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Der nationaldeutsche Jude · 1934-04-01 · Nr. 1 (April 1934) · p. Seite 5

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
13 (1934)
Issue
Nr. 1 (April 1934)
Date
1934-04-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Gesinnung! T Von Günter ftolzmann 'ikrtonblmitglieb und Mitglied des „Schwarzen Fähnlein" (Breslau)' Wir haben eine Gesinnung und Haltung zu vertreten, nicht «ine politisch« Mächt- oder Interessen- ‘ V (Oktober 1933.) - - - Deutschland ist nationalsozialistisch! und das heitzt, datz der Rasseaedanke gesiegt hat. Es ist heute so. und da helfen uns die schönsten Wunschträume nicht darüber hinweg, daß wir von der aktiven Teilnahme am deutschen Geschehen ausgeschlossen sind. Und zaiar unterschiedslos. Nationaldeulsche. Wurzellose und Zionisten. Wir gelten als! „die Juden". Gesinnung. Haltung. Seinsheweis gelten nickt. Blut entscheidet. Wir sind Deutsche. tDer Satz genüg! uns. Grohe Beteuerungen sind uns nicht gemäß. Wir! haben genug gesprochen und bekannt. Vsel darüber zu rechen ist Nicht unsere Art. wie wir auch nicht unsere Menschen! zu einem Lippenbekenntnis zu Deutschland erziehen wollen! sondern zu einem Bekenntnis, das wir dusch Sein und Leben stündlich und immerwährend ablegen, das sich bis in die kleinsten Bewegungen unserer Hände,! bis in die lehren Gänge unseres Denkens in Sprache und >Gang, Haltung!und Wesen dartun soll, so wollen wir andererseits unser Schlcksal auch nicht mit fatalistischem Gleichmut hinnehmen, oder unsere Liebe zu Hatz, unseren Stolz zu Verbissenheit werden lckssen. Wir werden weiter käinpfen. werden trotz allem in jedem SA.-Mann den deutschen Volksgenossen sehen, werden das Gewissen wachrufen. werden durch unser einfaches Datztin eine dauernde stumme Mahnun^Hdin, die einmal gehört werden muh. Ein Freund schrieb mir einmal: „. . . so panzert man sich gegen alles. Anwürfe klirren an einem herunter, und man geht durch die Reihen seiner gefreundeten Hasser, die sich nach einem Umsehen, Achtung oder Spott >m Blick. Aber man geht als lebendes Gewissen durch sie hindurch. Gewissen, das durch seine Gegenwart mahnt. . . ." s Wir biedern uns nicht an. wir bitten nicht. Recht kann man nur fordern, nicht erbitten. Wenn einer glaubt, dah er sich „anbiedert", wenn er heute immer! noch und immer, immer wieder sein Volk innerlich nicht aufaibt, und um die Anerkennung dieser Wahrheit kämpft, indem^ er überzeugt, der stellt sich damit nur selbst ein sehr großes. Armutszeugnis aus. denn anbiedern ist nie eine Handlung an ist nichts bewiesen und getan. Gerade unter den befinden sich sehr gute Deutsche. Mit „Bereitschaft zum Unter gang" meine ich eben die Gesinnung, die, gtsnz gleich, was kommt — bis zum letzten sich treu bleibt. Auswanderern Das ist es ja eben, was der Jude in seiner Gesamtheit noch nie fertig gebracht hat, weder damals im Heiligen Lande, noch in Babylonien und Spanien, in Ruhland und Polen, in Deutschland und in allen anderen Ländern. Er „stellt sich um", teils zanlend. teils wirklich seelisch getroffen, aber er stellt sich um, er „paht sich an", er schmiegt sich neuen Vcr hältnissen an. er bringt nicht dieses letzte „nein, trotz allem" auf, er ist klug, er rennt nicht in sein Äerdcrbea^lin der Diaspora). f So gibt heute die Zwischenschicht ihr deutsche^ iVolkstum auf. wie sie gestern