Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 12 (1933)
- Issue
- Nr. 4 (Oktober 1933)
- Date
- 1933-10-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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r QntaugUcbe Verfucbe. zur Lofung der deutfeben ^fudenfrage Ton en* erünau Der um die Erforschung auch menschlicher Wesensarten bemühte Chemiker Wilhelm Ostwald hat in seinem bedeutenden Buch jiber „Große Niänner" zwischen Klassikern und Nomantikern unterschieden. Diese Unterscheidung hat auch schon Goethe in seinen Gesprächen mit Eckerigann gemacht. Oitwald kennzeichnet die Klassiker als die Langlamen, die Nomantiker als die Geschwinden. Goethe nannte das Klassische gesund und stark, das - Nomantische krank und schwach. Beobachtiet man nun. wie es Ostwald getan hat. auch noch Menschen: dije mehr Nomantiker als. Klassiker sind, und solche, deren Wes«» mehr klassisch als romantisch ist. so haben wir als Ergebnis die alte Lehre von den vier Temperamenten, die der berühmte Arzt Hippokratcs aus Ko; am ausführlichsten dargestellt hat. ein wenig verändert vor uns. Die Kunde von den menschlichen Lharaktertypen ist seit den Tagen des Hippokratcs in erstaunlich geringem Matze verbes'ert worden.- Die ist trotz den Mängeln, die ihr wie jeder groben, einfachen Typologie anhaflün, noch unentbehrlich.. Fragt man, chelchem Typ Theodoy Her;!. der letzte Erneuerer des Zionismus, angehört, so braucht man nicht lange nach der Antwort zu suchen. Die Tagebücher Herzls zeigen unverkennbar den Nomantiker. Gewiß...Herzl. hat 13 Jahre über die Judenffage nachgedacht, ehe er den Zionismus praktisch neu zu begründen unternahm. Aber wie völlig verschiedene Lösungen der Judenfrage hielt er während dieser Zeit für erstrebenswert! Zum Papst wällte er fahren und mit ihm den feierlichen Einzug der österreichischen Juden in die katholischen Kirchen verabreden. Er interessierte sich für die Juden Kolonien in Argentinien, für die der Baron Moritz Hirsch von Gereuth das Geld gab, und fand, dah gegen einen Juldenstaat in Palästina die Nähe Nutzlands' und Europas, der Mangel an Ausbreitung und das Klima sprächen und dafür nur die mächtige Legende. „Die südamerikanischcn Republiken müssen für Geld' zu haben sein." Do schrieb der Mann, der ein nationaler Jude sein wollte. Erst als er in London schon für seinen Zionismus warb, machten ihn: die neuen Freunde Goldsand, Asher Moers und Dir Samuel- Montagu darauf aufmerksam, das; das Ziel'für Zionisten nur Palästina sein könnte. Bon da an beschäftigte sich Herzl mit dem Plan, Palästina dem Sultan . abzukauren. Es kam ihm gar nicht in den Sinn, dah eine Elation nur im Schuh und durch die Kraft eines Staates wächst und mit Blut erkämpft wird, dah man eine Nation _ 200ü Jahre nach; dem Verlust ihres Staates und nach der völligen Zerstreuung ihrer Stämme nicht durch Geldopfer wiederherstellen kann. Herzl war ein internationaler Jude, der einmal hi?r und einmal dort nach einer 'Heimat suchte. An diesem Urteil kann'auch die Tatsackze nichts ändern, dah Herzl selbst niemals zum Katholizismus übertreten, sondern als einer der letzten. Juden die Masse der österreichischen Juden nur bis zur Kirchentür führen wollte. Herzl war im letzten Grunde wie ein gehetztes Mild. Seinen Jäger sah er in Eugen Dühristg. in. dem Verfasser des im Jahre 1881 erschienenen Buches „Die Judenfrage als Rassen. Sitten- und Kulturfrage"'». Und der immerzu Gejagte war er, weil er nicht ebenso scharf oder noch schärfer denken konnte, als der Jäger. Als Herzl den Zionismus erneuerte, hatte er sich Dühring lcrgeben. Das Pochen des Herdenführers an die Kirchentüs war ein schwacher Versuch gewesen, doch z» noch einen Weg .zu gehen, auf dem er Dühring hätte ausweichen oder ihn vielleicht sogar hätte cnlwa'fncn können. Herzl hat selbst die Schwäche »eines Gedankengefüges sehr wohl empfunden. Aber er hat sich immer wieder zu beruhigen gewuht. Immer wieder sagte er sich und seinen Freunden: Ich schwärme nicht: ineine Lösung ist eine streng wissenschaftliche. Hatte doch auch schon der wissenschaftliche Dühring erklärt, für die zerstreute Masse würde „ein neu mit Juden besiedeltes Palästina am Ende gar noch, zum Kopf" iS. 111). Der Befürchtung Dührings. dah in meinem neuen Iudenstaat „das Spiel wieder von vorn anfangen würde", wollte Herzl mit seinem streng wissenschaftlichen Pinn dev Grund nehmen. Aber dieser Plan war graue Theorie. Die in und auf Menschen wirkenden Mächte hat Herzl niemals richtig gekannt und eingeschätzt. Bismarck hat denn auch den Entwurf vom Judenstaat für eine melancholische Schwärmerei gehalten. In dem Briefe in dem ihn Herzl um eine Audienz bat, steht wenige Zeilen nach der Versicherung, nicht eine, sondern die Lösung der Judenfrage gefunden zu habxn, "schon der ») Es dürfte in weiten Kreisen unbekannt sein, dah der nationalsozialistischen Gesetzgebung zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums und den Mahnahmen zur Zurückdrängung des jüdischen Einflusses auf ZeitungLN und Aktiengesellschaften das sechste Kapitol des Dühringschen Buches zugrunde liegt.' 