Das Morgenland
- Journal
- Das Morgenland
- Volume
- 2 (1839)
- Issue
- 11 (11.1839)
- Date
- 1839-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 28)
- Language
- German
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848 Di« griechisch« Kirche. kennt und will den heiligen Geist nur außer Christo, gleichsam wie er die Schöpfung durchweht. Ist'- daher zu verwundern, daß das Leben aus Christo, durch diesen seinen Geist im Menschenherzen gewirkt, ihnen fremd bleibt, und daß Christus ihnen das nicht ist, was er dem Gläubigen sein will? Die Menschheit Christi wird zu sehr von ihnen bei Seite gesetzt, darum ist auch sein Werk als Mensch und in der Menschennatur ihnen so fremde, so wirkungslos. Ihre Gebete und Liturgien, deren sie besonders drei von Ehrysostomus, Basilius und Gregor von Ryssa gebrauchen, enthalten häufige Doro« logien (Lobpreisungen) der heil. Dreieinigkeit; fast jedes Gebet schließt damit. Aber von Christo dem einigen Mittler, durch welchen allein wir Zutritt zu Gott haben, womit wir fast jedes Gebet beginnen und beschließen, ist wenig die Rede. Die Erkenntniß seines Erlösungs- und Versöhnungswerks geht der griechischen Kirche fast ganz» lich ab, und sie scheint das Bedürfniß darnach nicht zu kennen. Oft scheint mir als ob die griechische Kirche eine starke Beigabe, deS sinnlichen, die Natur vergötternden Elementes, das im alten Glauben der Griechen vorwal» tete, noch jetzt in sich ttüge, womit freilich das Geheim» nißvolle (mystische), das im Gottmenschen, dem Kreuze u. s. w. liegt, sich nicht verttagen kann. Das Kreuz ist eben den Griechen eine Thorheit geblieben. Wie jedes andere christliche Volk daS Christenthum nach seinem ei« genen Charakter und nach seiner Rationalität gebildet, und auS demselben hervorgehoben und bewahrt hat, waS seinem Wesen und Charakter am meisten paßte (so daß man den Charakter einer Natton auS ihrer Kirchenge» schichte und Kirche am besten erkennen mag), so haben die Griechen auch gethan.