Das Morgenland
- Journal
- Das Morgenland
- Volume
- 4 (1841)
- Issue
- 12 (12.1841)
- Date
- 1841-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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364 Der Berg Sinai. reich an Inkunabeln *), enthält aber wenig neuere Bücher , ausgenommen einige Eremplare der heiligen Schrift von der englischen Bibelgesellschaft, die ein Missionar geschenkt hat. Die ganze Bibliothek, etwa 1500 Bände stark, wird völlig vernachlässigt. Sichtlich ungern führte uns der Prior zu der Grabstätte oder vielmehr dem Beinhause des Klosters, das beinahe in der Mitte des Gartens liegt. Wir schlossen auS seinen Reden, daß Reisende, die es besuchten, zuweilen durch ihre Bemerkungen das Gefühl der Mönche verletzt, oder einen Widerwillen und Schauder bei dem graulichen Anblick geäußert haben. Das Gebäude ist halb unterirdisch und besteht aus zwei Gemächern oder Gewölben; das eine enthält die Gebeine der Priester, das andere die der Laienbrüder. Die Leichname werden zuerst zwei oder drei Jahre lang in einem andern Gewölbe auf einen eisernen Rost gelegt, dann die Gen'ppe auseinander genommen und in diese Gemächer gebracht. Hier werden die Knochen in regelmäßige Reihen aiifgehäuft, die Arme in einer, die Beine in einer zweiten, die Rippen in einer dritten u. s. w. Die Knochen der Priester und der Laien werden von einander abgesondert in den verschiedenen Gewölben ausgeschichtet, mit Ausnahme der Schädel, die ohne Unterschied hingeworfen werden. Dieß ist im eigentlichsten Sinne ein Haus des Todes, wo er mm schon seit Jahrhunderten seinen Thron aufgeschlagen und mit jedem Jahre neue Opfer empfangen hat, bis die Gemächer beinahe angesüllt sind mit dieser Versammlung der Tobten. Man sollte denken, daß die Mönche nur mit den feierlichsten Empfindungen diesen Ort betreten könnten, auf diese sterblichen Ueber, *) Werte au» der ersten Zeit der Erfindung der Buchdruckerkunst.