Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 6 (1906)
- Issue
- 5 (5.1906)
- Date
- 1906-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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34 Der Sabbath ״D1f: sollst die- Ecke Deines Fuldes nicht yöllig abernten, dem Armen and dem Fremdling sollst Da sie überlassen“. (UI B.' ■Mose 23,22.1 So lautet ein altes biblisches Qebot, nach welchem der *Reiche verpflichtet war, einen Teil seiher Ernte, die Felh, dem Armen zu überlassen. Dadurch hatte er Teil an dem Eigentum ■des Besitzenden, nur musste er mit eigner Kraft und eignCT Arbeit das ihm Ueberlassene verarbeiten und damit sein Brot v^rdymen. *Diteds Gebot mit seiner grossen sozialen Bedeutung giebt dorrt l-ijtftTzeichnetcu Veranlassung, Sie zur Mithilfe aufzufordern :!n, *tlnem Hilfswerke, für welches der Besitzende alles, was ihm wertlos erscheint, was ihm am Wege und im Wege liegt, hergeben kann, damit es Verwendung linde, um Arme zu beschäftigen unjj ihnen »0 Lohn uml Brot zu verschaffen. ‘ Zu diesem Zweck sind von dem .Verband der Sabbathfreunde־ Sammelstellen geschaffen worden, in welche alles im Hause, Eeberflassige, gleichgültig w «ts •־a ist, zusamiDengetragen, wo es sortirt. verarbeitet und verwertet werden soll. Dadurch wird’ 'einer grossen Anzahl unserer armen Glaubensgenossen, die um der Treue zu ihrem Glauben willen besonders schwer Arbeit nuden,1a»in Verdienst und Erwerb gegeben. * ׳ t Ihre Mithilfe an diesem sozialen Hilfswerk kann sich bekunden: ri) Durch L'eberweisung überflüssig gewordenen Hausrats. (Kleidungsstücke, Wäsche. Möbel. Kochgeschirre, Wirt- , ) »haftsgerliti• u. s. w.. gleichmütig, ob in brauchbarem ״der unbrauchbarem Zustande.1 * - Auf «Ihre: gefl. Mitteilung (siehe lieiliegende Dostkartei 1 erfolgt kostenfreie Abholung aus Ihrer Wohnung. 21 Durch l'eberweisung eines freiwilbgen Beitrages zur Bestreitung der Betriebsunkosten. ־ •’ fs . rubrigt sich des Bangen auszuführen, wie darch dieses Institut manche .Not gelindert werden kann, ohne dass eine l'nter- Stützung gereicht .wird. Hier können auch Leute beschäftigt werde®׳, ilie kein »Handwerk, erlernt haben, und solchen, die nur - teilweise arbeitsfähig sind, ist Gelegenheit gegeben, sich ihr Brot dadurch zu verdienen, dass sie unter sachverständiger Anleitung neue Werte aus Wertlosem schaffen. - ' 14e Zeit, in der wir leben, verlangt nach einem solchem Hilfswefke, das viele» ein Rettungsanker werden kann. Möge י{ i e ifi 0-n d sich ausschliessen, sondern ein Jeder den Armen überlasten, was ihnen Nutzen bringen kann — denn Jeder ist rei’ch im Vergleich zu jenen Unglücklichen, die unseren Beistand^erflehen.“ - Dieser Aufruf ist erst vor wenigen Tagen versandt worden und schon liegen zahlreiche Beitrittserklärungen und Angebote von ,Brocken“ vor. Die Tätigkeit der ״Peab־ hat denn auch bereits begonnen, in den Sammelstellen linden zunächst allerdings nur wenige Arbeitswillige Beschäftigung mi^ dem Abhöletj. Sortieren und Herrichten des überwiesenen Hausrats und auskümmliehen Lohn, und נב ־ werden sich ihnen bald zahlreiche weitere beigesellen. Der .Verband der Sabbäthfreunde“ darf mit s#inenv Erfolge bisher zufrieden sein; er soll ihm ein ^.nsporn sein, das begonnene weitschauende Werk tatkräftig fortzusetzen und zu erweitern. Zu wünschen wäre es, dass das hier gegebene Beispiel auch anderwärts, in grösseren Centren, seine Nachahmung finde, wofür der geschäftsführende Ausschuss des Verbandes und das Curatorium der Brockensammlung gern ihren. Bat zur Verfügung stellen. Ist der Anfang auch schwer, so U>11nt der Erfolg, wenn richtig angefangen, i sehr bald die aufgewandte Mühe.! Ein