Mannheim
Compact Memory

Der Sabbath · 1906-06-01 · 6 (6.1906) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Sabbath
Volume
6 (1906)
Issue
6 (6.1906)
Date
1906-06-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/4874912-5428444-5428497--091-4874985
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

42 Der Sabbath. Bequemlichkeit etwas eingeschränkt, nun ־■r, dann hütet das heilige Schabbosgesetz auch bis zum Schluss, bis zum völligen Eintritt der Nacht, setzet nicht wegen einiger Minuten die Errungenschaft des Tages aufs Spiel und .bewahrt euch den ענג •בבת bis zum letzten Moment; sendet dem heiligen Tage nach seinem Ausgange noch ן den Scheidegruss durch הבדלה nach, darin Gott dankend, ן dass,ד wie Er uns aus der Völkermenge ״abgesondert‘־, so aueh für uns den Sabbath zu einem Tage des Bewusst- Werdens unserer höheren Menschenbestimmung von den übrigen Tagen ״abgesondert“ hat. So begriffen und im Sinne unserer 1Weisen 'בד־ר הכ־~ בדביר אהד גאדרי• gefasst, treten wir, wie .am Freitag unmittelbar ״vom Dienst“ in die ״Freiheit“, so auch דוצאי?בת durch den geistigen .Segen , des בת?, gehoben ־ direkt wieder .in die Werktätisrkeit ein, jeder zufrieden mit dem Lose, das ־־: ה für das irdische Leben ihm zuerteilt hat. E. <L Aus der'Praxis der Stellenvermittlung In No. 4 des .Sabbath־“ befand sich ein Beitrag, der drastisch zeigte, welche Schwierigkeiten der Stellen Vermittlung aus der mangelhaften Vorbildung so mancher Bewerber erwachsen. Heute wollen wir an einem kleinem Beispiel aus dem Lager der Prinzipale beweisen, dass auch von dieser Seite mtnchmil Schwierigkeiten bereitet werden. Eine Firma aus einer Grossstadt Norddeutschlands schreibt unserer Stellenvermittlungs-Centrale folgendes: ״\V1;nr1 ■Sitvielleicht einen'jungen M׳mn auf Lager.(? Red), haben so wäre ich gern Abnehmer, Branchekenntnisse sind mir wohl erwünscht, jedoch nicht Bedingung. — Ich lege'vielmehr in erster Linie auf dieselben Oinge wert, die sicher auch, bei Ihnen .hauptsächlich in Krage kommen: Bravheit und KieiVs.- Hoffentlich können Sie mir und damit gleichzeitig Ihrer guten .'urlie dienen־. Da, ein junger Mann aus der Branche zur Zeit, .nicht: auf Lager wär“, so wurden der betreffenden Firma ׳einige andere,, passend erscheinende Offerten gesendet. Hierauf, kam postwendend folgende Antwort: .Ich halt!• es für unnötige Arbeit sowohl für Sie als auch mich, dass Sie mir. der ich einen Reisend•׳!! für Schreib- und l.uxuspapierwureii. suche. -U.iuufacturisten und Installateure anbieten. Der eine Bewerber, welcher aus einer verwandten Brunch•■. Inrvorging ist für einen Reiseposten zu jung־. Zwischen den beiden Schreiben liegt eine Frist von wenigen Tagen, die aber, wie es scheint, hinrßichte. um bei dem Absender eine völlige Sinnesänderung hervorzurufen. Bei dieser Gelegenheit sei uns gleich noch ein Wort über die so häufig verlangten Branche k enn t n isse gestattet. In vielen Fällen werden sie seitens der Chefs als unerlässh'cly. bezeichnet, und es wird wiederholt betont, dass Offerten von Gehilfen aus anderen Branchen gar nicht in Betracht kommen können. Handelt es sich dabei um Branchen, die in unseren Kreisen viel vertreten sind wie Manufacturwaren, Bankgeschäfte etc. so wird es in den meisten Fällen möglich sein, mit einer Auswahl passender Offerten zu dienen. Wie aber, wenn es sich um relativ selten vorkommende Specjal-Branchen, wie in obigem Falle, handelt׳־ Meistens muss die Cen- *trale dann auf die Zusendung von Offerten verzichten ־ und das Bedauern *!darüber ist uro so grösser, als es. sich hicri־ vielfach um ,׳gutbezahlte Posten handelt, die wir unsren stellenlosen Bewerbern von Herzen gönnen würden. 