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Der Sabbath · 1906-02-01 · 2 (2.1906) · p. Seite 11

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Journal
Der Sabbath
Volume
6 (1906)
Issue
2 (2.1906)
Date
1906-02-01
Page
Seite 11 (sequence 5)
Language
German
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Der Sabbath Gegensätze. Hie Sabbatb, hie Sonntag! Dieser Gegensatz tritt vor allem dort hervor, wo ihrem Gesetze fremd gewordene Juden den Sabbath durch den Sonntag ersetzen wollen. Aber nicht ersparen kann;ich es Ihnen, die Wirkung zu verfolgen, welche der Eintausch des Sonntags gegen den Sabbath auf diel Begehung der anderen jüdischen Festtage ausgeübt hat. In manchen Jahren muss selbst der wundersame Siederabend sich ducken, bis es dem ״silbernen“ oder gar ״goldenen׳* Sonnabend vor Ostern gefällt, auch ihn zu seinem Rechte kommeD zu lassen, weil — weil die Polizei das Geldverdienen zu so später Nachstunde verbietet. Schowuaus hat längst dem fröhlicheren Pfingstfest weichen müssen. Treffen aber die Schowuaustage mit den Pfingstfeiertagen zusammen, dann wird natürlich nicht etwa der Schowuaus in der Synagoge begangen, nein, d(1nn wird vielleicht zur pietätvollen Erinnerung an die alte Sitte nächtigen Bibellesens bis zum Erwachen der Frühstunde der Gesetzgebung zwar nicht die Nacht durchwacht, aber, mit dem ersten Sonnenschimmer das Heim!von Gross und Klein verlassen, um Pfingsten im zoologischen Garten oder bei Kroll zu begrüssen beim KlangeI rauschender Fanfaren und Pauken. Was bedeutet es, das aus dem Chanukahfest ein Weihnachtsfest der Israeliten geworden ist, wenn selbst Rauschhaschonoh zu Ehren des Sylvestertaumels verabschiedet wird. Ich übertreibe? Rauschhaschonoh wird noch ״reichlich“ gefeieri? Ja, meine Damen und Herren, aber mit welchem Spott und. Hohn wird diese Rauchhaschonohfeicr begossen. Erinnern Sie sich doch des Gebährens dieser Sabbathübertreter, das sie von ihrem Gewissen zu verantworten vermögen, wenn Roschbaschonoh auf Donnerstag und Freitag fällt. Ist es denn nicht etwas Unerhörtes, dass darum am zweiten Festtage die Läden eine Stunde früher geöffnet werden, weil der SabbaCh beginnt! Auf grosser Plakaten mit grossen Lettern kündigt man diese Unerhörtheit, diesen Wahnsinn an, unbekümmert darüber, dass die Uebertretung des Sabbaths ein weit schwerer bedrohtes Vergehen ist, als die Entweihung des Rausch liaschonohfestes? 'Mit dem Sabbath beginnt’«; die Festtage folgen; ach, noch Anderes w׳ird mitgerissen. Was ton allem hat der Sonntag ihnen wiedergegeben, was für Menschen hat die Preisgabe des Sabbaths und der Eintausch des-Sonntags aus ihnen geschaffen? Meine Damen und Herren, w01׳len Sie sich den Gegensatz nicht verschleiern. Hie Sabbath, hie SonntagI Warum aber ist der Sabbath uneintauschlich, unersetzbar? Woher kommt die ihm und nur ihm innewohnende Eigentümlichkeit? Warum gelingt bei uns Juden dem Sonntag nicht, was der Sabbath vermag? Sie meinen vielleicht, es gelingt dem Sonntag nur darum nicht, weil die heutige Welt in ihm gt.rnicht einen Tag der Weihe begeht, sondern nur einen Tag der Erholung. Würde diese Antwort zutreffend sein — was doch die Christenheit keineswegs zugeben wird —, so würde sich aus ihr folgern lassen, dass, wenn das Sabbathgesetz in seinem vollen Umfange auf den Sonntsg übertragen würde, aus dem Sonntag ein wahrer Sabbath mit seiner versittlichenden Kraft werden könnte. Aber glauben Sie denn, dieser Versuch sei noch nicht unternommen worden? Schon vor 11—12 Jahrhunderten, also in einer Zeit, in welcher der Sabbathgeist nicht mit dem Geiste des Atheismus und Materialismus in Fehde lag, unter Kaiser Leo III wurde für den Sonntag die strengie ."abbathfeier vorgeschrieben, um dem Sonntag den Säbbathgeist zu erretten. Durch die Umgestaltung des Sonntags in einen ״richtigen“ Sabbath glaubte man auch für das Christentum den Quell gegraben zu haben, aus