Das Morgenland
- Journal
- Das Morgenland
- Volume
- 5 (1842)
- Issue
- 7 (7.1842)
- Date
- 1842-07-01
- Page
- Seite 216 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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216 Züge au« dem Orient. Besitzer des Thicres, der bei diesem sich gelagert hatte, erkannte sogleich den Vorbeigchenden, sprang ans und umarmte ihn mit lautem Jubel und führte ihn gegen die Lagerstätte hin, die, weil sie ziemlich fern zur Seite ablag, der zur Ohnmacht Ermüdete schwerlich würde gefunden haben. Da sie ein Stück Weges gegangen waren, kam der Andere mit dem Dromedar, dieser stieg sogleich ab und ließ Dr. Roth aufsitzcn. Vor allem mußte man jetzt an leibliche Erquickung des Freundes durch Nahrung und Schlaf denken. Auch im Schlummer verfolgten ihn noch die Schrqcke», die er während der dreißig Stunden seiner Jrrsale erduldet hatte; er rief öfter »o mein Gott, o mein Gott» — und vcr, rieth hiedurch, daß auch er auf seinem Wege durch die Einöde sich deS^Pilgerstabes bedient habe. Da er am andern Tage zum länger» Sprechen wieder aufgelegt war, erzählte er uns, daß er in der ersten Nacht und am darauf folgenden Morgen theils die sandige Ebene, dann aber mehrere Thäler des östlichen Gebirges durchwandclt habe. Er hatte oft geschossen, und seine Stimme zum Rufen erhoben; das Ohr wähnte zuweilen ganz in der Nähe und wie hinter dem Rücken redende Menschenstimmen zu vernehmen, wenn er aber rief und dem tröstlichen Tone nachging, da war wieder Alles still und stumm. Am Vormittag war er durch ein breites Thal gekommen, wahrscheinlich durch dasselbe, das von unserer Lagerstätte ostwärts nach dem rothcn Meere führt. Hier fand er den Boden vielfach mit grünem Gesträuch und kreuzblüthigcn Pflanzen bewachsen, deren aber keine, wie unsere Brnnnenkresse oder das Löffelkraut, dem dürstenden Munde Erquickung bot, sondern welche alle von ekelhaftem Geschmacke waren. An vielen Orten erkannte er die Spuren der Gazellen, welche hier noch vor kur-