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Der Sabbath · 1906-03-01 · 3 (3.1906) · p. Seite 18

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Journal
Der Sabbath
Volume
6 (1906)
Issue
3 (3.1906)
Date
1906-03-01
Page
Seite 18 (sequence 4)
Language
German
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18 Der Sabbatli. ״Hätte uns Gott mit dem ״Manah“ gespeist und ־nicht den ״Sabbath“ gegeben, e§ wäre genug für uns; Hätte uns Gott den Sabbath gegeben und uns nicht zum Berge Sinai geführt, es warf genug für uns.“ in welch’ seltsamer Weise wird hier der Sabbath aus dem ganzen Thoragesetze herausgegriffen und an hervorragendster Stelle gewürdigt als ein Ganzes für sich schon bestimmend auf Israels Geschick zu wirken; denn während vorher, die Wohltaten der materiellen j Fürsorge, erwähnt werden, tritt nicht der Sinai und nicht die Thora, sondern plötzlich der Sabbath an erste Stelle ' als Vorkämpfer der geistigen Geburt unseres Volkes.; “•Fürwahr, es .muss eine gewaltige Idee sein, die im j Sabbath ihren Ausdruck findet, eine Idee, die bestimmend in die Geschicke unseres Volkes eingreift. Ist es etwa jener sozial humane Gedanke, der den Ruhetagen unserer Tochterreligionen mehr oder minder zu Grunde *liegt? Dann wäre es unverständliche Starrköpfigkeit uns nicht der Mehrheit anzupassen und auch den Sonntag oder Freitag zu acceptieren und uns so in materieller Hinsicht• das Dasein zu erleichtern; dann wäre es töricht aus Motiven der Pietät und menschlicher Ueberlieferung, oder etwa aus nationalen Gründen uns der, Zeitströmung entgegenstemmen zu wollen. Mein eine gewaltige transzendentale Macht ist es. die unserem Sabbath innewohnt, eine Macht, die sofort nach Eintritt des Menschen in die neu geschaffene Weltordnung ihren Ausdruck findet in den Worten : ״Es segnete Gott den siebenten Tag und heiligte, ihn.“ Die Heiligung, des Sabbaths durch Gott ist es, die diesem Tage seine überirdische Weihe verleiht, die, wie kaum ein anderer Gedanke, seinen achtmaligen Ausdruck, in unserer Thora findet und wie keinjanderes Gebot dazu bestimmt ist, stets Israel seine Mission auf Erden ins Gedächtnis zu rufen. . Welch’ anderes Verbot ist auch nur entfernt im Stande in dieser Weise in unser tägliches Empfinden unvermittelt einzugreifen und uns in dem Hasten und Jagen im Erwerbe materieller Gütqr so zu zügeln und ein ״Halt“ zuzurufen wie das Verbot der Werktätigkeit am Sabbath״Besinne dreh auf dich selbst, besinne dich auf. deine Stellung zu Gott und auf deine Mission in der-Weltordnung“,.ruft uns der Eintritt des Sabbath zu, ״ordne deine Tätigkeit und dein ganzes Dasein dem Willen jener Macht unter, der du alles zu •danken hast, erfülle deinen Israelberuf zur Verbreitung der . Gottesherrschaft und der Gottesidee auf Erden, die allein ihrer Verwirklichung näher zu bringen, deine Arbeitstätigkeit während der Woche vorbereitend dienen soll. Dann wirst du den Sabbath in seiner vollen Be״ deutung richtig erfasst haben und mit allen Kräften danach streben für seine Verbreitung und sein Verständnis wo immer und wann immer Sorge zu tragen“. Was ist nun in unserer Zeit aus dieser Beobachtung des Sabbath und aus dem Verständnis der Sabbathidöe selbst in den gesetzestreuen Kreisen geworden? Berufenere Federn von führenden Männern haben es bereits an ^dieser Stelle in trefflicher Wqise entwickelt, wie selbst in gesetzestreüen Kreisen, durch Unwissenheit die Sabbathidee verflacht ist, södass die Väter nicht mehr ihre Söhne 1n ihr erzliehen können und diese schon dem ersten Sturmanpralle des täglichen Lebens - zum Opfer'fallen. Ist es sonst zu verstehen, dass Väter, der besseren materiellen Lage wegen, es dulden, dass ihre Kinder den Sabbath entweihen oder sich von ihren Söhnen imponieren lassen, wenn sie