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Der Sabbath · 1906-05-01 · 5 (5.1906) · p. [Seite]

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Journal
Der Sabbath
Volume
6 (1906)
Issue
5 (5.1906)
Date
1906-05-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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38 Der Sabbath. * ■ Verletzung dieser Vorschrift würde beim ersten Mal einen strengen Verweis, im Wiederholungsfälle die Entziehung der Autorisation nach sicä‘ziehen. Die Schlächter sind daher gezwungen, das Fleisch am 'Sonntag an. ihre Kunden abzugeben. Jenes .Gesetz würde für die Fleischer und ihre Kunden eine besondere Härte bedeuten, wenn, wie ■es häufig vorkommt, unmittelbar vor oder nach Samstag oder Sonntag ein jüdisches Fest zuliegen kommt. Dieses Jahr z. B. fällt die Feier des Neujahrfestes, bezw. des Hüttenfestes, auf Donnerstag und Freitag, den 20. und 21. September, bezw. den 4. und 5. sowie den 11 und 12. Oktober, sodass also jedesmal am Schluss der Feiertage der Sabbath beginnt. Im Jahre 1907 fallen diese Feiertage‘ auf Montag und Dienstag. Grosse l'nzuträglichkeiten würden sich ergeben, wefin die Schlächter und Geflügelhändler nicht an den dazwischen liegenden Sonntagen ihr Geschäft betreiben dürften. Jüdischen Bäckern, die jüdische Arbeiter beschäftigen, und am Samstag nicht giarl>eitct haben, sollte man gestatten, am Sonntag ihr Brot zm_backen und ihre Kundin zu versorgen. Ich trete auch nachdrücklich für die Obsthändler und Strassenhändler ein. die am" Sonntag* morgen io der Middlescz-street und in ähnlichen jüdisehen Vierteln ihre Waren ״״«teilen. Eine Verschärfung des Gesetzes über die Sonntagsruhe wurde für sie und ihre Familien den Verlust ihre- I nterhalts bedeuten. Gestatten sie mir, einige Bemerkungen über die Knuuite zu machen, die voriges Jahr von der < »berhaiifkommi.-.-ion für das Sonntagsruhegesetz veranstaltet wurde, d'a . damals, natürlich ' unabsichtlich, mehrere unrichtige Bchauptutüreif aufgestellt wurden. Nach dem Religionsgcsetz darf ein Jude am jüdischen Sabbath keinen Nichtjuden für sich arbeiten lassen. W1־nn daher ein jüdischer Bäcker am Samsrag nicht arbeitet, oder seinen Enden an diesem Tage geschlossen hält, so ist es, wenn es auch, nicht ausdrücklich erklärt wird, doefi selbstverständlich, daser an diesem Tage auch weder jüdische noch christliche Arbeiter beschäftigti״ Im Zusammenhang’ hiermit möchte ich' betonen, dass ich und meine As'-essoren im Kabbinat Von allen jüdischen Händlern, die. um Afitorisarion für den Verkauf von Fleisch und Getlugcl oder l’esächwurch nachsuchen, verlangen, ׳lass sie am Samstag ihre Läden geschlossen halten uud weder jüdische noch christliche Arbeiter beschäftigen. Eine Zuwiderhandlung hätte die Entziehung der Autoifisation zur Folge. Der Bischof von Kochester fragte im vergaugeneu Jahr bei der Vernehmung des Herrn Bell. .Sie wissen deeh. dass Ihre alten Gesetzgeber, als sie Gesetze für die Juden in darauf bedacht sind, dass diese am Sonntag keine unnötige Arbeit zu verrichten brauchen, ihrem Gottesdienst beiwohnen und ihre Verwandten besuchen können. Und ich hebe hervor, dass es dieser Achtung vor der Feier des Sonntags nicht widerspricht, wenn ich den dringendsten Wunsch ansspreche, dass das geplante Gesetz über die Sonntagsruhe für die Wahrung der Interessen meiner armen Glaubensgenossen sorgen und sie nicht mit ungebührlicher Härte treffen möge.“ j Jajin Kiddusch. Nach einer Sage von L. Weisel- (Fortsetzung). ״Das hättet Ihr, Frau Ludmilla nicht zugeben sollen, jetzt gar nicht; denn die Ostern sind nahe, und es ist ganz gewiss, : dass die Juden ihre Kuchen um diese Zeit mit Christenblut bestreichen.“ . ״Ei, ei! Glaubt Ihr auch an solches Gerede? Mein seliger Vater hat uns immer ausgescholten, wenn wir Kinder dergleichen; Dinge schwatzten. Er meinte, die Juden dürfen nicht einmal Tierblut, viel weniger Menschenblut gemessen.“ i ״Sagt, was Ihr wollt, ich glaube es; mir hat ein gelehrter Mann I gesagt, dass es den Juden ausdrücklich befohlen ist, am Osterabend Christenblut zu trinken, und er erzählte mir viele grauenvolle Geschichten, die sich in andern Ländern zutrugen, wie Kinder auf einmal verschwunden sind, die man ppäter mit abgeschnittenem Halse im Wasser oder in Kloaken gefunden." ״Verleumdung! Der Jude hält seine Gebote strenger als wir, und ihm ward das Gesetz : du sollst nicht *norden, früher noch als uns verkündigt. Und gar der gutherzige Salum, der für mich und meine Kinder ln der Hungersnot gesargt, uns täglich mit Wohltaten überschüttet und wie ein zärtlicher Vater behandelt, wie könnte der meinem Heinrich was Leides antun?" ״Ihr seid in dieser Hinsicht, Frau Ludmilla, zu leichtgläubig; trauet nur der Güte eines Juden nicht! Die feine Geschmeidigkeit ihrer glatten Zunge gleicht dem schönen Silberglanz der Schlange. Tut ein Jude einem Christen wohl, so geschjeht's gewiss in böser Absicht und ehe der Mensch sich’s versieht, fühlt er den giftigen Stachel in seinem Herzen und ist ohne Rettung verloren, hier und dort.