabbaths erkennen, sondern auch derjenigen, die eine Gesundung der Gesamtverhältpisse in der Rückkehr 5fur Einfachheit unserer Väter erblicken. E. G. Aus vergilbten Blättern. IV. £. B., Berlin, 1. Juni. Unter, obigem Titel haben wir in Nr. 2, 3 und 5 unseres vorigen .Jahrganges die Statuten einer im Jahre 1869 von״Israeli Hildesheimer דל ל ins Leben gerufp-־ nen הבן־ך. ש•:־'•' שבה zum Abdruck gebracht, welche wir als Vorfäuferip unseres ״Verbandes der Sabbathfreunde“ bezeichnen zu dür/en glaubten. Inzwischen fortgesetzte Nachforschungen haben zur Vorgeschichte dieser Gründung überaus interessantes Material, das in alten Jahrgängen der. jüdischen Blätter, die damals der gesetzestreuön Judenheit als Organe dienten, namentlich im ״Israeli!“ schlummert, zum Vorschein gebracht, dessen Wiederabdruck sich um so mehr rechtfertigt, als ausser {n wenigen Händen kaum noch jene alten Jahrgänge aujfzufinden sind. Wir beginnen mit dem Wiederabdruck eines^Artikels, den ein Mann ohne Titel und Würden, der aber das Herz auf dem rechten Fleck hatte und ein Jehudi von rechtem Schrot und Korn war, Hirscjh Grttnebaum unter dem Titel: ״E.in Sabbathverein für die Israeliten Deutschlands“ in Nr. 8 des ״Israelits“ v. J. 1868 veröffentlicht, und der den Anstoss zur Gräpdüng jener הברה gab. Er lautet: דעה! יעיד! לאדי! <*םר ודק rm r>n. ״Einer helfe dein andern und zu seinem Bruder spreche er: sei stark“. Einer -der Grundzüge der menschlichen Natur, der in der äusseren Notwendigkeit der Dinge seine Begründung ündet, ist der, dass 1 llcichgesiunte einander aufsuchen und sich in Folge dessen fest aneinander anschliessen, dass sie zu gemeinschaftlichen Zwecken ihre Kräfte vereinigen, dass sie!las, was dem Einzelnen unerreichbar ist, durch grosse re re Macht verbundener gleichartiger Kräfte zu virwirklichen wissen. Wenn wir noch das organische Zusammenwirken verschiedenartiger Kräfte, die sich untereinander binden und ergänzen, in Erwägung bringen, so haben wir mit wenigen Worten das gesamte Völkerjtnd Staatenleben dem PrinziD nach veranschaulicht. [ Den ersten, wichtigsten und heiligsten Verein, die Familie, stiftet schon die Natur; sie erweitert die Familie zum Stamm nhd zur Gemeinde; diesem Triebe wiederum verdanken die meisten Staaten ihre Entstehung. Die Schwäche und Unvollkommenheit djes menschlichen Wesens weist gebieterisch auf das Zusammenwirken and Anschliessen, auf das gegenseitige Ergänzen hin. Selbst das Geringfügigste und Unbedeutendste wurde oft zur Unmöglichkeit werden, wenn nicht die Unternehmer von dem Gedanken geleitet wären, dass es durch das Gesammtinteresse geboten und daher auch von diesem verlangt wurde. Kaum würde ein Baum gepflanzt werden können, wenn sich alle Menschen immer nur als isolirt betrachten und ihr Wirken auf sich und ihr eigenes Leben beschränken müssten. Wie diese Notwendigkeit sich im sozialen Leben Geltung zu verschaffen wusste, so hat sie auch von jeher im religiösen Leben der ältesten positiven Religion ihren Rang za behaupten gewusst. Wo sich auch immer Glaubensgenossen auf dem weiten Erdenrund in entsprechender Anzahl niederliessen, waren sie bestrebt, dieses Verständnis zu betätigen. Da entstanden Vereine, Gemeinden, und diese sorgten alsdann für die Beschaffung and Herstellung der Gemeindeinstitutionen. Die Synagoge und das Lehrhaus, die man früher und mit Recht so eng miteinander zu verbinden wusste, bildeten von jeher einen Hauptbestandteil dieser Institutionen; alles übrige ergänzt sich schon von selbst. Ein schöner und praktischer Gedanke war es, das Haus der . Andacht und die Pflanzstätte des religiösen Wissens in so enge Verbindung zu bringen. Die Schule musste die Jugend so heranbilden, dass sie dereinst, wenu sie dem Kindesalter entwachsen, würdig und fähig sei, der Synagoge, der Gemeinde Israels, als nützliche Mitglieder anzugehören. Früher war dieses Geschäft der religiösen Erziehung, wenn anders nicht