Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 6 (1906)
- Issue
- 5 (5.1906)
- Date
- 1906-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Sabbath 35 aufsuchen; es ist das durchaus kein Akt der Wohlt&tigkeit — wie man oft geneigt ist, besonders kleine• ren Betrieben gegenüber, anzunehmen — nein, eine unab* weisbare Pflicht! Jeder Feiernde hat das Recht auf Berücksichtigung seines, von dem Religionsgesetze ge• währleisteten Anspruches an seinen Bruder zu rechnen und dieser würde sich einer ebenso ungerechten wie törichten Handlungsweise schuldig machen, wenn er das nicht anerkennen wollte. Deshalb gibt es sicherlich manche Frauen und Männer, welche in bewusstvoller und vornehmer Weise diesem Anspruch gerecht werden, aber in welch kleinlicher Art entziehen sich auch viele dieser Pflicht! Man spendet freigebig für Arme und Notleidende, aber man geht gleichzeitig ah denjenigen vorüber, deren Wohl und Wehe ebensosehr von uns abhängt, aus Furcht, dass man vielleicht etwas mehr für die Ware oder Arbeit bezahlen müsse, als anderwärts, man fragt seine Bekannten, man studirt die In• «erate, man läuft von einem Geschäft ins andere und brüstet sich nachher schmunzelnd und stolz: Da und da habe ich es am billigsten bekommen! ׳ Nicht verhehlen dürfen wir uns, dass nicht nur die Gleichgiltigkeit des Publikums, sondern ebensosehr die• jenige seiner Führer und Leiter an diesen Zuständen heteiligt ist. Die Gemeinden und die führenden Personlichkeiten haben übersehen, dass vielen Hunderten Familien dadurch die Vernichtung droht, und dass an dem einst glänzenden Bauwerk der Sabbattreue ein Stein nach dem andern abbröckelt. Es ist geradezu eine Existenzfrage für das gesetzestreueJude nt um, um die es sich hier handelt! Nicht auf die Reichen und Vermögenden allein ist der Sabbath angewiesen, dieser himmlische Bote will ebenso die Kleinen unter seine Fittiche nehmen wie die Grossen und nur die Solidarität aller seiner Bekenner lässt den liebevollen Tröster bei uns verweilen. — Sicherlich gibt es unter den in Betracht kommenden Betrieben auch solche, denen grössere Mittel zu Gebote stehen und deren Gefährdung durch die mangelnde Kücksichtsnahme nicht so sehr zu Tage tritt; auch bei diesen gilt es vor zubeugen, damit ihnen das Errungene bleibe und sie nicht zurückkommen. Aber erst bei den mittleren und kleinen Leuten, die ohnedies um ihren Bestand zu kämpfen haben, bei diesen gilt es um Rettung vor dem Untergang! Nun hört man einwenden, dass besonders dije kleineren jüdischen Geschäfte, Handwerker und Händler oft nicht genüg leistungsfähig in Beziehung auf Auswahl und (Qualität der Lieferungen und Leistungen seien. Dieser Einwand hat in neuerer Zeit viel von seiner scheinbaren Berechtigung verloren; auch die mittleren und kleinen Leute strengen in der Tat alle Kräfte an, um im Kampfe mit der überhand nehmenden Concurrenz einigermassen bestehen zu können und so nach und nach bezüglich der Leistungen auf die Höhe zu kommen, und solch’ heissem Bemühen bleibt der Erfolg nicht versagt. Aber zugegeben, dass trotzdem die Leistungen hinter denjenigen der grossen Häuser Zurückbleiben, wer giebt uns dann das Recht, die Brüder und Schwestern, ihrem Schicksale zu überlassen?! Mahnend ruft uns der Genius des Sabbaths zu ג Ihr vermeintlichen Sabbattreuen seid mitschuldig an dieser Rückständigkeit, gebet Euren Genossen im Sabbathbunde Gelegenheit sjch zu vervollkommnen, J indem Ihr ihnen Eure Aufträge anweiset und dabei