Das Morgenland
- Journal
- Das Morgenland
- Volume
- 6 (1843)
- Issue
- 6 (6.1843)
- Date
- 1843-06-01
- Page
- Seite 176 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/4872516-5427218-5427352--2250-4874689- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
176 D*r Prophet Haggai. auch und zuerst daraus zu nehmen hatte, was er ge» rade bedurfte und für ihn darein gelegt war. Und wahrlich dieser Fürst mit. seinem kleinen Völkchen in der Mitte so vieler feindselig gesinnter Nachbarn und als dienstpflichtiger Vasall des allgewaltigen Perserkönigs bedurfte, um festen Glauben zu bewahren und Stand zu halten, der Versicherung, daß der Gott Israels zwar Länder und Völker sich bekämpfe», stürzen und umwälzen lasse, daß er aber einen Führer seines Volkes schütze und werthhalte, wie einen Siegelring, der zwar ein kleines Geräthe ist und von wenig Gewalt, aber von großem Werthe und in seiner Wirkung von der höchsten Bedeutung. Aus dem hier dargelegten Inhalt des Propheten Haggai geht schon hervor, daß wir in seinem kleinen, nur zwei Capitel enthaltenden Buche keine Stellen erwarten dürfen, welche von allgemeincrm Interesse sind, indem sie sich auf das Ganze des Reiches GotteS beziehen. Haggai beschäftigt sich ausschließlich mit den speciellen Angelegenheiten, welche damals Vorlagen und der Schlichtung durch ein prophetisches Wort bedurften. Dazu kommt, daß er nach seiner persönlichen Art, vielleicht auch nach dem vorhandenen Bedürfniß, es liebt, sich so kurz und so deutlich als möglich auszudrücken. Er nimmt daher auch nie einen besonder» Aufschwung und erhebt sich nicht in geistige Gebiete, wohin ihm seine Zuhörer vielleicht nicht hätten folgen können. Selbst die Aussicht in die bessere Zukunft Israels, in die meffianische Zeit, tritt bei ihm nicht bestimmt hervor und kann nur in leisen Anklängen gefunden werden. Man hat dahin bezogen die Stelle Eap. 2 V. 7—10.