Das Morgenland
- Journal
- Das Morgenland
- Volume
- 1 (1838)
- Issue
- 4 (8.1838)
- Date
- 1838-08-01
- Page
- Seite 106 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/4872516-5427189-5427224--0145-4872638- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
10« Capitel noch besonders in prächtiger Schilderung mit einem feindlichen Reiterheere verglichen werden. Was ist nun aber unter diesen Heuschrecken zu verstehen? Einige haben geglaubt, es müsse hier Alles in prophetischer Sprache verstanden und also die Heuschrecken von feindlichen Kriegsheeren erklärt werden. Aber es ist dem ganzen Vortrage des Propheten abzunehmen, daß er zu dem Volke spricht, das wirklich von der großen Roth einer Dürre und eines damit verbundenen Heuschrecken-UeberfallS heimgesucht war. Rach einer andern Ansicht wird in diesen beiden Capiteln blos von natürlichen Heuschrecken gesprochen, und die ganze erhabene Schilderung, welche Joel besonders im 2ten Capitel macht, wäre nur dichterische Darstellung deS allerdings schauerlich-prächtigen Schauspiels, wenn unter furchtbarem Getöse die Schwärme eines unzählbaren Heuschreckenheeres den Tag in Dämmerung verwandeln, und sich verwüstend auf die grüne Flur nicdersenken, die sie, bei ihrem Aufstiegen, kahl, und abgefreffen verlassen. Nach einer dritten Meinung — der wir am liebsten beitreten wollen — hat allerdings, als Joel predigte, eine Heuschreckenverwüstung statt gefunden und die Schilderung des Elendü in seinen beiden ersten Capiteln geht zunächst auf die wirklich vorhandene Roth. Da aber der Geist der Weissagung in der heiligen Schrift gerne das Zukünftige und noch nicht Sichtbare anknüpft an das Gegenwärtige und Sichtbare, und dieses letztre zu einem Sinnbild« nimmt für das erstere (denn wie sollte sonst dem Menschen ein Begriff gegeben werden von dem was noch nicht ist?), so können diese Heuschrecken, zumal nach der Schilderung im zweiten Capitel, zugleich als Sinnbilder angesehen werden der zukünftigen Feinde und Eroberer Israels, der Affyrer, der Chaldäer, der Römer,