Das Morgenland
- Journal
- Das Morgenland
- Volume
- 4 (1841)
- Issue
- 7 (7.1841)
- Date
- 1841-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/4872516-5427212-5427306--1488-4873954- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
I Stand der Dinge im Morgenlande. ren. Es laufen also alle Faden in der Person des Sul- »ans zusammen und fällt dieser, so löst sich alles ans. Zum Gipfel des Mißgeschicks ist aber der regierende Sultan Abdul «Medschid —, der dreißigste Nachkomme Osmans, des Stifters der türkischen Macht — der letzte und einzige Dprößling dieses Hanfes, und nach seinem Tode ist kein rechtmäßiger Erbe mehr vorhanden. *) Im Sommer 1839 schrieb der öfter angeführte Reisende, Hr. v. M., über seine Audienz bei Abdul-Medschid: »Wir trafen den Sultan in denselben Sälen, in welchen sein Vater uns vor zwei Jahren so gnädig und freundlich empfangen, und der Anblick des jungen Monarchen erinnerte mich lebhaft an den Hingeschiedenen. Abdul-Medschid ist ein junger Mann von gutem Aussehen; obwohl er erst 17 Jahre alt sein kann, ziert doch ein stattlicher schwarzer Bart das feine, etwas blaffe Antlitz. Der Grofiherr scheint weniger von kränklicher als zarter Evnstitution zu sein; er trägt ganz die Tracht seines Vaters, den rothen Feß (griechische runde Mütze) mit Brillant-Agraffe, und den weiten dunkelblauen Mantel; aber er erschien mir schweigsamer und ernster als Sultan Mahmud. Er hat wohl Ursache ernst zu sein». Seit den inzwischen verflossenen zwei Jahren hat sich aber die Eonstitution des jungen Sultans nicht befestigt, sondern man vernahm immer bestimmter, daß seine Gesundheit erschüttert sei und zur Neige gehe. Eine neuere Korrespondenz sagt in dieser Beziehung: »Die Gesund- *) Sr bat jmar noch einen jüngern Brüter. Dieser soll aber ebenfall« kränklich sein; und wäre er auch kerngesund, so steht er noch im Knabenalter, und eine Regentschaft in seinem Namen einiurichten bi« ,u seiner Volljährigkeit, würte unter den jetzigen Umständen in der Türkei da« mißlichste Ding von ter Welt sein.