Das Morgenland
- Journal
- Das Morgenland
- Volume
- 4 (1841)
- Issue
- 11 (11.1841)
- Date
- 1841-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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846 Der Berg Sinai. und ein kleines Lager von schwarzen Zelten zeigte sich uns zur Rechten, mit weidenden Kameelen, Ziegen und einigen Eseln, die zum Kloster gehörten. Die Gegend, die wir jetzt durchwandert hatten, en'nnerte mich sehr stark an die Berge um das Eismeer in der Schweiz. *) Ich hatte nie einen wildern und öder« Fleck gesehen. Beim Fortschreitrn erweiterte sich das Thal immer mehr, stieg allmälig und war voll von Gesträuch und Kräuterbüscheln, auf beiden Seiten von hohen Granit» gebirgen mit wilden zersplitterten Spitzen, tausend Fuß hoch, eingeschlossen, während die breite Felswand des Horeb sich gerade vor uns erhob. Sowohl mein Gefährte als ich brachen unwillkürlich in die Wotte aus: --Hier ist Play genug für ein großes Lager!-- Sobald wir oben auf der Höhe oder der Wasserscheide waren, lag eine schöne, breite Ebene vor uns, die sich allmälig nach Südsüdost abdachte, und von rauhen, ehrwürdigen Bergen von dunkelm Granit eingeschlossen war; wilde, nackte, gespaltene Spitzen und Kämme von unbeschreiblicher Erhabenheit. Etwa eine halbe Stunde weit nach hinten schloß die kühne, hehre Wand des Horeb, die senkrecht in drohender Majestät sich zu einer Höhe von 1200 bis 1500 Fuß erhebt, das Ganze. Es war eine herrlich erhabene Umgebung, ganz unerwartet und wie wir ähnliches nie vorher gesehen; die Gedanken, die in dem Augenblick sich in unsre Seele drängten, waren fast über« wälttgend. So wie wir weiter gingen, stellten sich neue, interessante Punkte unfern Blicken dar. Zur Linken des Sinai zieht sich ein tiefes, enges Thal Südsüdost zwischen hohen Felsenmauem fort, als ob es die Fortsetzung des südöstlichen Winkels der Ebene wäre. *) Der Verfasser meint vermuthlich dal sogenannt« Eismeer im Ehamvuny-Thale, da« aber schon in Savoyen liegt.