welchem die Christenheit wie aus dem Sabbath die sabbatbtrcue Judenheil, allwöchentlich Stählung und II Begeisterung, Widerstandskraft, Und Aufopferiingsmut schier ewig schöpfen könnte. Aber damals und später nicht bei gleichen Bestrebungen hat der Sonntag, hat der Sabbath am Sonntag, die Hoffnung erfüllt. Warum aber nicht? Was ist denn eigentlich das Geheimnis des Sabbaths, des Judensabbaths? Warum vermar dieser Tag allein Heiligkeit zurückzugeben, den Menschen die ihn heiligend zu Ehren bringen? Warum vbrmag er allein so veredelnd, •sittlich läuternd, segenbringend auf seinen Getreuen zu wirken? Nun darum, wejl in den! Sabbath tag eine latente Eigenschaft, eine verborgene Kraft ruht, welche nur der Erweckung harrt,! um sich \> zu entfalten, zu betätigen, der Erweckung dfirch eine homogene Kraft, durch einen verwandten Gejst. Mit anderen Worten: Erachtet der .Jude den Sabbath als einen Tag der Heiligkeit und des Segens, indem er ihn heilig hält, dann spendet der Sabbat dem Juden die Heiligkeit und den Segen, dereu Keim Gott in iljn gelegt hat, als Natur und Welt deu ersten Sabbat 1 feierten. Denn, meine Damen und Herren, es ist ein Irrtlim, wenn wir meinen, die Sabbatheiligung gehe von uns, nur von menschlicher Seite aus. Allerdings heisst es in cer Bibel: ״Gedenke des Sabbbathtages, ihn zu heiligen I“ Aber viel, viel früher heisst es: ,Es segnete Gott den siebenten Tag und Er heiligte ihn“ und nochmals heisst es, gerade da wo die menschliche Heiligung gefordert wird ״Darum segnete der Ewige den Sabbatfitag und Er heiligte ihn!“ Hier meine Damen und Herren, das Geheimnis. Gott ist'es. der dem Sabbath die Kraft gab, welc he er in allen Jahrtausenden bis in unsere Gegenwart hinein un* bestreitlich, unleugbar, vor jedermann offenkundig an den jüdischen Familien bewährt. Die Menschheit konnte das Experiment machen, die Menschenheiligung den Sabbath zu nehmen und dem Sonntag zu übertragen, - aber das Gottesgeschenk der Heiligung und des Segens konnte sie ihm nicht geben, Gott lässt sich nicht beorc ern; dem Pol fehlte der Gegenpol, der Funken des himmlichen Segens konnte sich nicht entladen. Dass seit 1er Welt- Schöpfung dem Sabbath diese Weihe wurde uni nur ihm allein, das braucht niemand zu glauben; die tausendjährige Vergangenheit und die lebendige, überzeugende Gegenwart beweisen es, beweisen den positiven nud negativen Inhalt dieses Satzes in gleicher Weise. Aber das werden Sie, so hoffe ich, jetzt glauben, dass das Wesen des Sabbaths doch nicht ein so selbstverständliche? ist, dass es der Aufklärung nicht bedarf, der.Aufk ärnng darüber, dass die Bezeichnung ״Sabbathruhe“ insofe •n eine ur.-. glückliche ist, als die ,Ruhe“, die ״Untätigkeit“ nicht den Hauptinhalt des Säbbathgesetzes zeigt, sondern nur die Consequenz des Gesetzes, die Wirkung des Sabbathgesetzes, nicht sein eigentliches Wesen. Auf den Rang der heidnischen Dienerschaft und des Hausgetisrs würde Ruhe־• als Für die heidnische Dienerschaft und das Haustier waj• die Couselbst 4i». mit einer sich der Jude hinabdrücken, wenn er die . Wesen des Sabbathgesetzeserachten würde, sequenz der Ruhe alles; daher, wo vom Juden Rede ist, die Ruhe nicht anders geboten ist als Wortform der Consequenz (לנדגן so dass). Dej־ Sabbath ist eine Tat; ״darum befahl Dir der Ewige, ].)ein Gott, den Sabbath zu betätig־en“. (Pentateuch V 5, 15)7 Ach, es giebt so vieles, das Aufklärung erheischt. Woher soll, woher kann die seelische Widerstandskraft erstehen, wenn die Aufklärung fehlt Nicht d(n Stellenvermittlungsvereinen liegt es ob, diese grosse Aufgabe zu übernehmen. Das soll der Verband der Sabhathfreunde. Aufklärung will er der jüdischen Schuljugend geben, dass sie die Widerstandskraft finde gegenüber sabbathfeindliehen nichtjüdischen und —jüdischen Lehrern, die Wider- Standskraft in sich spüre, angesichts der au’ Sabbath,

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