ihr Griechentum, ihr Spaniertum aufgegeben hat. wie sie morgen ihr französisches, italimriiches Nationalgefühl aufgeben wird, wenn sich der ewige spietzrutenlauf durch die Gassen der Völker dort wiederbölen wird. So irrt er durch die Zeiten, der ewige Jude, der ewig hümat- und wurzellos, ewig Heimat- und wurzelsuchend und nie Heimat- und wurzelfassend, weil er sich nie ganz geben will, weil er höchstens bereit war. „SO V seines Volkstums seinem „Wirtsoolk" zu opfern, weswegen dieses auch ihn nie als Volksgenossen, sondern ebey als „Gast" innerlich empfand, weil er nie den Heroismus aufbrachte, lieber grob zu starben, als Nein zu leben. \ Völker sind genau so Erschöpfe der Natur, wie Menlche», Tiere und Pflanzen, sind genau so den ewig irdischen Gesetzen des Werdens, Seins und Vergehens unterworfen, wie diese. Die gröhteN Völker, mächtige Kulturen sind untergegnitzien, Weltreiche sanken dahin. s * Von ihnen blieb nichts, als der Ruhm der Geschichte, versunkene Ruinen, und neuer, fruchtbarer Boden, aus dem neue gewaltige Reiche erwuchsen. Das jüdische Volk (bitte Volk und nicht Religion) hat seine geschichtliche Stunde zu sterwen verpatzt, hat sich verzweifelt gegen den unerbittlichen Tod gewehrt. So hat es alle Völker, alle Kulturen überlebt. — aber um einen ungeheuren Preis.! Nicht Volk mehr und doch mehr als Religion, das Gespenst eines Volles, nicht leben und nicht sterben können, ewig angewiesen, bei den jungen Völkern der Welt hausieren gehen zu müssen, verflucht zu ewiger Geschichtslosigkcit, ewiger Tatenlosigkeit, ewiger Scnilität, so wandelt es seit Jahrtausenden über diese Erde. Damit will ich den jüdischen Mensche n in keiner Weise herabsetzen, im Gegenteil: gerade die Judenheit weist einen Prozentsatz von menschlichem Adel auf, wie kaum eine andere Gemeinschaft und das wahrscheinlich wegen der permanenten seelischen Auseinandersetzung und Konflikte seiner Menschen (denn Erötze und Adel entstehen immer "bo, wo innerer Kampf herrscht). Aber er ist zum Vegetieren, zitr.ttnsrnchlbgrkeit, zur Verneinung verflucht, solange er sich nicht befreit. (Der Zionismus hat die Unerträglichkeit der Diaspora genau so erkannt wie wir, will sic aber beseitigen, indem er das Rad der Geschichte noch weiter zurückdrchen will.) Immer, zu allen Zeiten und in jedem . Lande wiederholt sich dann dasselbe Schicksal. Auf hundert oder zweihundert Jahre gelingt es vielleicht, im „Wirtsvolk" in Ruhe und Frieden zu leben, aber immer wieder kommt der Tag. wo der Fremdenhatz sich im Kleide des Religionsfanatismus, des Herenglaubens oder des völkischen Rassegedankcns dagegen erhebt, und während die Söhne die Leiden der Väter schon vergessen zu haben glayben, seufzen schon wieder die Enkel unter Pogrom. Vertreibung oder Verstotzung. Und wir? Geboren auf deutscher Erde, verwurzelt im deutschen Volkstum, äußerlich und innerlich vom jüdischen Volkstum schon durch jahrhundertelange Entwicklung entfernt, bereit, auch noch die letzten völkischen Snbstanzschlacken einem ehrlichen, oorbehaltslosen Aufgehen im deutschen Volkslürpcr zugunsten aufzugeben — ohne dabei unser Judcsein bagatellisieren oder verstecken zu wollen —. stehen wir beute auch am anderen User, vertrieben aus unserer seelischen'Heimat, ansgestoben von denen, die unsere Brüder sind, und wieder gestellt vor die ewige Parole deH Heimatlosen: Geh! Vernichte