Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 12 (1933)
- Issue
- Nr. 5 (Dezember 1933)
- Date
- 1933-12-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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I Langemarch (Diese Rede wurde am 8.Rovember 1931 gehalten. .Der Verfasser, der Mitglied unseres Verbandes ist, war dainals Führer der.Pfadfinderschaft »Freikorps vom Stein") Westlich Langemarck brachen junge Regimenter unter dem Gesänge »Deutschland, Deutschland über alles" gegen die erste Linie der seiirdljchen Stellung vor und nahmen sie. lheeresbericht.) In dieser.knappen Meldung, die der deutsche Heeresbericht vi'in N. November 1?I-l birgt. liegt das^Ereignis beschlossen, dessen wir beule gedenken. Im letzten Hetzen ihres Landen, schon im Schutze der Sec. leisten die Belgier dem deutschen Angriff, ^der ihr ganws Land in wenigen Wochen nieder.zwang, lovtereii Widerstand. Ilm die olle >tille Skadt^Bvern spannen sich die rüden. in .denen der König die Trümmer, seines' Heeres Mir Berleidigung des letzten Stückchen» Heimat der grauen Sturiuwelle enkgegeii?tcllt. Zum eritcn Male kömmt der deutsche Angriff ins Stocken, in den Dörfern um Bvern, deren eines Langcmarck Hk. Imitcit sich die Belgier, denen die verbrindelen Engländer und Franzvien zu Hilfe kommen. Die deutsche Heeresleitung erkennt/ das; ihr. Angriff nicht aufgehalten werden dark, das; ihre Truppen die ' Küste erreichen müssen, um vom dort aus mit _ freiem Rücken den Druck auf Baris ausüüen;u können, dem'es erliegen soll. Der Gewalt des deutschen Angriffs halten die Truppen der ,ceinde allein nicht stand. die Schleusen lvcrden geöffnet, und durch das Retz der zghiloieii Kanäle konimt das Aceer dem bedrängten Lande;» Hilfe, Flanderns fetter, fruchtbarer Boden wird;u einem riest' zen Moor: dgs Nceer legt einen breiten Streifen blanken Wassers zwischen die- Kämpfenden. "Noch einmal will das deutsche Heer, das an ein Stocken des Angriffs nicht recht gläub'n kann und will., deu Durchbruch;um Meer erzwingen. In der.Eile der ersten Krie.zswvckien notdürftig ausgebildete Regimenter, zusammen geletzt aus jungen Kriegsfreiwilligen — viele Studenten uild Schüler, .viele Wandervögel und "iUabiinbe* darunter . . wagen den Sturm, im grau feuchten Rovembernebel. -Als der Tod imndcrtfach ihnen entgegenspringt im Feuer der.englischen und belai'chen Maschinengewehre, da geht mit ihnen das heilige Lied der D-eunchcn zum Sturm vor. Die -feindlichen Gräben 'werden genommen, aber Langemarck bleibt in der Hand der Belgier. Der Versuch.des Durchbruchs zum -Meer ist ge scheitert. der Kampf zerstiebt in die aufreibende Eintönigleit ..vierjährigen Stellungskrieges: von dieser Stelle der »front ging die Erstarrung des Krieges aus: jahrelang 'liegen sich die Ge-z-ner in Erdltzchern nnd «iradenresten gegenüber. - - tlei» - Zwenel: den erwarteten Erfolg hg! der Sturm ans Langemarck nicht gebracht. Wenn wir nicht der groben Siege der einzigartige» Eroberung von Lüttich, der Beficiungsichlacht von Tannen beiU, der Schlacht im Slagerral gedenke»,'sondern jenes' einen inililäräch erfolglosen blutigen Angriffs in der Fülle der Kämvie des vh'riäbri^n blütigen Krieges, io »ins; es mit ihm eine besondere Bewandtnis haben. Biele begnügen sich mit der ebriurchtsvollcii Erinnerung au die jungen Toten, die' ihre Bundesiameraden gewesen und. Wir achten alle, die.,so denkeif. "Aber uns gelingt die in die Vergangenheit gewandte Erinnerung nicht. Langemarck m»i; uns mehr sein als Erinnerung, lind plötzlich Erkennen wir. das; nns enge'Vindniigön Veutscbes Volk Von Hans QQolff Wir sind 'zusammen durch die "Nacht geschritten, durch eine Nacht, die dumpf war, ohne Ferne» durch eine Nack,:, die schwer war. ohne Sterne, in der wir darbten und um die wir litten.-. . Doch jähen Dämmern-:- zitterndes Erbeben *' schlug linier Htr; wie Euer Her; in' Flämmcii,'-- wir fühlten brüderlich mir Euch zusanmen des neuen Tacjes göttliches Erleben, und bangten njtit Euch nm des Tags Gelingen, und fühlten nicht der eignen Wunde Schmerzen,' denn über allein llcurg in uniren Herzen der Dank, datz!