Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 6 (1906)
- Issue
- 6 (6.1906)
- Date
- 1906-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Der Sabbath. ״Woran es liegt“ betitelt sich ein Artikel in ihrem ge.'Chätzten Blatte tBerlin '25. April). I>er Schlussfolgerung: ״Bass man mit derartigen Kenntnissen nicht einmal mehr Hausdiener in einem grüsseren Geschäfte sein kann, ist klar,“ kann ich nicht beistimmen. Ich kenne viele, sehr grosse Geschäfte, deren christliche Hausdiener viel weniger können. Wenn dieser Schreiber in der Tat 3 Jahre in einem Manufakturgeschäfte tätig war, so muss er sich Warenkenntnisse angeeignet haben, die ihn hierzu befähigten und während - dieser 3 Jahre noch wesentlich vervollständigt haben. Auch behält inan niemand 3 Jahre, wenn er sich schlecht führt. — Ks liegt also daran, dass die Herren l'rinzipalc, welche wahre יזזודים sind, ein wenig Geduld haben sollen, und cs mit so einem jungen .Mann probieren, wenn sie zufrieden sind, kann er ja bei einigem guten Willen in Privatstunden seine Schulbildung vervollständigen. Jedenfalls sind solche nicht kurzer Hand abzuweiscu. Es sind häutig junge Leute aus Hussland, Galizien, Ungarn, Weh mitunter aus der Provinz Posen und Schlesien, die cs eben dort nicht'besser gelernt haben, und später in ein paar Jahren das Versäumte uachholen, wenn uur auf beiden Seiten der gute Wille vorhanden i>t . Zu Hausdieuern, Packern und dgl. könnte man sie jedenfalls verwenden. Ich muss bei dieser Gelegenheitbemerken, dass ich ״fromme“ l’rinzipale kannte, welche Christen zu Ausgebern hatten! Da kommen' aber so viele arbeitslustige t־׳;r• aus den genannten Ländern, die leider keine Stellen linden bei Israeliten, und endlich — wenn sie יהזדים bleiben wollen — mit leeren Taschen und hungrigem .Magen weiterzichen müssen. Ich empfehle zugleich auch eine Art Arbeitsnachweisbureau zu errichten in jeder jüdischen (iemeindc und diese Leute auch zu verpflichten, bei einer Anstellung dem ״Verband der Sabbathfrejmde“ beizutreten, das wäre eine r.-ru nsc. — Dem trefflichen Artikel ״Sabbatbcntweihung durch unsere Schulkinder“ möchte noch hinzufügen, die grosse Notwendigkeit jüdischer Volksschulen, wodurch - vorausgesetzt, dass streng gesetzestreue, tüchtige Lehrer und Lehrerinnen angestellt sind — das Uebcl beseitigt würde. Dieser .Mangel guter jüdischer Volksschulen wird selbst von nicht frommen Juden empfunden, wie ich oft schon auch von Solchen hörte. Es ist ja auch traurig, wenn man jüdische Knaben am na mit dem Schulranzen auf dem Kücken oder jüdische Mädchen mit der Schultasche am Arm durch die Strassen eilen sieht; ich meine, das ist nicht weniger p r ־לירד wie das Schreiben. .mr• Wenn wir im Vorstehenden die Ausführungen des Herrn Einsenders in vollster Ausführlichkeit widergaben, j so darum, weil seine Ansichten — leider! — in nur I allzuweiten Kreisen Billigung finden, und darum ihre! Bekämpfung dringend geboten erscheint! Es wäre das Verhängnisvollste, was gerade diejenigen jungen Leute, die auf Heilighaltung des שבת reflectiren, begehen könnten, wenn sie ihre Lebenszukunft auf die Voraussetzung gründen wollten, dass sie für die Unzulänglichkeit ihrer Vorbildung ein Entgegenkommen seitens der Prinzipale zu fordern, ein moralisches Anrecht haben. Es ist nicht zum wenigsten der Wunsch gerade der kaufmän-! niseben Angestellten in neuerer Zeit, dass der früher j gang und gäbe patriarchalische Zug im Verhältnis von ׳ Prinzipal und Angestellten aufhöre und die nüchternere : Auffassung von Regelung zwischen Angebot und Nachfra^e darin platzgreife. Will man aber diese Auffassung! auf der einen Seite, so darf man auf der anderen Seite! nicht Wohltaten für sich in Anspruch nehmen, die über j das Mass des Gebotenen weit hinausgehen. Und ferner:; es giebt heutzutage auch gut vorgebildete junge Leute 1 genug, die auf שבת reflectiren, so dass auch d i e Prinzi-! pale, welche fromme Angestellte bevorzugen, nicht nötig haben, sich mit schlecht ausgestätteten Elementen