“ i - c> in einem jüdischen Staat Nichtzu arl»citen. ausser wenn sie Knechte ihrem eigenen Lande machten, für die Nichtjuden verschrieben, da.-s sie am Sabbath beschlossen zu halten hätten: nicht wahr:־־ Ich gestatte, mir dem ehrwürdigen Herrn Bisehof hierin zu widersprechen. Ich bcbuuptc entschieden, da ju»i< » erlaubt war., am Sutlirta! VO.'I .luden Waren, i” welchem Falle-je nach dem Gebot Exod. XV 1(1 am siebte״ Tag ruheu mussten. .Der Fremdling in deinen Toren“ diese Worte beziehen sieh nach den massga־ben.len Kommentatoren auf" Frost'fvten. .die freilich in die jüdis he Keligiongemeinschaft eingetrctcB waren. Der gewöhnliche ,Fremdling“ war nur auf die Jlorälgesctze verpflichtet. Die Geschichte berichtet von einem judigehen Staate ausserhalb Palästinas, dem des Cliazarenvoikes am knspischefi Sec, das zum Judentum ubertrat und sich vom 7. bis zum 1« Jahrhundert der Unabhängigkeit erfreute. Die Andersgläubigen, die sich in'diesem Königreich niederlieasen, genossen volle Freiheit nnd btauchten deu' siebenten Tag nicht als Sabbat zu feiern. (B. Grätz, .Gesell, d. Juden“. Bd. V., S. 21.־)). Schliesslich darf ich Dinen, meine Herren, versichern, dass. ich mit dem Wunsch nach einer besseren und allgemeineren Sonntagruhe durchaus überein- *timme. Als ein Glied des Volkes,^em das Gesetz de/ Sabbathheilignng Wenbart ward, wünschte ichnatürlich, dass der siebente Tag der Woehe, der ursprüngliche Sabbath, als nationaler Ruhetag gef eie ri -wurde. Aber wir erkennen es freudig au. das die Chris”- liehen 1 Gemeinden die unendlichen Vorteile zu schätzen wissen, die für shr in geistiger und moralischer, wie in physischer und sozialer Umsicht aus der Einhaltung eines Ruhetages in der Woche ent- «pringen. Wir sympathisieren daher herzlichst mit jeder Bewegung die auf eine bessere Beachtung des Sonntags gerichtet ist. Ich Kann sagen., dass Juden, die christliche Dienstboten haben, eifrig ״Kenntet Ihr den guten Salum, Ihr würdet nicht so übel von den Juden denken, und wenn es auch wahr )st, dass alle Juden in die Hölle kommen, Salum findet gewiss ein Plätzchen im Himmel.“ ״Hilft nichts, |ude bleibt immer Jude, ir mag sich noch so gut stellen, im Herzen trägt er den grimmigsten Hass gegen uns. Ich fürchte, ihr werdet es einst bereuen, Wohltaten aus der Hand eines Juden genommen zu haben.“ Bei diesen Worten erhob sich die plauderhafte Dorka, um wegzugehen, denn der Abend war bereits herangerückt Frau Ludmilla begleitete sie eine Strecke, wobei sie /on Zeit zu Zeit mit einiger Unruhe nach der Gegend schaute, vo ihr Heinrich herkommen musste. So sehr Ludmilla die Jiden verteidigt hatte, konnte sie dennoch die Unruhe nicht beschvrichtigen, welche ihr das lange Ausbleiben des Knaben verursachte. Es ist etwas Schreckliches um die /orurteile, die wir in der Kindheit einsaugen; unzerstörbar graben sie sich in unser Herz ein, kein Vernunftschluss vermag sie zu vertilgen Wenn auch Ludmilla von Salums edlem Sinn, seiner Herzensgüte genugsam überzeugt war, so konnte sie jetzt doch nicht den Gedanken los werden, ihr Kind se'i vielleicht von den Juden geschlachtet, und je mehr der Abend heranbrach, um so ängstlicher wurde sie; endlich warf sie sich sogar vor dem Bildnis des Heilandes nieder und betete, der Erlöser möchte ihr Kind schützen vor jedem Unheil, besonders vor der Grausamkeit der juden, wenn es wirklich in ihre Hände geraten solltein der Stube wurde es immer dunkler, der Knabe kam nicht, der Mutter Angst stieg aufs Aeusserste; schon wollte sie die andern Kinder allein lassen und dem Knaben entgegen eilen, als sich leise die Tür öffnetb und eine männliche Gestalt, dicht in einen Mantel gehüllt, hereirjtratln der Dunkelheit konnte man des Fremden Antlitz nicht erkennen; die Haustrau fragte, wer er sei und was er begehre. * ״Was ich tu begehren?“ entgegnete der Unbekannte mit kreischender Stimme. ״Ich tu nichts begehren, Frau! Ich kam nur zu sehen, ob Euer Jüngelchen daheim ist oder nicht “ ״Um Christi willen, was liegt Euch an meinem Kinde? Sagt, was ist geschehen?“ fragte Ludmilla, voa böser Ahnung erfüllt

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