Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 6 (1906)
- Issue
- 2 (2.1906)
- Date
- 1906-02-01
- Page
- Seite 13 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/4874912-5428444-5428486--042-4874940- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Der Sabbath. 13 glauben, dass es heute schwerer ist, als früher seinen שנת zu halten, wohlverstanden für den, der die ernste Absicht hierzu hat — führe ich den verehrten Leser vielmehr weit weit zurück in jene Zeitv da der שבת zum! ersten Maid den! jüdischen Volke zum Ruhetag werden soll. Die פדרה ist es, die mir hierzu Veranlassung gibt. Sehen wir uns die פרשת הכן •einmal richtig an, die wohl Vielen von uns geläufig sein dttrite, reiht sie die Weisheit unserer Weisen ז׳ל, ja dem täglichen Gebete an, und die dennoch so wenig gewürdigt, so wenig verstanden oder doch wenig praktisch verwendet wird. Und doch sind es goldene Gedanken, die uns diese פרשה reicht, und so mancher könnte Trost und Bjlehrung daraus schöpfen, wenn die schaurige Ges alt des Hungers sich ihm zeigt, — wenn er leichtsiunig genug b8reit ist, las heilige Band, -das ihn mit seinem Schöpfer verbindet, und das doch nun einmal der שבת ist, zu zerreissen und damit, für die Meisten das Beschreiten eines Weges beginnt, der wohl vielleicht für manchen zu Glück iind Reichtümern führt, der aber, das möchten wir allein entgegengesetzten Bebauptungen gegenüber als sicher feststellen, bei allen erworbenen irdischen Gütern-n jch keinen Einzigen glücklich hat werden lassen, die die ernste, würdige ס^שבת^ in olterlichen Hause vor sich gesehen. Israel ist vom Sklavenjoche befreit, auf wunderbare Weise hat הקב*ה der Welt gezeigt, wie er. das Verdienst der Väter an den Kindern heimzahlt, hat der staunenden Welt Beweise geliefert, wie die Natur von den Menschen selbst zu einer Gottheit gestempelt, nichts ist, als ein Spielball in Seiner Hand. Israel ist seine Bedränger los, tot sah es die stolzen Egypter vor seinen Augen. — Nun hätten wir meinen sollen, der Jubel, der am Ufer des Schilfmeers so einstimmig in einer שירה sich Luft gemacht, er wäre kein Augenblicks-Stimmungsbild und das, was das Volk gesehen, wäre hinreichend, sie für immer davon zu überzeugen, dass es kein Höhere giebt, als ihren Erlöser und dass ihre Hoffnung uud Zuversicht allein חקב״ה sein kann. Doch gar bald sollen wir inne werden, wie wenig wir die Menschen kennen, wenn wir eine solche Logik von ihnen erwarten. Erzieherische Gründe lediglich waren es, wie uns die תורה berichtet, die הקב״ה veranlassen, Israel den Weg durch die Wüste nehmen zu lassen. Das Volk sollte Tag für Tag allein auf Gott bingewiesen sein, um so für sich und seine Nachkommen für alle Zeiten die Lehre zu erhalten, dass Gott allein es ist, der dem Menschen die Nahrung gewährt, selbst da, wo Menschen nichts zu finden hoffen können, aber auch bei allem Fieiss des Menschen, diesem die Nahrung versagen kann und wird, wenn er nicht das Vertrauen zu הקב׳ה hat. — ßott lässt dem Volke ,Manna vorn Himmel“ regnen, ein Brot, das nach dem Ausspruch unserer Weisen alle Wohlgerüche in sich vereinigt und selbst dem grössten ״Gourmand“ genügen könnte. So wird mit einem Schlage das drohende Gespenst des Hungers abgewehrt und Israel hätte im Bewusstsein des göttlichen Schutzes, im Hinblick auf den göttlichen ,Mannaspender“ mehr als zufrieden sein müssen. Wir meinen so! Doch sehen wir uns einmal genauer an die' beiden Gebote, die eng an die -,Manna-Spende* vom göttlichen Spender geknüpft wurden. Die eine lautet: ״Nichts davon übrig zu lassen für den nächsten Morgen.