alles, worum Deine Ahnen seit c Friedrich dem Groben gekämpft haben, hier sind die Schranken hinter Dir geschlossen. Dn stehst wieder einmal vor den Toren an der grötzen Straße, geh und wandere weiter! Wir wollen und können! aber nicht den Weg wieder zurückgehen zu einem jüdischen Volk weil wir ja gar nicht mehr dazugehören zu dieser Schickt, die zwischen den Völkern steht und innerlich heimatlos ist.f Wir sind in einer! verzweifelten Lage, jawohl! Das Schicksal hat bis jetzt geben uns entschieden. Das ist kein Bewei >. datz unser Weg zurfickgehen mutz, im Gegenteil! Die (beschickst: der Menschheit ist nichts anderes als eine endlose Kette vor Vergewaltigungen. Zerstörungen und Kämpfen.' Auch dazu! >ehört Mut. sie so zu sehen, aber sie ist so. ob wir wollen o >er' nicht. Der Gedanke an Fortschritt zum ewigen Glück der Menschheit ist Schwärmerei. Wir können auf unser, Situation nur zwcti Antworten geben. Die eine: vor unsrem Schicksal (welches ist? von sich, kann immer von uns: innere nur Form und Art sein. Nie das „was", sonder» bas „wie", und das hängt allerdings von der Persönlichkeit des Betreffenden ab. Eins aber fordert die Zeit unerbittlich Haltung! Aus welch erbärmlichen Motiyen, aus wieviel schwäche. Lauheit. Gewinnsucht werden 7 7! scheidungen getroffen! Man mutz sich ^iur einmal die Argumente hervornehmen, die einem Tag für Täg vorgehaltcn werden, und man sieht, wie jeder Adel, jede Gesinnung, jedes Gefühl für Geschichte und Schicksalsstolz. j< sogar jede Erinnerung daran verloren gegangen ist. „Es i oirb Euch sowieso nichts nützen. . .", „was habt Ihr denn sck on erreicht. . .", „Ihr setzt Euch ja wischen zwei Stühle. . ." usw. Es kommt ja gar nicht darauf an. ob e° „nützt", ob wir „Erfolg haben". So fragen Geschäftsleute. - Wesentlich ist es für uns allerdings^ ob wir Erfolg haben we den, aber unsere inneren Entscheidungen werden davon in keiner Weise berührt. Ein großer Teil der deutschen Judenheit öllte es endlich einmal lernen, seine innersten Entscheidunger nicht nach Geschäftsprinzipien zu fällen (Nutzen, Aussicht m auf „Bcssergehen" usw.), sondern nach Gefühl, innere«^ Z ugehörigkeit und geschichtlicher Wahrheit, auch wenn diese E ntscheidung dann Kampf, Entbehrung und vitlleicht Mistacht u n g zur Folge haben sollte. Wenn wir uns als Deutsche fühlen, dann haben wir uns «infach gar nicht zu fragen, ob wir es als Minderheit vielleicht „besser haben". Das gilt selbstverständlich nur für den bewußt deutschen Teil des deutschen Judentums. Der wirkliche' Z> »nismus. dessen konsequenten Weg wir durchaus achten und anerkennen — allerdings nur für einen bestimmten Teit ~-j verlangt naturgcmätz die entgegengesetzte Entscheidung. So lten denn diese geschworensten Antisemiten recht behalten, daß die Juden ein Volk von Krämern seien, unfähig, eine JdeeToder Gesinnung über das eigene, leibliche Wohl zu stellen? Wir lind auch keine Optimisten. Nein! Wir sind auf <illei> gefaßt. Wir müssen auch den Mut aufbringen, die Zukinft schwarz zu sehen. Wir sind nicht so feige, unsere Handln rgen auf Hoffnungen aufzubauen, aber so tapfer wollen wir sein, datz wir trotz allem — und sei es bis zum eigenen Unternana— unserer Gesinnung und uns selbst treu bleiben werden, (Das braucht nicht immer zu heißen: „in Deutschland verhungern". Damit

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