Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 6 (1906)
- Issue
- 2 (2.1906)
- Date
- 1906-02-01
- Page
- Seite 15 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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V 15 Der Sabbath. diesem Gebiete bekannt geworden, so dass also Ihr eignes Urteil über die Untätigkeit der ״Freisinnigen“ als zutreffend erscheint. Anders steht es im gesetzestreuen Lager. Hier darf ich Ihnen einige Tatsachen vorführen, die, wie es scheint, Ihrer Aufmerksamkeit entgangen sind. . Im Jahre 1885 wurde der ״Stellennachweisverein jüdischer Kaufleute in Breslau“ gegründet, der speciell die Aufgabe hatte, stellenlosen jungen Kaufleuten, die am Sabbat nicht arbeiten wollen, rascijepf-als es auf anderen Wegen möglich ist, zu einer anderem^Stelle zu verhelfen. , Es folgte 1892 die Gründung1 des gleiche Ziele verfolgenden ״Israelitischen Ste'Henveymitllungsvereins in H a m b u r g.“ 'v~־' Mitte 1898 wurde hier in Frankfurt a. M. der ״Verein zur Versicherung gegen Stellen- 10 s i g k e i t שמרי שבת“ ins Leben gerufen, der neben der Stellenvermittlung auch die Versicherung der stellenlos gewordenen Gehilfen einfübrte, um so zu verhindern, dass diese jungen Leute aus Not zur Entweihung des Sabbat geführt werden. Dieser Verein, dessen Vorsitz seit seiner Gründung zu führen ich die Ehre habe, betreibt ebenfalls eine Stellenvermittlung für Kaufleute, die für Prinzipale und Gehilfen — auch Nichtmitglieder — gänzlich kostenlos erfolgt; er unterhält ferner eine eigene Abteilung für Assoziationen, um jungen Leuten zur Selbständigkeit zu verhelfen. Die Versicherungsabteilung hat in den Jahren 1899—1905 rund Mk. 12000 für Entsch digungen an Stellenlose ausgezahlt und damit sicher manchem ihrer Mitglieder die bange Wahl zwischen Bruch des Sabbatgesetzes oder Erdulduog schwerer Entbehrungen erspart. Seit Mitte vorigen Jahres haben sich die genannten Vereine unter Mitwirkung des gleiche Ziele verfolgenden Berliner ־ שבת!!^-Vereins (gegründet 1899) zu einer Centrale lür Stellenvermittlung zusammengeschlossen, die hier ihren Sitz hat, um in gemeinsamer Arbeit die bisherigen Leistungen — zusammen ca. 300 vermittelte Stellen per Jahr — noch zu erhöhen. Beschränkt sich die Tätigkeit der hier genannten Vereine auf das kaufmännische Gebiet, so verfolgt der vor Jahresfrist ins Dasein getretene ,Verband־ der Sabbatbfreunde“ (Sitz Berlin, Vorsitzender Dr. Ed. Biberfeld) um so umfassendere Ziele. § 2 seiner Satzungen lautet: Zweck des Vereins ist, für die Heilighaltung des Sabbats, im Sinne der überlieferten schriftlichen nnd mündlichen Lehre einzutreten. Diesen Zweck will er erreichen vornehmlich: a) dnreh' Aufklärnng über die Bedeutsamkeit des Sabbatgesetzes, d) durch ideelle und wirtschaftliche Unterstützung solcher Unternebmungen, die der Förderung der Sabbatrnhe im Erwerbs- . leben dieneD, ’’ . j c) durch zweckmässige Bekämpfung der die Beobachtung des Sabbats schädigenden Tendenzen. Im Vorstehenden habe ich in kurzen Zügen das zu schildern gesucht, was im gesetzestreuen Lager seither an praktischer Arbeit geleistet worden ist. Ist es auch nicht viel, so genügt es doch, um Ihr hartes Urteil als unberechtigt erscheinen zu lassen. Es würde nun von grösstem Werte für die Sache sein, wenn Sie, sehr : geehrter Herr, versuchen würden, auch in Ihren' Kreisen für | unsere Bestrebungen! Mitarbeiter zu gewinnen. Noch i harren unsrer grosse Aufgaben, ich erwähne' nur die | geplante Schaffung eines jüdischen Kreditinstitutes; an! ihnen können sich alle beteiligen, die mit uns in dem- ן Sabbat das Grundgesetz sehen, mit dem* das Judentum ן sieht und fällt. j Mit vorzüglicher Hochachtung Ihr ergebener - , M Q r i t z A. L 0 e b, I ' - Vorsitzender des Vereins zur Versicherung! gegen-Stellenlosigkeit. 