Das Morgenland
- Journal
- Das Morgenland
- Volume
- 5 (1842)
- Issue
- 8 (8.1842)
- Date
- 1842-08-01
- Page
- Seite 244 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/4872516-5427214-5427332--1918-4874369- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
244 Oie Reftveiantl. bleiben, da die leiseste Spur von Unentschlossenheit oder Flucht die Feinde zum Angriff reizen würde. Aber eine Anhöhe zur Linken lockte zu sehr, ein Theil der Unfern lenkte dorthin ab, und die ganze Schaar verließ die Straße um ihnen zu folgen. Ich sah den verhängniß« vollen Mangel eines Anführers und nahm zum erstenmale den Ton und die Miene des Befehlshabers an. Um sie von ihrem unsinnigen Vorhaben abzubringen zeigte ich eine andere Anhöhe an unserm Wege, die wir, falls wir verfolgt würden, besetzen könnten. Dieß wirkte; sie gehorchten augenblicklich meinem Befehle und folgten mir auf der Straße, die sie eben verlassen hatten. Die Kurden , da sie uns in fester Haltung weiter ziehen sahen und ihnen vermuthlich der entschlossene Empfang, der ihrem Kundschafter zu Theil geworden, auch nicht einladend schien, begnügten sich, uns einige Minuten zu beobach, ten und machten dann ganze Wendung in einer andern Richtung. Wir waren aber nicht sicher, ob sie wirklich abgezogen seien; eine halbe Stunde vor uns lag ein kleiner Fluß. Viclleich^war der Rückzug der Kurden eine Kriegs, list, um mit mehr Vortheil uns anzufallen, während wir über daö tiefe und reißende Wasser setzten. Wir eilten so sehr wie möglich und kamen ohne Unfall hinüber. Wir brauchten zu dem Uebergang über den Strom beinahe eine Stunde, und als erst die Hälfte übergesetzt war, erblickten wir einige Reiter auf einer Anhöhe hinter uns. ES zeigte sich aber bald, daß sie zu einer andern kleinen Karavane von Bitlis gehörten. Dieselbe schloß sich an uns an; wir lagerten die Nacht beieinander und reisten einen Theil des folgenden Tags zusam, men, unS gegenseitig Schutz gewährend. Der Auftritt, den ich erlebt, war in hohem Grade erschütternd gewesen, und ich wünsche von Herzen, daß mir dergleichen