Das Morgenland
- Journal
- Das Morgenland
- Volume
- 5 (1842)
- Issue
- 7 (7.1842)
- Date
- 1842-07-01
- Page
- Seite 219 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/4872516-5427214-5427330--1892-4874344- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Da» Reisen in der Wüste. 219 rer nicht gewohnt ist, gut sein mag, wenn man, wie bei unS am ersten Tage der Fall war, mit fast nüchternem, wenig gefülltem Magen reiöt. Bei so bewandten Umständen läßt es sich wohl begreifen, daß der erste Tag einer solchen Wüsten-Reise nur ein Tag der Einübung und leiblichen Studien der neuen Reitart sein kann; mir, der ich auf einem kräftigen, jungen Kameelhengst den Zug anführte, wurde der Anfang so schwer, daß ich mehrmalen, so ungern ich auch zu Verzögerung der Reise Veranlassung gab, absteigen und zu Fuße gehen oder ein und daS andere Mal von dem gütigen Anerbieten deö Herrn Baumgärtner, auf seinem Esel zn reiten, Gebrauch machen mußte. Daher lernte ich im Verlaufe der ersten Stunden mehr nur die Leiden als die Freuden einer Wüsten-Reife kennen, und damit ich gegen die letztern, welche nach wenig Tagen das Uebenviegende wurden, nicht undankbar erscheinen möge, enthalte ich mich hier der Beschreibung meiner vorherrschenden Stimmung. Wir machten am ersten Tage einen Weg von nicht viel mehr als sechs Stunden, ujft einem Reisegefährten, der mit unS nach Suez ging und an diese Art zu reisen schon gewohnt war, kam der Tagemarsch gar zn kurz vor; unS Neulingen aber im Kameelreiten war es ganz recht und angenehm, daß daS schwere Erercitium ein Ende nahm. Jetzt, wo daö ganze umliegende Land, so weit daS Auge reichte, uns zum Schlafkämmerlein angewiesen war, hatten wir auch Gelegenheit unser Lager recht bequem zu ordnen, wie es von nun an während der ganzen Wüsten-Reise so blieb. Links vom Eingang wurde der "Kafaß» oder die Kiste auS-Palmenstäben mit den Vorrächen hingestellt und daneben schlief unser arabischer Knecht; wer unter dem Obdach des ZeltS wohnen wollte,