Das Morgenland
- Journal
- Das Morgenland
- Volume
- 6 (1843)
- Issue
- 12 (12.1843)
- Date
- 1843-12-01
- Page
- Seite 374 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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374 Neuere« au« Zerulalem Armenier — die zurückgesetzten Kopten zählen kaum — alle berühren sich hier in beständiger Fehde, ja die eine» verspotten gar die Andachtsübnngen der andern, was besonders, den Griechen gegen die Katholiken Schuld gegeben wird. Ueberhaupt haben sich die Griechen die entschiedenste Obergewalt in der heiligen Grabeskirche so wie in ganz Jerusalem zu verschaffen gewußt. Alle Inschriften der Kirche sind griechisch. Man zeigte mir Säulen deren schöner Marmor, deren schmucke Capitäle/die Griechen bis zur Unscheinlichkeit übertüncht hatte», um die lateinischen Inschriften durch griechische zu verdrängen. Die heiligste Zeit des Kirchenjahres, die Osterzeit, ist hier zugleich die entheiligtste. Oder was käme an empörendem Unfug dem griechischen Feste des heiligen FruerS gleich? Hätt' ich es nicht aus dem Munde der znverlä« ßigsten Männer, die wiederholt Augenzeugen waren, gehört, ich würde es nicht glaube» können, daß man sich nicht begnügt, aus diesem Fest fort und fort einen Act unzweideutiger Kunststücke zu machen, sondern dasselbe auch noch stempelt zu einer Art frecher Orgie (Schwelgerei). Und das alles inmitten der Kirche, in deren Räumen Leiden, Tod und Auferstehung des Heilandes nicht nur gefeiert werden, sondern, wie es die allgemeine Annahme will, sogar stattgefunden haben. Ohne Erröthen, und zwar so sehr aus Zorn als ans Scham, ließen sich Details hievon weder schreiben noch lesen. Was das Leben in den hiesigen Klöstern betrifft, ich Hab' es leicht — wenn auch natürlich nur in eigenthüm« licher Weise — bestätigt gefunden waS mir in Kairo mehr als ein Reisender versichert hatte. Will man den Glauben verlieren, so muß man sich längere Zeit in den Klöstern des heiligen Landes aufhalten. Eine Reform, meine ich, gibt eS hier nicht; eS gibt Wunden die nur das Meffer heilt.