-Deutsche diele Tat vollbringen! , Wir bleiben Eher. was wir auch gelitten. — Erfüllung kündiel heut das Glockenläuten, so werden wir ins Licht der Zukunft schielten, wie wir, zusammen durch die Nacht geschritten! an die Generatioir der jungen Toten knüpfen. Sie standen wie wir in einer Zeit, die sie nicht erfüllen konnte, die ihnen im Innersten fremd, vielleicht zuwider war. Sie erkannten, dah das anscheinend so blühende Leben des Deutschland vor den, Kriege nur eine Leere im Innern verdeckte, das; hinter dem -geschäftigen Lärm von Staat und Wirtschaft die Scelenlosigleit stand. Unermüdlich kämpften die Junge» vor zwanzig Jahren um ihr Volk, dem sie auf Fahrten wieder nahe zu kommen suchten, nachdem die Verbindung zwischen dem amtlichen Deutschland und ihm zerrissen war. In ihre liebevolle Kleinarbeit fegte wirbelnd der Krieg, zeigte ihnen nahe Erfüllung.! Ihre edelste Sehnsucht schien Wirklichkeit zu werden: für Volk nnd Ncich zogen sie hinaus. Als sie der "Befehl ,;itm. Sturm ries und sie sich über den Erabenrand schwangen.' da itand als ihr Bekenntnis das-Deutschlandlied über ihnen.; Tausend sangen es in den feuernden Feind, tausend starben -unter ihm. Ihr Tod bannte einen Augenblick lang die ewige deutsche Scbnsucht, das Reich, in die "Wirllichleit. wurde in einem höheren Sinne Opfertod nnd damit höchste Krönung ihres Lebens. Auch mir stqhen fremd in unserer Zeit, in der — wenn auch ans anderen - Gründen als damals — der Stoff, das Materielle. im Mittelpunkt lieht. Aber je mehr die Sinnloiiglcit d.er Erschcinniige». die wir Wirtschaftskrise zu nennen uns gewöhnt haben, und die in irgendeiner Form jeden einzelnen von uns crkaht, deutlich wird, desto stärker erkennen wir. das; der Sinn ünseres Lebens anderswo liegt. Es iit kein Zufall, das? in Bünden und Gruvven. deren einzelne Führer und Jungen mit! der Not ebenso bitter und schwer ringen wie jeder' andere, dais Materielle nicht in den Vordergrund tritt, dal; jeder es als selbstverständlich trägt, das; aber Sinn unseres gemeinsamen' Lebens Kameradschaft. Dienst. Treue ist. das; »nser Tun der. iZukunft den Weg bereiten soll. In oiesem Glauben an die Zukunft, an das noch nicht vollendete Deutschland. der die Grenzen des engen Heute weit übersteigt, liegt unsere Verbundenheit mit jenen grauen Kämpfern. Ihnen ist Bewährung beschicden gewesen, in der sie ihr Leben sinnvoll erfüllen konnten: uns fleht die Stunde der Bewährung noch bevor. Die tote» Krieger von Langemarck werden uns mahnen, wenn die Stunde schlägt. Wir wissen nicht, wann uns der Einsatz bestimmt fit und in welcher Gestalt er vpn uns gefordert wird. Aber wir wollen um Kraft bitten, rrm den Forderungen dieser Stunde gewachsen zu sein'. So iit Langemarck uns zur Erinnerung und zur Mahnung geworden. Abersein Sinn erschöpft sich nicht darin. Es ist lein Zufall, .dass die Alten dieses Tages nicht denken, dah ihnen andere Ereignisse des Krieges wichtiger erscheinen. Denn Langemarck iit ein Tag der Jungen! Die. die dort starben, sind vor einem! Schicksal bewahrt geblieben: vor dem Alt-' werden. Als ihrj Leben noch rein, frisch und schön war, nahm sie der Tod zu: sich. Es iit uns Gewihheit. dah sie nicht umsonst gestorben sind. Aus den Gräbern in Flandern ist uns das reinste Bild!der Jugend erstanden, wegweisendes Vorbild in dem grauen Äncrlei unserer Tage, unveränderlich in ewiger Jugend. Als vqr s a c r u in , als heiliger Frühling unseres Volkes, sind dia stillen Jungen wiedergekehrt, leben in unverwelkter Jugend in uns. Solange aber in: einem Volk das Bild seiner ewigen Jugend -lebt, solange lebf auch das Volk. Dah der -Tod vcjn Flandern dieses Bild, das seit den Tage» der Lützöwer Jäger und der deutschen Burschenschaft nicht wieder sichtbar geworden ist, uns wieder gezeigt hat. ist uns Beweis, das; jene Kette, die unsichtbar die junge Mannschaft unseres Volkes durch Jahrhunderte verbindet, noch nicht abgerissen ist. Auch wir sind ein Glied dieser Kette: wir wolle» die Fackel, die uns anvertraut ist, hüten nnd sie weitergebczi. wenn unsere' Zeierfüllt ist. Der Tod ist dem Leben unterlegen: aus dem Grauen des Schlachtfeldes ist i uns bei Langemarck das lebendige Bild der. ewigen, unoergäiiglichen Jugend erstanden. Wie stark aüch die *- Jungen im Grapen den Tod nur als Stufe des Lebens empfunden haben, zeigt uns ein Brief, den einer der Besten, hie jung drauhen geblieben sind, nach Hause geschrieben hat: „Es ist eben trotz des Grauenhaften, das ich gerade hier sah. der unbeeidigten furchtbaren Toten, der Verwüstuna und Oede überall, dickes tödliche Ringen fo lebensfördernd. Glaubt mir. nie habe ich mehr gewünscht, weiter zu leben, stärker und glühender die Schönheit des Daseins, seinen Sinn gefühlt und geahnt, als hien wo ich zum ersten Male in meinem noch kindlichen Leben dem Tode ins Auge blickte. Zum Leben gehört der Tod ind zum Kampfe gehört der Tod, es wollen r aber beide nur bin sieghaften Triumph, und der Tod erscheint weniger furchtbar, nun man seine Notwendigkeit fürs Leben begreift. . . _ Kurt Rosenow. Gerichtsassessor a. D.