Das Morgenland
- Journal
- Das Morgenland
- Volume
- 1 (1838)
- Issue
- 7/8 (10.1838)
- Date
- 1838-10-01
- Page
- Seite 198 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/4872516-5427189-5427228--0242-4872733- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
198 beweisen, die dagegen Zweifel äußern; wir reden als zu ihren »Freunden« und hoffen ihnen zu mehren« Ver, ständniß derselben einige Handreichung thun zu können, überzeugt, daß selbst der Zweifler am ehesten zu Anerkennung der Wahrheit kommt, wenn er auf gründliche Weise und mit festem, klarem Bewußtsein eine Sache behandelt sieht, von tp man ihm bisher sagte, cs lasse sich nichts Vernünftiges aufhringen zu ihren Gunsten, während der Versuch eines Beweises in ihm sofort den Versuch eines Gegenbeweises hervorruft, und das um so eher, je mehr die göttlichen Dinge ihrer Natur nach, nicht handgreifliche Beweise zulassen, wie die irdischen. *) Wenn dagegen Andere der Ansicht beigepflichtet haben, der mosaische Eultus spiegle blos den Gedanken an Gottes Herrscherwürde in äußern Zeichen ab, und sie haben dies gcthan neben der Ueberzeugung, daß in der mosaischen Gesetzgebung eine unmittelbare Offenbarung liege, so müssen wir ihnen Mchrercs entgegenhalten. Zuerst gilt auch hier wieder was schon oben ist bemerkt worden, nämlich der Zweck der Erziehung und Heran- *) Wir sagen damit keineSweg«, die göttlichen Dinge seien etwas, worüber keine feste Gewißheit z» erlangen fei. Zm Gegentheil, wir behaupten zuversichtlich, daß die Gewißheit, welche wir von Uebersinnlichem haben können, tiefer wurzelt al» irgend eine Gewißheit von sinnlichen Dingen. Sin andere« aber ist der zu führende Verstandesbeweis. Sin Beispiel au« dem täglichen Leben wird e« klar machen. ES kann Jemand von der Liebe und Treue seine« Freunde« so fest überzeugt sein, al« von dem Vorhandensein de« Briefe-. den er von ihm in der Hand hält. und e« können viele Andere mit ihm die gleiche Ueberzeugung theilen. Einem dritten aber, der diese FreundeSIiebe in Zweifel zieht, und dafür unumstößliche Beweise verlangt, wird er diese Liebe, weil sie etwa« Uebersinnliche« ist. nun und nimmermehr eben so handgreiflich beweisen können, al« er ihm da« Vorhandensein de« von ihm geschriebenen papiernen Briefe« beweisen kann.