Das Morgenland
- Journal
- Das Morgenland
- Volume
- 2 (1839)
- Issue
- 9 (9.1839)
- Date
- 1839-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Schreiben au« Griechenland. »79 denen fast jedes HauS versehen ist. Die Frauen vom geringer» Stande sitzen an ihren HauSthüren auf der Erde, da sie keine Stühle haben und im Haufe selbst auf irgend einer Kiste sitzen. Sehr oft sah ich solche Frauen auf der Straße zusammenkommen, dort geradenwegs — selbst Sonntags in ihrer bessern Kleidung — sich auf den Erdboden setzen und ihre kleinen Kinder an die Brust nehmen. Dieses schmutzige, schlappige, unschamhafte Wesen muß auf einen Franken einen ungünstigen Eindruck machen, der noch durch ihre Kopfbedeckung vermehrt wird. Diese besteht in einer Art von niedrrm Turban (Kopfbund), der ihnen auf einer Seite des Kopfs über einem Ohr sitzt. Ihre übn'ge Kleidung ist der europäischen ähnlich und wird es täglich mehr; doch tragen die Franc» noch häufig, besonders die Aermern, eine Art von Mantel oder Oberrock, der wenig mehr als den Rücken bedeckt und vorn nicht zugeht; zwei Löcher sind angebracht «im die Arme durchzustecken. Wo möglich ist dieß Alles verziert, aber gewöhnlich schmutzig. Sie, wie die Männer, behalten Tag und Nacht ihre Kleider an, so daß dieselben, wie ihre eigene Person, sehr unreinlich sind und voller Ungeziefer. Im Allgemeinen scheinen sie mir ziemlich ungeistig in jedem Sinne deü Worts. Doch ist dieß, glaube ich, Folge deS Mangels an Erziehung und an Gelegenheit der Bildung. Es ist vorauSzusehen, daß jetzt auch das weibliche Geschlecht in Griechenland einer neuen Stufe der Entwicklung ent, gegen geht, und die Griechinnen bald mit ihren westlichen Schwestern in jeder Hinsicht wetteifern werden. Bei den reichern Frauen ist nur die europäische Tracht gebräuchlich, und zugleich sucht man eifrig die französische Bildung sich anzueignen. Die Männer thun dieses eben sowohl als die Frauen. Ueberhaupt trifft der grie-