'Was wird nun aus diesen Stellen? i Nach unseren Erfahrungen zieht ein kleiner Teil der Prinzipale, wenn er durch uns und auch anderwärts erfährt, dass Bewerber aus der gleichen Branche nicht vorhanden sind, mildere Saiten auf. Wir werden um Nennung von Bewerbern aus verwaudten Branchen ersucht, oder es wird auch ganz auf die zuerst gestellte Bedingung verzichtet. Der weitaus grössere Teil der Prinzipale bleibt indessen auf seinem Schein bestehen und wendet sich an junge Leute, die auf den Sabbatli nicht ,refiectieren oder engagiert gar Nichtjuden. Wir wollen nun zugeben, dass Fälle Vorkommen können, in denen Branchekenntnisse wirklich unerlässlich und durch keine andere Eigenschaften zu ersetzen sind. Aber diese Fälle sind doch äusserst selten. In!).) Fällen von 100 würde es möglich sein, einem anstelligen jungen Mann aus einer anderen Branche die nötigen Kenntnisse, die die neue Stellung verlangt, beizubringen, notabene, wenn der betreffende Prinzipal sich die Mühe und die Zeit nimmt, ihn anzulernen. Das ist allerdings für den Prinzipal nicht immer eine angenehme Aufgabe, aber wir habeu alle für unser Judentum Opfer zu bringen .und es ist wol ein Ziel ,des Schweisses der Edlen wert.־ die Stellen in am Sabbath geschlossen haltenden Geschäften Jenen offen zu halten, die in Wahrheit darauf refiectieren. Unmöglich oder nur allzu schwierig dürfte jeDe Aufgabe nicht sein, denn es wird doch Niemand mit Branchekenntnissen geboren; wir waren alle einmal der Branche fremd, in der wir heute tätig sind und mussten uns auch erst hineinarbeiten. Ist doch die grosse Wert- Schätzung der Branchenkenntnis zum grossen Teil ein Zopf aus der guten alten Zeit— von dem in unserer schnelllebigen, wechselvollen Gegenwart ein Stück nach dem andren schwinden muss. Unsere Verhältnisse nähern sich immer mehr den amerikanischen, in deren Geschäftsleben der rasche, plötzliche Uebergang von einer Branche zur anderen beinahe die Kegel bildet. Mangel an Branchekenntnissen wird dort niemals als ernstliches Hindernis betrachtet, um ein Geschäft anznfangen oder als.Angestelltcr in ein solches einzutreten. M^n lebt dort der Anschauung, dass die Praxis die beste Lohrmeisterin ist, und dass ein Kaufmann, der neben einer allgemeinen Berufsbildung über einen offenen Kopf und offenen Blick verfügt, sich rasch in jede Branche einarbeitet. Was dort aus der allgemeinen Entwickelung heraus Sich von selbst -einbürgert, muss bei uns, wo es sich um unvergleichlich’ höhere Interessen handelt, gewiss möglich sein. Hier liegt für die Ortsgruppen unser es Verbandes eine ebenso wichtige wie dankbare Aufgabe vor: Die sabbathtreuen Prinzipale immer wieder darauf hinzuweisen, dass sie ihre Stellen auch jenen jungen Leuten reservieren müssen, die prinzipiell am Sabbath nicht arbeiten. Verlangte Branc^iekenntnisse dürfen keinVorwand sein, umvon diesem Grundsatz abzugehen! Nochmals: ״Woran es liegt!“ Zu unserem wie oben betitelten Artikel in Nr. 4 Dt uns d. d. München 25. Mai noch folgendes Schreiben zugegangen, das wir, weil es weit verbreitete Anschauungen ausspricht, hier zum Abdrucke bringen:

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.