Das Morgenland
- Journal
- Das Morgenland
- Volume
- 4 (1841)
- Issue
- 12 (12.1841)
- Date
- 1841-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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©« Berg Sinai. 36S rrfte ihrer Vorgänger, ihrer Brüder, ihrer täglichen Ge» führten hinzusehen, die jetzt alle hier in ihrer letzten Trauergestalt sich befinden; mit denen sich ihre eigenen Gebeine bald ebenso einzeln vermischen, und vielleicht ebenso wie diese von Fremden aus fernen -ändern beschaut werden. Ich kenne keinen Ort, wo die Lebendigen und die Tod» ten in nähere Berührung mit einander kämen, oder wo die furchtbare Mahnung, sich auf den Tod vorzuberei» ten, mit größerer Gewalt anS Herz dränge. Dennoch schienen die Mönche daS Ganze als etwas Alltägliches anzusehen, das aus langer Gewohnheit ihnen gleichgültig geworden ist. ES war wohl etwas Stilles, aber nichts Feierliches in ihrem Wesen. Den Nachmittag über ließ man uns ungestört, um unfern eigenen Gedanken nachzuhängen und unfern Gottesdienst für uns. zu üben. Wir waren hier mitten in einer der ältesten Klosterverbindungen auf Erden, wo jedoch alles was wir sahen »nd hörten, uns nur die traurige Wahrheit zu bestätigen schien, daß bei der menschlichen Schwachheit selbst die heiligsten und den Geist am meisten anregenden Umgebungen durch die Gewohnheit bald ihre Kraft, die Seele zu erheben und zu beruhigen, verlieren. Der Prior kam am Abend wieder zu uns, als wir eben beim Thee waren, und nahm eine Tasse, die wir ihm anboten, unter der Bedingung an, daß er sie ohne Milch trinken könne, weil es gerade Fastenzeit war, wo der Genuß alles dessen, was von Thieren kommt, anfS strengste vermieden wird. Ein Theelöffel, der in Milch getaucht worden war, wurde zum Abwaschen hinausgeschickt, damit er ihn gebrauchen könne; aber um ganz sicher zu sein, zog er auch dann noch vor, seinen Thee mit dem Löffelstiele umzurühren.