1AC Nachrichten aus dem Verbände. ■I Frankfurt a. M. Die hiesige über 400 Mitglieder umfassende Ortsgruppe des Verbandes der Sabbatbfreunde hielt in dem Saale des Mekor-C'bajim-Vereins etne Versammlung ab, in der Herr Morits A. Loeb über, dife Erfolge uud Ziele des. Verbandes referierte. I ' Herr Loeb warf zunächst die .Frage auf, ob der vor einem Jahre gegründete Verband eine Notwendigkeit sei, eine Frage, die in unserer Zeit der Vereinsmeierei wohl am Platze ist. Der Referent zeigte an dem Unterschied voij Einst und Jetzt die innere Berechtigung der Verbandsgriindung. Eingehend wurde-dargelegt wie die Reform, die Entwickelung der sozialen Verhältnisse, und zuletzt die Sonntagsruhe. viele Tausende dtfr ■Sabbathentweihung in die ArmeX getrieben haben und wie traurig sich die Verhältnisse heute gestalteten Die Schwierigkeit der Sabbatbeobachtung unter den modernen Verhältnissen veranlasste schon vorher die Gründung von Vereinen, die für die gesetzestreucn jungen Leute die Stellenvermittlung regeln. So entstanden 18ד.א in Brestau, )892 in Hamburg und später in Berlin und Frankfurt ״Scliomrc-Seliabbos-Vereine‘‘. Der Frankfurter Verein fügte zur Stellenvermitjtlung noch die Versicherung gegen Stellenlosigkeit hinzu, er hat ln den 7 Jahren seines Bestehens 12'000 Mark an die Versicherten ausbezahlt und dadurch manchenjungen Manu in seiner stellenlosen Zeit vor der Sabbathentweihung bewahrt. Mit allen den Sebomre-Scbabbos-Vereinen war jedoch kein Schutzwall gegen die fortschreitende Sabbathentweihung errichtet. Es ergab sich die Notwendigkeit, die gesamten Kräfte der Gesetzestreuen zusammenzufassen, welche Notwendigkeit zur Gründung des Der Verband bat bereits eine Anzahl Ortsgruppen ins Leben gerufen, von denen allein die hiesige mehr als 400 Mitglieder umfasst. Er hat ein eigenes Organ ״Der Sabbath“, das die Tendenzen des Verbandes in aus־ gezeichneter Weise vertritt. Wenn zur Zeit auch noch die Organisationsarbeiten seine Kräfte und Mittel nahezu ausschliesslich in Auspruch nehmen, so lässt sich doch heute schon erkennen, dass allein die Tatsache seiner Begründung in weiten Kreisen als eine befreiende Tat begrüsst wurde. Ist doch nunmehr ein Sammelpunkt geschaffen, von dem aus die Gegenwehr einsetzen kann. Die aus allen Teilen Deutschlands eingegangenen Zustimmungsschreiben haben üderdies gezeigt, dass die Zahl der Sabbatfreunde glücklicherweise noch weit grösser ist, als man nach der durch die Sonntagsruhe angerichteten Verheerung annehmen sollte. Verbandes führte. Was hat nun der Verband bereits geleistet nnd welches sind seine nächsten Ziele? In seiner Zeitschrift »Der Sabbath“ sammelt er alle Regierungs-Erlasse, Gerichtsurteile u. s. f. die auf die Sabbathweihe •Bezug hieben. Es bat sich z. B. ergeben, dass'sogar Direktoren und Lehrer der Lehranstalten Preussens nichts von jener Ministerial- Verordnung wissen, die die jüdischen Kinder nicht nur vom Schreiben, sondern auf Wunsch sogar vom Schulbesuch am Sabbath entbindet. Eine weitere Aufgabe des Verbandes wird eä sein, einen ״Berufsführer“abzufassen, denn es ist von grösster Wichtigkeit, be'1 der Wahl eines Berufes für nnsore Kinder zu wissen, inwieweit es bei diesem oder jen.m Beruf möglich ist, den Sabbath zu beobachten. Ins Auge zu fassen ist ferner die Gründung £iner St eile nv ermittlung für Handwerker, die Schaffung eines Kreditinstitutes. Das sind die nächstliegenden Aufgaben, nach deren Lösung der Verband neuen Aufgaben zustreben wird.