“ Die zweite lautet: ,,Am שכת nicht auf das Feld zu gehen, da an diesem Tage kein Manna zu finden sein werde“. Wir. hätten nun wohl mit Recht annehmen können, dass Menschen, die so viele Beweise göttlicher, Wunder und Wohltaten gesehen und genossen, mit Befriedigung .sich dem behaglichen Bewusstsein hingeben werden, ich habe genug und brauche auch für morgen nicht zu sorgen. איד'זרימה מי שיש לו פח כסלו למי שאץ מי פת בסלו. Wer Brot in seinem Korbe hat, wird weniger Hunger bekommen, als der, der keines hat. Dieser Ausspruch unserer Weiseu, der ja meistens und zwar mit Stecht, buchstäl lieh aufgefasst wird und dem, wie die Erfahrung lehrt, auch eine grosse Wahrheit inne wohnt, muss uns auffallen, wenn wir einen zweiten daneben stellen, Mer da lautet :כל-מ* ש ש לי מה לאבל• הייס ואומר מה אני אוכל למחר הרי ״ .הן כקטני אמונהWer für heute Nahrung '”hesitst und dennoch für morgen sorgt, gehört zu den Kleingläubigen.“ Der zweite scheint uns damit sagen zu wollen, dass die Wahrheit des ersten־ Ausspruches nicht von aller anerkannt wird. In unserem חורה-Abschnitte wild, uns erzählt, wie einige Männer dem göttlichen Gebote zuwider,- מן übrig lassen, das während der Nacht durch Würmer ungeniessbar gemacht wurde, Wie es Moses voraus verkündet hatte. Können wir ms eine grössere Versündigung denken, als sie in_dieser Tatsache ־־ liegt, die soviel Undank für die göttliche Wohltaten und so wenig Verständnis für die höhere Stufe beweist, ,auf die der göttliche Leiter und Führer sein Volk erheben will. Doch gehen wir noch —weiter: Das' zweite Gebot ' betrifft die Heiligung des שבה. Um allen Bsfürcitungen von Nahrungssorgen vorzubeugen, gibt הקנה im Voraus am Freitag das doppelt^׳Maas. Wer würde sich nicht freuen mit einem Rttketag, wenn ihm alles so bequem gemacht wird, wie ]weit wären wir entfernt,, das vorauszusetzen, was zur ^Tatsache wird, nämlich, dass einige ׳ der Verblendeten dennoch hinausgingen, nicht genug mit dem was sie hatten, indessen ״sie fanden nichtsH Wie wären wir so gerne bereit, einen Stein in dieses Gebahren unserer Vorfahren zu werfen,- w^nn wir besser und dadurch dazu berechtigt wären. Doc|1 wehe uns,מעשה אבותינו בידינו, in dieser Hinsicht, sind wiii nur zu gewissenhaft diesem schlechten Beispiele jener Männer gefolgt und das was nur zum abschreckenden Beispiele hätte werden sollen, dient vielen als Entschuldigung. ״Die Alten waren auch nicht besser, warum sollten wir es sein?“ Aber nicht niir unser Tun und Treiben gleicht leider dem jener Männer, sondern auch die Triebfedern des Tuns sind, dieselben geblieben. Hab- und Genusssucht waren die Ursachen für die damalige AusserachfJassung]׳ der göttlichen Gebote, heute sind es die selben, rur dass noch Leichtsinn, ein weiterer Schmuck in der Krone des heutigen Geschlechtes, hinzukommt, die den ״Vsrgleich mit der Zeit der Wüstegwanderung insofern nicht mehr stichhaltig sein lässt, als heute die Mehrzahl es leider ist, die den שבת entweiht, während es damals nur wenige waren. Was heute so Vielen als Entschuldigung dieat, dass der שבת mit so vielen Opfern verknüpft ist, kann und , darf für uns keine Berechtigung haben. Wer ״on uns \ wäre nicht bereit, für das was ihm das Liebste ist, die schwersten Opfer zu bringen? Haben es unsere Väter nicht in vielen tausenden von Fällen bewiesen, dass sie bereit sind, mit ihrem Herzblut ihr Teuerstes zu verteidigen. Und wir,! die wir doch auch Juden sind,!ob wir wollen oder nicht, ob wir -uns als solche geriren, oder als solche zu scheinen genieren, wir sollten so feige sein, lieber alles wegzawerfen, was unser Stolz sein sollte, als Geldopfer zu bringen? Wi& weit sind wir nicht nur als . Juden gesunken, nein als Menschen sind wir tief gefallen, wenn wir uns der Wahrheit all dessen verschliessen, was uns der ״Spiegel der t Gegenwart“ alltäglich vor die Augen führt. Wie erhaben müssen uns die amen gedrückten Brüder j erscheinen, in ihren langen Kaftanen und ungeschnittefien Bärten, im Vergleich zu den Salonf