Das Morgenland
- Journal
- Das Morgenland
- Volume
- 6 (1843)
- Issue
- 12 (12.1843)
- Date
- 1843-12-01
- Page
- Seite 376 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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376 Stand der Dinge im Morgenlanke. einem Patriarchen, welcher in Konstantinopel seinen Sitz hat. Weil dieser Patriarch in vorigen Jahrhunderten den griechischen Kaiser neben sich hatte, so kam er nie zu der unumschränkten Gewalt, welche der römische Papst über die Bekenner seiner Kirche errungen hat. Hätte in Rom neben dem Papste ein Kaiser gesessen, wie in Konstantinopel »eben dem griechischen Patriarchen ein Kaiser thronte, so würde der römische Kirchenstuhl auch nie zu solcher Unumschränktheit sich aufgeschwungen haben. -Nach dem Uutergäi'gHö^iechischen KaiserthumS und der Eroberung Konstantinopels durch die Türken befand sich der Patriarch in einer noch viel abhängiger« Lage den gewalthabcnden Sultanen gegenüber. Der gedrückten und niedergetretenen anatolischen Kirche ging aber eine neue Sonne auf seit die zu ihr sich bekennenden Russen eine der ersten Machte der civilisirten Welt geworden sind. ZllS Konstantinopel in türkische Hände fiel triumphirte Rom; die Moscoviten waren damals ohne Bedeutung; der Halbmond leuchtete blutig; das anatolische Kreuz war zu Boden geworfen. Aber siehe, eben dieses Kreuz erhebt sich im dunkeln Norden und wird das Panier einer der Weltmächte, und heutigen Tageö zittert Konstantinopels Sultan vor dem moscovitischen Ezaar, der als russischer Kaiser zugleich Schutzherr der anatolischen Kirche ist, und in der neuesten Streitsache zwischen der russischen Regierung und dem päpstlichen Stuhl ist letzterer der gedemüthigte, der wehklagende, und ruft die römische Christenheit zu Gebeten auf gegen die siegende Uebermacht. So wechseln die Zeiten; Gott demüthigt die Stolzen; und auch eine gefallene und gezüchtigte Kirche kann, darum weil sie eine christliche ist, doch nicht untcrgehen, findet vielmehr nach der Unterdrückung anderswo und anderswie ihre Rechte wieder.