Das Morgenland
- Journal
- Das Morgenland
- Volume
- 1 (1838)
- Issue
- 7/8 (10.1838)
- Date
- 1838-10-01
- Page
- Seite 199 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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199 bildung deS Volkes zu immer lebendigerer Srkeuntniß und Verehrung Gottes wäre durch ein todtcs Schaugepränge nicht nur nicht erreicht, sondern geradezu verhindert worden. Sodann ist eS leider allerdings wahr, daß in gesunkenen Kirchen sich der CultuS bisweilen so auslrbt, und die Priester andererseits ihn so künstlich zieren, daß er zuletzt in der That mehr auf den Eindruck der Sinne auögeht, als auf Verehrung Gottes im Geist und in der Wahrheit. Aber wer möchte glauben, daß Gott absichtlich die Einrichtung getroffen habe, durch Mose einen Gottesdienst aitfstellen zu lassen, der nicht den Zweck hatte, eine wesentliche Vermittlung zu bewirken zwischen dem HErrn und seinem Volke, sondern der von Anfang an nichts habe sein sollen als ein todtes Scheinwerk? Endlich, wenn diese Ansicht richtig wäre, wie könnten die Frommen im alten Bunde so oft aufgefordert sein »Tag und Nacht» im Gesetze, von dem die Cultus-Bestimmun« gen einen Hauptbestandtheil allsmachen, zu forschen, wie könnten sie so oft und so laut bezeugen, daß ihnen dieses Gesetz eine Fülle von Gnade und Wahrheit enthalte? wie könnte vollends im neuen Testamente der Apostel Paulus bezeugen, das Gesetz sei »der Schatten gewesen von dem, was zukünftig war» (Col. 2, 17.), und »ein Zucht« Meister (Erzieher) auf Christus» (Gal. 3, 24.)? IH. Eine dritte Ansicht über die mosaischen gottesdienstlichen Gesetze scheint recht eigentlich aus der menschlichen Bequemlichkeit hervorgegangen, welche statt des Bekenntnisses: »ich verstehe es nicht», oder statt der Mühe deS Unterfuchens, lieber zu der Behauptung ihre Zuflucht nimmt: »ES ist nichts vorhanden«. Wir könnten vielleicht mit Recht diese Ansicht stillschweigend übergehen, aber da sie an der menschlichen Oberflächlichkeit einen mächtigen und gcwandten Fürsprecher hat, so mag eS