Beitrag zur Heiligung des Sabbats: Von einem Sabbatfreunde■ •' ־ *) In das Curatorium delegierte der geschäftsführende Ausschuss die Herren Dr. E. Biberfeld (Vorsitzender), E. Lazfarus (Schriftführer); die Ortsgruppe Berlin die Herren M. Posen und ‘ 1• Plachta (Cassierer); ferner wurden berufen die Herren J.Ber,» B. Joseph und F. Struck. Wir wagen es einen wunden Punkt im jüdisch-sozialen Leben zu berühren und hoffen auf den Beifall aller Brüder und Schwestern, deren Herz noch warm schlägt für die Interessen des überlieferten Judentums. In einer Zeit wie die unsere, wo eine materialistisehe ,Lebensauffassung die vorherrschende geworden, wo der Kampf ums Dasein, ein Wettstreit Aller gegen Alle, keine Zeit lassen will, die geistigen Güter unseres Volkes zu pflegen, ist jeder Jude, der inmitten dieses emsigen Getriebes einer Welt um ihn, von Verständnislosenoft bedauert und belächelt ob seiner Einfalt, die Treue seinem Gotte bewahrt, ein Herold des Gottesgesetzes, ein kühner Kämpfer für die grossen Aufgaben des Judentums, ein Mitarbeiter an der Vollendung der erhabenen Bestimmung seines Volkes. Und wenn nun die Aufrechterhaltung der Gesetze mit schweren Entbehrungen verbunden ist, wenn gar, Sorgen und Noth in Folge der gewissenhaften Erfüllung sich einstellen und der Jude dennoch.den Sinaieid nicht verleugnet, wenn er die Verbesserung seiner Lage nicht erkauft mit dem Treubruch an seinem heiligen Berufe, dann ist er wahrlich ein Märtyrer und nach dem wahren Worte, dass unter steten Entbehrungen, Kämpfen und Opfern zu leben für das Gesetz oft schwerer ist als zu sterben für es, wohl jenen erhabenen Gestalten einer früheren Zeit gleichzustellen, die ihr Leben freudig in die Schanze schlugen, in der Zuversieht, die Ziele gefördert zu haben, welche zur einstigen Erlösung der Menschheit führen. Map wird uns daher die Besprechung einer scheinbar so materiellen Angelegenheit wie die folgende in einem diesen hohen Zielen gewidmeten Blatte gewiss verzeihen,, wenn wir die Gesichtspunkte darlegen, von welchen aus wir jene betrachten wollen. f Wir möchten von der Heilighaltung des Sabb a t h s sprechen. Wenn nun auch die Treugebliebenen sich ein Leben ohne das Gnadengeschenk des Sabbaths gar nicht vorstellen können und ihn um alle Schätze der Welt nicht entbehren• möchten, so ist nicht zu verkennen, dass der Sabbath unter allen Gesetzen der Thora besonders von Denjenigen, die nicht im Besitze grösserer irdischer Güter sind, die grössten Opfer verlangt. Hauptsächlich in Betracht kommen hierbei die D e t a i 1 g e - schäfte mit und ohne Laden, die Handwerker und die kleinen Händler. Wenn es gewiss von grösster Wichtigkeit ist, die feiernden Engros-Häuser und Fabriken zu berücksichtigen, so handelt es sich da doch nur um ein verhältnismässig kleineren Kreis von Einkäufern, welchen die Rücksichtnahme unabweisbare Pflicht ist, auch liegt es in der Natur des Engros-Betriebes, dass die Offerten persönlich erfolgen und ein fleissiger Reisender wird auch in der durch die Feier des Sabbaths verkürzten Geschäftszeit Erfolge erzielen. Hingegen das Detailgeschäft, die Handwerker und die kleinen Händler! .4 1/a— 5 Tage bleiben für den Geschäftsbetrieb, ganz abgesehen von den Jomim-Tauwim, und solcher ist naturgemäss meistens auf fromm-jüdische Kundschaft beschränkt, da andere Käufer, welche auch an Samstagen und oft gerade dann zumeist ihren Bedarf decken wollen, das Lokal geschlossen finden und in den seltensten Fällen mit den Einkäufen etc. warten und wiederkommen. Es ist daher eine Lebensfr a ge für alle Geschäftsleute mit und ohne Läden, dass ihre Glaubensgenossen sie bei Einkäufen und Bestellungen