Das Morgenland
- Journal
- Das Morgenland
- Volume
- 6 (1843)
- Issue
- 3 (3.1843)
- Date
- 1843-03-01
- Page
- Seite 91 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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Geich,chle Zeruialem« »I wie sollte man herausfinden, welches von den dreien das wahre Kreuz Christi war? Dem Patriarchen MacariuS, der zugegen war, fiel ein sicheres Mittel ein. Eike vornehme Frau von Jerusalem lag an einem unheilbaren Uebel krank. Die Kreuze wurden ihr nach einander dargereicht. Die beiden erster» brachten keine Wirkung hervor; allein bei der bloßen Anrührung deS dritten öffnete sic die Augen, bekam ihre Kräfte wieder, und sprang vollkommen gesund vom Bette auf. So erzählen die Berichte ans einer Zeit, die bedeutend später ist alö daS angebliche Ereigniß selbst, aber doch noch früh genug, um in das "graue christliche Alterthum" zu fallen. WaS sagen unsere blinden Verehrer der »ernsten, alten Christen» zeit» zu diesen handgreiflichen Lügen, zu diesen niedrigen Kunstmitteln frommen Betrugs? Mag unsere Zeit in vieler Beziehung hinter der ältern Vergangenheit zurückstehn, das ist denn doch wahr, daß in unfern Jahrhunderten keine Kirchenbehörden ihre erlogenen Erfindungen für Gottes Offenbarung ausgeben und Tausende anbeten lassen vor dem Betrüge, den sie selber geschmiedet. In Folge dieser Entdeckung — so berichten die älter» Kirchenschriftsteller — ließ Helena eine prächtige Kirche über der Stelle erbauen, wo die Kreuze gefunden worden waren. Die nämlichen Schriftsteller erzählen auch von der Errichtung der beiden Kirchen zu Bethlehem und auf dem Oelberge durch dieselbe. Immerhin ist es möglich, daß Helena an der Rachsuchnng und Entdeckung des heiligen Grabes einigen Antheil gehabt, und daß ihr Sohn durch ihre Vorstellungen bewogen wurde, eine Kirche zu errichten, die denn auch auf diese Weise ihr kann zugcschricbc» werden. Der oben erwähnte Brief deS Kaisers an Macariuö scheint fast auf einer solchen Voraussetzung zu beruhen.