Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 6 (1906)
- Issue
- 1 (1.1906)
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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2 Der Sabbath 1 der sie vorher gar nichts wussten, als von jeher bestehend hingestellt hätte, während er selbst sie ihnen, aufdrangen wollte. ' ■ Me.inhfdd gibt zu, dass über eine wirkliche Einführung des ezecliielischen Sabbath nirgends etwas berichtet wird. Diese Tatsache allein hätte ihn -schon stutzig machen müssen. Esra soll .mit Hilfe des weltlichen Armes1־ den Sabhath durcligeführt haben: und dennoch' wird in den (Quellen nichts davon erwähnt. Wir hören. , di^ss er das Volk auf das Gesetz verpflichtet, dass <r gehren die Mischehen mit äusserster Strenge vorging; hätte die Durchführung -einer in wirtschaftlicher und religiöser 'Hinsicht so tief einschrieidenden Hassregel nicht ganz besonders in den Vordergrund gestellt werden müssen? Statt de'sen wird lediglich die doch verhältnismässig nehen-är'hlichc Verpflichtung erwähnt, dass man von״d־׳m Landvolke, das offenbar ans Unwissenheit den Sabhath entweihte, nichts kaufen wollte. — Geradezu dürftig ist die Begründung für die Behauptung Meinhoids, dass der Sabhath erst in der Jlakkabäerzeit vollkommen durchgedrungen sei. Weil man siclrftir den Sablmth aufopferte, weil man in irrtümlicher Auffassung des Gesetzes nicht einmal zur Verteidigung■ am Sabbath -die Waffen ergreifen wollte, darum soll der Sabbath damals nur. von den ge- srtzestreuen -luden gehalten worden seih. Ich meine, dass eine .natürliche Auffassung der Ereignisse müsste das Gegenteil ergeben: weil die reberzeugimg von der Heiligkeit des Sabbaths so tief im Volke wurzelte und weil man seine Entweihung dem Götzendienste gleichstellte. ' darum konnten manche dazu kommen, auch den Ver* teidigungskampf am Sabbäth für verboten zu halten ' Haft hört in unserer Zeit viel von der Forderung einer .voraussetzungslosen.Wissenschaft: es handelt sich aber hier, genau genommen, um eine unerfüllbare Forderung und grade diejenigen, die sie am lautesten erheben und im Hunde führen, (•!füllen sie häutig am wenigsten. Nicht einmal die Huthematik. die objektivste aller Wtsse'nschäften kann als vorausset2ungsl0s bezeichnet werden; noch ,viel weniger ist dies bei der Geschichtswissenschaft der Fall. Wenn man z B. die Geschichte der Reformation und der darauf folgenden Periode vor! katholischer und von protestantischer Seite dargestellt liest, so siebt man. wie es. mit der Voraussetzungslosigk-it bestellt ist. Die Gelehrten auf beiden ' Seiten glauben objektiv zu sein. Aber der Mensch ist keine Maschine, er ist ein Produkt seiner Erziehung, seines Milieus, und nicht zum wenigsten seiner Zeit. Und all diese Momente wirken auch auf sein literarisches• Schaffen ein. Von den Anschauungen, die ihm anerzogen wurden, und die ihn von .fugend auf beherrscht haben, kann er sich schlechterdings nicht vollkommen emanzipieren, sie beeinflussen ihn immer mehr oder weniger. Das eine sollte 'man ־'allerdings verlangen, dass hei der wissenscliaft liehen Arbeit wenigstens die persönlichen Gefühle und Stimmungen zurücktrefen. Bei den Forschungen, die das Judentum betreffen, Jist aber,wie wir dies schon früher hervorgehoben haben: bei den meisten Gelehrten nicht einmal dieses der Fall. Und so ist es leider eine Tatsache, dass der Antisemitismus, der unser gesamtes politisches, wirtschaftliches und gesellschaftliches Leben ־beeinflusst, aucli auf dem G<ebiet der Wissenschaft sich n einer Weise äussert, die, manchmal jede Objektivität ussci " " Während man; Griechen und Römern objekiv gegenuoci .