10 Zweifel des Antragstellers: „Im schlimmsten Falle ist mein Plan eine-Utopie. wie man von Thomas Morus bis Bellamy deren genug geschrieben hat." Dieser Satz ist für Herzls im Grunde spielerisch journalistische Behandlung des Problems bezeichnend: Wer nicht selbst von der Nichtigkeit und Ausführbarkeit seiner Gedanken von vornherein felsenfest überzeugt ist, darf sich nicht das Necht nehmen, seine Gedanken der Menschheit anzuvertrauen und eine Bewegung zu entfesseln, dieschlietzlich sehr schwerwiegende praktische Folgen haben kann. - Herzl wollte zwar kein Sozialdemokrat sein. Aber er; wollte die einheitliche Leitung aller Juden. Also auch er strebte eine internationale, jedem nationalen Staat zwangsläufig feindliche Nlacht an. Herzt wollte keine Theokratie in Palästina aufrichten. Aber er wollte die Rabbiner, die seit Jahrtausenden die Hauptträger des theoretischen Zionismus waren, auch für seinen p t a k t i s ch e n Zionismus gewinnen. Aber äuher- . halb des Tempels sollten sie sich nicht betätigen dürfen. Herzl betonte nichts so oft wie sein Freidenkertum. ' -i Man kann die Entwicklung des Zionismus seit Herzl nicht gut verstehen, wenn man sich nicht in die Denkweise Herzls eingesühlt hat. Herzl war, so weitläufig er vorher als Journalist und Verfertiger leichter Literatur war. in diesen an das Leben der Nationen rührenden Dingen ein weltfremder Theoretiker. Man müh den neuen Zionismus zu den vielen gegenwartsfeindlichen Theorien rechnen, die aus der Sehnsucht nach der „guten, alten Zeit", nach einem „Paradies- ' staat" ersonnen wurden. Zu diesen Theorien gehört auch der Kommunismus. Niemals wären die Zionisten, die nach dein biblischen Paradies Sehnsüchtigen, eine nennenswerte Organisation geworden, wenn nicht gleichzeitig die kommunistischen Romantiter, die nach dem „Weltparadiesstaat" Sehnsüchtigen, ihnen Wegbereiter gewesen wären. Der zionistische wie der j kommunistische Romantiker mißachtet die bestehenden, gewordenen Staaten und Nationen. Mari nannte den Staat einen „Schmarotzeraüswuchs". Tie zionistische Idee und die kommunistische Idee' haben oft einen und denselben Träger-). Die zionistische Organisation „Poale Z i o n". der ein grober Teil der in Deutschland lebenden Zionisten angehört oder nahesteht, ist marxistisch. Di« -Tatsache der internationalen Organisierung der Zionisten hat es ermöglicht, . dah selbst eine so plumpe Fälschung, wie die Verhandlungsberichte der „Weisen von Zion", von Millionen verständiger Menschen noch heute für echt gehalten wird"). ] Aber auch ohne diese unwahren Berichte sind die Zionisten 1 in Wahrheit staatsgefährlich genug. Die orthodoxen Juden sind in der zionistischen Weltorganisation eine schwache Minder- , heit. Die Gottlosenbewegung ist in allen nicht-orthodorcn Zionistenvereinigungen sehr stark. War doch Mar N o r d a u. der Verfasser des Buches „Die conventionellen Lügen der Kulturmenschheit" — in einem Abschnitt dieses Buches wird die „religiöse Lüge" behandelt —, der unmittelbare Nachfolger Herzls in der zionistischen Führung. Ich wiederhole, was ich vor einem ZMonat an dieser Stelle schrieb: Es ist ini Interesse aller Deutschgesinnten zu j fordern, dahin Deutschland jede zionistischc Betätigung verboten wird. Der zionistische Versuch zur Lösung der Judenfrage hat sich schon längst als untauglich erwiesen. Obwohl seit Herzls Auftreten ungeheure Summen Geldes aus aller Herren Ländern nach Palästina geflossen sind,. wohnen heute nur etwas über 100 000 Juden mehr in Palästina, als vor dem Jahre 1897 —, von beti etwa 14—16 Millionen Juden der ganzen Erde wohnen in Palästina nur etwa 200 000. Palästina wird regiert, als ob es eine englische Kronkolonie wäre. Und einfluhreiche englische Parlamentarier sehen sich dafür ein, dah das Land sch! ehlich in den Status eines Dominions innerhalb der britischen Völkergemeinschaft überführt wird'). *) Fast gleichzeitig mit der letzten Nummer dieser Zeit- > schrift, in der ich auf die Zusammenhänge zwischen Zionismus; ■ und Kommunismus hinwies, erschien das 41.: Heft der .! Nationalsozialistischen Monatshefte mit einem Aufsatz von Alfred Rosenberg, in dem diese Zusammenhänge ebenfalls behandelt werden. 3) Der flachweis der Fälschung ist vollkommen gelungen. Ein noch unveröffentlichtes umfangreiches Manuskript über die „Weisen von Zion" liegt während des ganzen Monats Oktober in der Geschäftsstelle des Verbandes nationaldeutscher Juden zur Einsicht für jedermann aus. ') Siehe G. Schwarzenberger, Das Völkerbundsmandat für Palästina. Stuttgart 1929. 1