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Das Morgenland · 1838-10-01 · 7/8 (10.1838) · p. Seite 201

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Journal
Das Morgenland
Volume
1 (1838)
Issue
7/8 (10.1838)
Date
1838-10-01
Page
Seite 201 (sequence 9)
Language
German
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201 solche Ansicht ist schon genügend widerlegt durch dasjenige, was wir weiter oben bereits den beiden andern AUffaffungsweisen entgegengehalten haben. IV. Wir haben in dem bisherigen drei Ansichten namhaft gemacht, wovon wir die erste die typische oder vorbildliche, und die zweite die politische nennen könnten, während die dritte glaubte, das ganze mosaische Gesetz habe einen ausschließlich asketischen Zweck der Uebung des Gehorsams. Eine vierte, die wir noch anführen wollen, wäre die sinnbildliche. Hier müssen wir aber den Unterschied auseinandersetzen zwischen Sinnbild (Symbol) und Vorbild (Typus) and genauer bestimmen, was unter dem einen und dem andern verstanden wird. Das Sinnbild, sei es nun ein Zeichen, eine Gestalt oder eine Handlung, ist immer et, was Sichtbares, in die Sinne fallendes, das aber nicht um sein selbst willen dasteht, sondern auf etwas Anderes, nicht sichtbar Vorhandenes, Uebersinnliches hinwcist. So ist z. B. das Zeichen des Kreuzes an und für sich, oder für den Wilden, eine nichtsbesagende Figur, im Christenthum aber hat sie eine symbolische oder sinnbildliche Bedeutung, indem sie uns an den HCrrn und sein Leiden erinnert. Gewöhnlich wird das Sinnbildliche angewendet um religiöse Ideen zu versinnlichen, indeß finden wir auch sonst das Sinnbild gebraucht, und so sind z. B. ineinandergeschlungene Hände ein bekanntes Symbol für Bund und Vereinigung. Es unterscheidet sich das Sinnbild vom Worte, indem daS letztere als unmittelbare Bezeichnung des Gegenstandes zum Verstände spricht, crsteres hingegen als mittelbares Zeichen sich an unsere Anschauung wendet. Unsere Zeit liebt daS Wort und den Begriff, dessen Träger es ist; die alte Zeit liebte das Sinnbild und die Mittheilung durch Anschauung.

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