Das Morgenland
- Journal
- Das Morgenland
- Volume
- 6 (1843)
- Issue
- 7 (7.1843)
- Date
- 1843-07-01
- Page
- Seite 218 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/4872516-5427218-5427354--2293-4874731- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
218 Die {Reform der Juden. verschaffen durch Scharfsinn und Gelehrsamkeit in Dingen, in denen ihnen nicht Jeder folgen konnte. Endlich liegt wohl auch eine unschuldige Ursache der Dunkelheit des Thalmud-Styls in dem einfachen Umstande, daß die ver, schiedenen Theile desselben nie sind geschrieben worden für ein größeres Publicum oder zur verständlichen Be» lehrung der Laien. Es sind Roten, Bemerkungen, An, deutungen, wie man sie zu allen Zeiten kurz und un» vollständig niederschreibt um etwas nicht zu vergessen. Auch der kürzeste Ausdruck genügt, um uns das schon einmal Gedachte oder Gewußte im Gedächtnisse zu er, neuern, und bei der Mittheilung an Andere muß münd« liche Erläuterung das schriftlich nur Angedeutete ver« vollständigen und verständlich machen. So ist es mit dem Thalmud, und aus allen den angeführten Gründen ist es eine so schwierige und dornichte Aufgabe, ihn zu studieren. Gleichwie einer, wenn er auch der lateini, schen Sprache kundig ist, dennoch das Recept eines Arztes nicht versteht, so genügt auch die blos sprachliche Kenntniß des Hebräischen und Chaldäischen nicht, um den Thalmud zu verstehen. Dazu kommt noch die große Masse dieses Werkes. Wer wird sich durch zwölf Folio- Bände solchen Inhalts hindurch arbeiten? Es gibt viele, seit Jahren im Amt stehende Rabbinen, welche sich nicht rühmen können, den ganzen Thalmnd durchstudiert zu haben. Gewisse einzelne Stücke daraus muß freilich jeder von ihnen so gut als auswendig wissen. Obschon nun aber die Gemara sich auf die Mishnah stützt und die Mishnah an die Thorah (Gesetz, fünf Bücher Mose) sich anlehnt, so würde man doch sehr irren, wenn man glaubte, der Hauptinhalt des Thal, mud sei BibelauSlegung (Eregcse), oder er enthalte eine, der Schrift entnommene Glaubenslehre (Dogmatik). Der