Das Morgenland
- Journal
- Das Morgenland
- Volume
- 6 (1843)
- Issue
- 7 (7.1843)
- Date
- 1843-07-01
- Page
- Seite 220 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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9)0 Die Reform der Juden. drrgrlrgt worden und nun den Thalmud bilde. Durch diese Erfindung wurde für den Thalmud ein eben so heiliger Ursprung gewonnen alS für das Gesetz oder die mosaische Offenbarung selbst, und es ist ein rechtgläubi« ger Jude verpflichtet zu glauben, daß der gesammte Thalmud göttlichen Ursprungs, heilig, untrüglich und unabänderlich sei. Und gleichwie die römische Kirche sich erlaubt hat ihre Tradition und die Kirchensatzungen selbst über die Bibel zu stellen, so lehren auch die Rab« binen: »Wer sich beschäftigt mit der heiligen Schrift hat ein halbes Verdienst; wer sich beschäftigt mit der Mishnah hat Verdienst und Lohn dafür; wer sich beschäftigt mit der Gemara hat ein Verdienst dem kein anderes gleichkommt.« *) Und: »Wer an seinem Lehrer jweifelt, ist gleich als der zweifelt an der göttlichen Majestät; und wer glaubt an die Worte der Weisen, ist gleich als der glaubt an die göttliche Majestät.» **) Darum sagt auch ein bekannter rabbinischer Spruch: »Die heilige Schrift ist vergleichbar dem Wasser, die Mishnah dem Wein» der Thalmud selbst aber dem Würzwein.» , Dieser Thalmud gestaltete und erhob sich zu seinem Ansehen in jener Zeit, die wir als den Anfang des Mit, telalters zu bezeichnen pflegen. Das Judenthum kleidete sich in diesen, zugleich drückenden und schützenden Har, «isch in der Zeit, da es hart und schlimm zuging im Reiche Gottes auf Erden. Der Islam (Muhammeda, uismuS) war aufgekommen; er gab vor, die Religion Abrahams Herstellen zu wollen, läugnete aber die Le« bensgrnndlagen der israelitischen wie der christlichen Re, *) Baba meiia, fol. 35, t **) Chaskuni, fol. 04. 0