Das Morgenland
- Journal
- Das Morgenland
- Volume
- 4 (1841)
- Issue
- 1 (1.1841)
- Date
- 1841-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
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Di« Gchriftgetehrten. ft Gesetze abzufaffen, um nicht dadurch dem Bibelworte Eintrag zu thun. Wie gegründet diese Besorgniß war, hat sich nachher gezeigt. Denn alS man in den ersten Jahrhunderten nach Christus, bei der Zerstreuung des Volkes, anfing die Ueberlieferungen der Väter nachzu« schreiben, so entstand daraus der Talmud, der sich selbst über die Bibel setzte und bis heute die Scheidewand bildet, welche dem Volke Israel den freien Gebrauch des göttlichen Wottes wehrt. Uebrigens war aber auch wenig oder nichts Selbstständiges in dem Lehrsystem der Schriftgelehrten. Sie waren nur Träger der überlieferten alten jüdischen Lehre und Bibelauslegung, und wollten nichtanderes sein. Der Zustand ihres Verfalls in der neutestamentlichen Zeit kann nicht Messer geschildett werden, als in der Rede Jesu (Matto. 23.) geschehen ist. Zuerst gewährt ihnen Jesus alle tit Anerkennung, auf die sie als Träger der israelitischen Glaubenslehre Anspruch machen konnten, in den Worten: »Auf Mose'S Stuhl sitzen die Schn'ftgelehrten «ind Pharisäer. Alles nun, was sie euch sagen, datz/ihr halten sollet, das haltet und thut». Aber abgesehen von ihrer Lehre und im Blicke auf ihren Wandel und ihre persönliche Gesinnung. spricht der HErr über sie und die Pharisäer den bittersten Tadel aus, und rügt ihre Herrschsucht, ihre Geldgier, ihr nur aufS Aeußere gerichtetes Ceremonienwesen, wobei sie — so gut als ihre Väter — bis zum Morde der Propheten fortschreiten können und an dem Leben des Heiligsten sich vergreifen werden, und entwirft von ihnen jenes schauerliche Gemälde, welches der Leser im 23sten Capttel deS Matthäus selber Nachsehen mag. Nach der Zerstörung Jerusalems wird der Name der Schriftgelehrten nicht weiter gehött, und es tttten an ihrer Stelle die »Rabbinen» auf. Nicht als ob ihr Be-