״.jn kann, Weil sie nicht mehr existieren, stellt man sich bei der Erforschung der jüdischen Ge- •Schichtender jüdischen Religion und des jüdischen Altlrtums immer die Juden der Jetztzeit vor Augen, und alle die Abneigungen ünd alle'die Vorurteile, die hier vorhanden sind, übertragen sich )auch auf die frühere Zeit. So entstellt nicht Wissenschaft, sondern eine Karrikatur ijßrselben. Doch wollet(, wir trotzdem die Hoffnung nicht sinken lassen; die Wahrheit ist so mächtig, dass sie trotz aller Hindernisse, jie sich vor ihr auftürmen, dennoch zum Siege gelangen wird. / Es giebt immer einzelne unter den Gelehrten, deren Liebe zur Wahrheit sio gross ist, dass sie wenigstens zum Teil über die entjjregenstehenden Gefühle den Sieg davonträgt, und so darf man die Zuversicht liegen, dass doch mit der Zeit eine bessere Einsicht־ Platz greifen und eine gerechtere Beurteilung des Judentums in den literarischen Kreisen Wenigstens durchdringen wird. Bis dahin nlier ist es unsere Aufgabe unsere Heiligtümer hoclizulialten und gegep jeden Angriff und gegen jede Verunglimpfung zu Verteidigen, damit wenigstens in unseren Kreisen der Glaube nicht erschüttert werde, (lass das Judentum der Menschheit die höchsten und erhabensten KultHrerrunjrensohaften gebracht hat.! Das vierte Gebot. Wollte Jemand ii einem ״noch ziemlich religiösen“ Kreise die Frage steifen: ,Wer kennt wohl das vierte Gebot־? so würde erj sicher als Antwort die Gegenfrage zu hören bekommen:!,Wer kennt denn wohl das vierte Gebot nicht“? Und Joch sind es nur wenige, die־ es genaii kennen, selbst gnter denen, die es noch äusserlich beobachten und zu den שביד' שבה sich zählen. Insbesondere ist es der zweite Vers dieses uns zur-,Sabbatruhe‘ und zur ,Sahbathheiligung“ verpflichtenden Gottesgebotes, der nicht ohne weiteres lUar und verständlich erscheint. Der Vers lautet: ששה ■ביב העבד ועשיה כל דראבהך ,sechs Tage diene und schaffe all dein Werk“. Während nämlieh an allen sonstigen Stellen der Thora, in denen die Welktagstätigkeit uns zur Pflicht gemacht ist*), dieses nur durch ei neu Ausdruck angedeutet, wird, sind es in den .ע״!־־־. ״:־־־ ausnahmsweise zwei verschiedene Aus- , drücke, die uns zur Tätigkeit •an den Werktagen eindringliehst mahnen. Dagegen ist das Werktätigkeits-Ve r b 0 V am Sabbath überall,, selbst in den zweimaligen ,Zehngeboten“ nur durch איסיד:•“אכה allein und nirgends auch noch durch איבוד עבודה untersagt, denn es heisst da nur: ויום השביעי שכה לד׳ אלקיך לא העיבה כי דלאבה. Nebenher ist es auch auffällig, dhss das ,Arbeiten“ oder ,Dienen“ am Werktage, ששה ידים חעבד, als Gebot gefasst wird. Wann soll denn dann das andere Gottesgebot והגיח בו יוכיב ולילה ,du sollst unaufhörlich im Gottesgesetze sinnen“ (Josua 1,8) zur Ausführung gelangen, oder sollten die ungezählten Tausende frommer Männer der früheren Zeit und vereinzeit wohl noch jetzt Lebender, die das letztere Gebot zur buchstäblichen Wahrheit machtet!, gegen das Grund- ׳gesetz der ע-לח הדברוה verstossen haben? Und sollte f in Wirklickeit Niemand Rentier sein dürfen, wenn seine Vermögensverhältnipse es ihm gestatten? Das ist kaum י denkbar.! j ' Sehen wir uns) indes im תנ״ך um, so finden wir, dass das Wort יבדה), fast überall (und ganz besonders!—י ר־ —־ *■ *). So z. 15. II: 1). M. Kap. 2, 35 ששר. •ביש יעשר. םי«ה; Kap. 35, 2 . rarz ששר •ביב תעשה und findere Stellen, wie: לכו גא רגבריש ועבת את ד׳ u. ä. m. 1