nach einem Semester Universitätsstudium mit wirren, unverdauten philosophischen Gedanken beladen, ihrer Familie ״wissenschaftlich“ beweisen, wie ungebildet und kulturrückständig sie sei? Gewiss, ohne'Verständnis und geistige i Vertiefung in das Judentum ist keine Erziehung möglich. Wie vorteilhaft unterscheidet sich von diesen Kreisen, welche für die Zukunft des Judentums verloren sind, jener Vater, der es als seine Sabbathaufgabe in erster Reihe betrachtet, seine Kinder in jeder Weise gegen alle Anstürme zu wappnen, oder wenn er selbst dazu kaum imstande ist, sie berufenen Lehrern zuzuführen, die in diesem Sinne auf sie wirken. Mag sich jeder jüdische Vater darüber klar werden, dass er unverantwortlieh gewissenlos handelt, wenn er zwar selbst den Sabbath streng beobachtet, aber aus Schwäche oder durch irgend eine Unterlassungssünde dessen Entweihung in seinem Sohn indirekt begünstigt. Es ist das höchste Gut, welches das Judentum zu gewähren hat, die Beobachtung und das Aufgehen in dem Sabbathgesetze, das selbst dem Aermsten unter uns eine Seelenruhe und ein Familienglück gewährt, wie es keinem anderen beschieden ist. Oder fühlt sich jener Mann, der vielleicht nur zwei Räume sein eigen nennt, wenn er im Kreise seiner Familie in schöner Harmonie erläuternd den Wochenabschnitt am Freitag Abend vorträgt und sich an den naiv geistreichen Fragen seiner Kleinen erfreut, nicht hundertmal glücklicher, als jener Palast- oder Villenbesitzer, der einsam und verlassen in seinem Comptoir sitzt, um mit def Scheere in der Hand seine Coupons zu schneiden? Oder fühlt sich nicht jene Mutter in der ärmlichen Kleidung, umgeben von ihren Kindern, seelisch gehobener, als jene hohe Dame mit dem glitzernden, nach aussen Eindruck erweckenden Geschmeide, der das Fühlen und Empfinden ihrer! Kinder völlig entfremdet ist? Der Sabbath ist es, der es dem Juden so durch alle Zeiten ermöglicht, mit see- | lischem Gleichmute alle Unbilden zu ertragen und in dem Bande, das ihn mit Gott verbindet, seine volle Daseinsbefriedigung zu erkennen. Und so richten wir unsern Appell an alle, die in gehobener Stimmung im glücklichen Familienkreise warm j und innig ihren Kindern und Familienmitgliedern die j Hagadah erläutern, gemäss dem Satze והנדה לבנך ונו־ , immer wieder darauf hinzuweisen, dass das vornehmste Gebot des Judentums die Heilighaltung des Sabbath ist,• dass in ihr ■die wahre Mission des Judentums d. h, die Verwirklichung der Gottesheiligung auf Erden, dass in ihr der wahre קדוש ה־, um ein Wort gebrauchen zu | dürfen, das sonst bei so vielen unpassenden Gelegenheiten in entstelltem Sinne gebraucht wird, — durch עבדת ה׳ zum Ausdrucke kommt! Mögen die Väter ihre Söhne immer wieder daran erinnern, dass keine wissen- , schaftliche Hypothese, keine noch so erhabene Berufs- 1 arbeit im Stande sein darf das Sabbathgesetz in den ׳ Hintergrund zu drängen, dass aber auch andererseits keine noch so gross angelegte soziale oder nationale Fürsorge und Zeitströmung zu ihren 'Ungunsten bevorzugt I werden darf. Und hier sei es uns gestattet uns auch an j jene schon zahlreichen Kreise unserer Glaubensbrüder zp j wenden, die den שד־ nur aus nationalen Gründen feiern. Mögen sie hierbei beachten, dass sogleich an־ der Spitze der geistigen Geburt unseres Volkes das Sabbathgesetz steht, dass, noch lange bevor wir das Land unserer Väter erreichten, dies das einigende Band unserer Nation war, wie es auch das einzige Band war, das Israel verhindert hat, gleich den anderen Völkern unterzugehen und auf seine Mission der Verbreitung und Verherrlichung der Gottesherrschaft auf Erden zu verzichten. So wollen wir uns alle am Seder-Abend vereinen in dem Gedanken, die Sabbathidee nach Kräften zu för-

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