Das Morgenland
- Journal
- Das Morgenland
- Volume
- 4 (1841)
- Issue
- 5 (5.1841)
- Date
- 1841-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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132 Ofr Prophet f)pfw. gewährte dieser ihr, wenn auch todter Glaube, doch Anknüpsungspuncte genug, um ihnen zu zeigen, daß sie nur den Namen und Schein haben zu leben, aber todt seien. Indem sie aber in eingebildeter Weisheit und geistiger Selbstständigkeit ein eigenes, gemengtes Religionssystem sich geschaffen hatten, zusammengesetzt aus Brstandtheilen der alten Religion der Väter und deS phöm'cischeu Baaldienstes, wozu noch Bruchstücke uralten Aberglaubens kamen, wie der Rinderdienst (Verehrung deS goldenen KalbeS in Dan und Bethel), betrachteten sie sich alS die Fortgeschrittenen und Weisen, die nicht nöthig hätten, zum alten Glauben zurückzukeh, ren, und am wenigsten im Fall seien, das Wort eines lebenden Propheten anzuhören, der in ihren Augen höchstens ein wohlmeinender Schwärmer war. Daß neben politischen und religiösen Zuständen solcher Art, auch in sittlicher Beziehung ein tiefer Verfall sich kund gab, wird Niemand wundern. Der Wohlstand und die Macht, welche das Reich Ephraim nach dem Untergange der Ahab'schen Dynastie unter dem Hanse Jehu wieder erreicht, hatte nur dazu gedient, den Lastern, die gewöhnlich im Gefolge guter Zeiten sich ein« stellen, eine breite Bahn zu machen. Die selbstgemachte Art von Religio», die man hatte, konnte dagegen nichts auörichteu, denn wenn ein Volk sich seine Religion selber zurechtmacht, so wird es gewiß niemals dieselbe so machen, daß seinen LieblingSsündcn die Art an die Wurzel gelegt wird. Dieses geschieht nur durch die Offenbarung GotteS und uiiter der Zucht seines Geistes. Aber über diese glaubten die Ephraimiten sich erhaben, und die letzte Maßregel des treuen GotteS, die Sendung deS Propheten Hosea, blieb von ihnen unbeachtet. So wurde der Untergang des Volkes unvermeidlich.