besondere Verhältnisse obwalteten, bei weitem nicht so schwer, wie cs :leider in unserer Zeit der Fall ist. Den wenigsten Eltern dürfte es heutzutage vergönnt sein, ihre Söhne fortwährend so lange beaufsichtigen zu können, bis sich der Charakter, die Sinnesrichtung derselben zu jener Vollkommenheit erstarkt hat, dass eine Umgestaltung desselben nach der verderblichen Richtung nicht mehr befürchtet zu werden braucht. Besonders ist es der Handelsstand, dem doch wohl der grösste Teil unserer Glaubensgenossen angehört, dem diese Gefahren am meisten drohen. Früh, häulig zu früh, kommen dann die Söhne als Lehrlinge in die Fremde, und sind sich oft selbst überlassen, ausgesetzt dem verderblichen Einfluss ihrer näheren ‘oder weiteren Umgebung. Wer hat sie nicht schon gehört, diese Entschuldigung schwacher Eltern, die, weil sie kein an den Feiertagen geschlossenes Gesc&äft so leicht auslindig machen konnten, leichtsinnig genug waren, ihre Elternpllicht und die Religion ihrer Kinder aufs Spiel zu setzen und damit ihre Kinder zur Entweihung der Sabbath- und Festtage zu zwingen! Andere glauben Wunder, was sie getan haben, wenn sie ihren Sohn in solchem Hause unterbrachten, wo das Geschäft zwar die Ruhetage nicht feiert, jedoch der betreffende Sohn an diesem Tage frei ist. 0, wenn sie es nur wüssten, diese Verblendeten, wie da die der Schule kaum entwachsenen Jünglinge dem Gespötte und dem bösen Beispiel ihrer Kollegen und nur gar zu oft ihrer Prinzipale ausgesetzt sind. Ja, die Herren Prinzipale huldigen nicht immer in der Praxis jenem Toleranzkultus, zu dessen Theorie sie sich doch so eifrig bekennen. Wir sprechen nicht nach unserem Ermessen allein, wir könnten Beispiele genug anführen, ja selbst die Namen nennen, wenn dieses etwas zur Sache tun würde. Wir haben z. B. einen Fall vor Augen, bei welchem der Chef des Geschäftes sein Ehrenwort verpfändete, den betreffenden Lehrliug au Sabbath und Festtagen von der Geschäftstätigkeit zu entbinden. Zuerst fing der ״Ehrenmann“ damit an, dem Jungeu Freitag nachmittag derartige Commissionen aufzutragen, zu deren Erledigung ein Teil des Sabbaths mithalten musste; später musste der arme Junge Freitag abend, nachdem schon stundenlang der Sabbath angefangen hatte, zur Post gehen, bis er nach und nach — obschon durchaus fromm erzogen, aber noch nicht charakterfest genug, seinen Prinzipal an das ״Ehrenwort“ zu erinnern — immer lockerer in der Beachtung des Sabbaths wurde. Doch wozu noch länger über diese Misstände und ihre Folgen sprechen, schlimm genug, dass sie vorhanden sind. Schlimmer aber noch wäre es, wenn wir dieses so ruhig mit ansehen könnten, und nichts täten, als den Kopf darüber zu schütteln. Noch gibt es Mittel, diesen Uebeln zu steuern, und so lange es diese gibt, wäre es feiger Verrat an der guten■ Sache, wenn wir dieselben unversucht liessen. Wir haben unlängst in diesen Blättern gelesen, dass in Paris durch den ernsten Willen des Herrn Consistorialrabbiners Isidor und einiger frommer tatkräftiger Geschäftsleute der Verein שפרי שבת ins Leben gerufen wurde, ein Unternehmen, das keinen andern Zweck hat, als gerade den oben berührten Uebelständen vorzubeugen, und welches gewiss jeder Gesinnungsgenosse mit Freuden begrüsst hat. Kaum war diese Nachricht einigermassen durch die jüdischen Zeitschriften verbreitet, als auch schon das ״Jewish Chronicle“ eine Anregung zur Stiftung eines ähnlichen Vereins, aber für das ganze britische Reich enthielt. Wir wissen zwar, dass in England das ganze religiöse Leben noch in einer weit grösseren Blüte steht, als dieses bei uns der Fall ist, jedoch zweifeln wir nicht einen Augenblick, dass, wenn sich das Bedürfniss fühlbar macht, ein solcher Verein in Britannien ganz im Stillen entstehen werde, denn der tatkräftige Oberrabbiner Englands, Herr Dr. Adler, spricht lieber von Tat- Sachen als von Projekten. So sind also gerade die frommen Israeliten Deutschlands