herumzuplagen, sondern ein gut brauchbares Material auch; ohne dieses Opfer erlangen könneü. Endlich aber wäre es für die שומרי שבת-Vereine geradezu ruinös, wenn in Prinzipalkreisen die Anschauung sich festsetzte, als hätten sie ausschliesslich oder vorwiegend Candidaten von dem Schlage zu präsentiren, den wir in unserem Artikel kennzeichneten. Wer heutzutage vorwärts kommen will, muss zumindest über eine abgeschlossene — höhere oder niedere — Schulbildung verfügen; und wer den שבת halten will, darf diese Mindestforderung gewiss nicht unterbieten! Findet sich ein Prinzipal, der einen jungen Mann trotz klaffender Lücken in dieser Ausbildung annimmt, so ist das gewiss im Interesse des ■Betreffenden mit Freude und Dank zu begrüssen; einen Ansp’Uch anif dieses Entgegenkommen aber hat Niemand! Dass wir die letzte Anregung des Herrn Einsenders dagegen mit unserem vollsten Einverständnisse begleiten und ihr reichen Erfolg wünschen, brauchen wir wohl nicht erst ausdrücklich zu betonen. י• Die Redaktion. 43 DasSabbathproblem in Österreich-Ungarn. , Von einem ungarischen Rabbiner. : Schon lange verfolge ich mit grosser Freudei die Tätigkeit der ־־ שבתa'.C-Vereine in Berlin, Breslau, Hainbürg und Frankfurt a. M., und'mit inniger Befriedigung sehe ich den vor einiger Zeit gegründeten ״Verband der Sabbatfreunde' in Deutschlandeine schöne Entwickelung nehmen. So grosse Freude ich jedoch darüber empfinde, so sehr bedauere ich es, dass man in Oesterrcich-Uijgürn bisher noch nicht an die Gründung solcher Vereine herangetreten ist. Und doch kann niemand leugnen, dass sie hier nicht minder diingemles Bedürfnis ׳ sind, als in 'Deutschland. Wer die jüdischen Verhältnisse in Oejsterreich-Ungarn kennt, der weiss, welch grosse Zahl jüdischer junger Leute, die aus frommen Häusern stammen und in frommen Sinne erzogen sind, in den grösseren Städten Vor allem, aber keineswegs nur dort, .der Versuchung des חלול שבח zum Opfer fallen. Sie ziehen hinaus vonj den besten Absichten beseelt, in der sichern Hoffnung, 1 mit Leichtigkeit in einem am שבת geschlossenen Geschäfte eine Stelle zu finden. Draussen ablr treten alle die Schwierigkeiten, die sich hierbei ergeben, mit ni<derschmetternder Wucht an sie heran, und da niemand .i inen hellend zur Seite steht, so ist es nicht verwundet lieh, wenn ein grosser Teil in dem schweren Kampfe unterliegt. Wie. segensreich könnten da Vereinigungen wirken: die sich die Stellenvermittlung zur Aufgabe machten und die Versicherung gegen Stellenlosigkeit ermöglichten! Ich weiss wohl, dass in letzter Zeit ein orthodoxer israelitischer Jugendverein תמא־ת בתויים in Budapest daran ging, einen שבת ,^ur-Verein nach deutschem Muster ins Liben zu rufen, aber es ist mir nichts davon bekannt, dass der Verein auch wirklich zustande gekommen wäre, und, wenn dies doch der Fall ist, dass er irgendwelche \\ irksamkeit entfaltet hätte. Ich würde mich sehr freuen, wenn ich mich irren sollte; aber jedenfalls wäre es ein Fehler, wenn man sich darauf beschränkte, in der Stille tätig zu sein, und es unterliesse, sich an die breiteste Oeffentlichkeit behufs moralischer und finanzieller Unter- Stützung eines solchen Vereins zu wenden. Wir stimmen gewiss nicht in den Vorwurf der Untätigkeit ein, den Herr Dr. S. Ziegler in Karlsbad den Orthodoxen im allgemeinen gemacht hat. Herr Moritz A. Loeb in Fn.nkfurt a. M. hat demselben in seinem offenen Brief in Nr. 2/1906 dieser Blätter nachgewiesen, dass dieser Vonrurf gegenüber der deutschen Orthodoxie nicht angebracht ist. Zugegeben aber muss werden, dass er für Oesterreich- Ungarn zutrifft. Hier bietet sich den Gesetzestreuen in Oesterreich-Ungarn eine Aufgabe von höchster Wichtigkeit. Diese Aufgabe ist nicht allzu schwierig. Denn nan kann ja die Erfahrungen der deutschen ־שומרי שבת'Ver sine sich zu nutze machen. Ich möchte anregen, dass in Wien für Oesterreich, Böhmen, Mähren und Galizien, in Budapest für Ungarn sich ein Verein bilde. Beide könnten sich zu einer einheitlichen Organisation, entsprechend der