liebevolle Rücksicht übt, w׳enn vorerst noch nicht alles so pünktlich und exact, wie man es gerne wünschte, gehen sollte. Wir wiederholen, diese Rücksichten dürfen i n keiner Weise als eine Wohltat angesehen werden, die man den Lieferanten erweist, sondern sie müssen ein Ausdruck des Pflichtbewusstseins sein, das der Salfr bath dictirt. Fürwahr, das wäre ein edles Ziel für unsere Schomre-Schabbos-Vereinieungen, wenn sie ihren Wirkungskreis auf dieses Feld ausdehnen wollten und alle Treugesinnten zu einem Bunde vereinigen würden, der die Lösung der Sabbathfrage in angedeutetdhi Sinne als seine Aufgabe betrachtet und dazu das Menschenm ögliche unternimmt.! Möge dieser Appell an die Pflichttreue der Schwiestern und Brüder nicht ohne Wirkung verhallen! \VeiI wir, das kleine Häuflein der Gesetzestrelien, B ü r g |e tw sein sollen einer für den andern, weil ^ir längst stillschweigend einen heiligen Verein zur ErÄal“ tung der Thora ausmachen, weil wir aneinander gefesselt sein sollen durch die Bande unserer hohen Bestimmt.ng, so sollen wir, gleich jenen kühlten Bergsteigern, die u cht von einander lassen, weil sie genau wissen, dass das Leben des einen vom andern abhängt, uns immer fester und treuer zusammenschliessen zur Föderung und Erreichung des vom Spender des S a b b a t h s dirch’ den Mund des Propheten verheissenen Zieles: בל שד־ שב־. דהלל• *דהדקיס ::"ד; והב*א־־\ב אל ד,־ קרש* ובו' Was heisst ענג ש^ת? Diese Frage wird vielleicht dem einen oder andern seltsam Vorkommen, weil ihre Beantwortung doch gar zu leicht zu sein scheint. Das ist sie in Wirklichkeit aber nicht, und darum kann wol eine Klarstellung derselben durchaus nicht als überflüssig angesehen werden. 70r allem ist die volkstümliche Auflassung, die in שבה;;y nur ein kör perl iches Wohlbe hagren zu verstehen glaubt, eine durchaus irrige' und falsche, die wohl nicht wtnig zur Trübung des Sabbathgedankens beigetragen hat und noch beiträgt. Wagte doch ein alter Spötter und Gesetzeshöhner die Profetenworte וקראה לשבה <ננ zur Zielscheibe seines vermeintlichen Witzes zu machen, indem er deducierte: ,es steht וק־את im Singular, demnach 'kann es nur individuell. gemeint sein, was eben lern Einzelnen Vergnügen oder Freude bereitet, das ist für ihn ע;נ שבת; wer also zur besseren Verdauung der etwas schweren Sabbathspeisen eine Cigarre raucht oder 3ine Beschäftigung vornimmt, die ihm besonderes Wohlbehagen bereitet, ist vollauf דדך־ש der Anforderung ::וקראה לשבת ע“. Nicht um diesem ־שע, der zwar die Anregung zu diesen Ausführungen gegeben, zu antworten, sondern im Interes&o der Sache, der diese Blätter dienen, seien diese hier wiedergegeben. Allerdings bezieht sich das Gebot: :וק־אה לשבה עג auch auf erhöhten körperlichen Genuss,?.soweit kein השד שבה damit verbunden ist, wie ja der Sabbath durch bessere Kleidung geehrt werden soll; jedoch bilden diese köTperliehen Genüsse nicht das eigentliche Wesen des עע ^בה. Dass aber am שבה die vollständige Enthaltsamkeit( von jeder produzierenden Tätigkeit, die Beruf pnd Eriwerb erfordern, zunächst und vornehmlicli zur Kräftigund• des Geistes und zur Vertiefung der Erkenntnis unserer höheren Menschenbestimmung dienen soll und muss, geht ausser vielen anderen Stellen auch aus dem Jesaja’ sehen Verse, dem die Worte ::וקיאה לשבה ע entlehnt sind, deutlich genug hervor. Nach Ansicht unserer Talmud weisen dienen ja alle Gesetze der Thora hauptsächlich zu unserer geistigen Gesunderhaltung und «zur Stärkung unstirer