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Der nationaldeutsche Jude · 1933-08-01 · Nr. 3 (August 1933) · p. Seite 7

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
12 (1933)
Issue
Nr. 3 (August 1933)
Date
1933-08-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Gibt es eine jüdifdie JSatioi«? I. Der nationale Gedanke tum in den Menschen ans. iie zuerst entdeckten, daß es mehr als ein in Horizont, mehr als einen Führer, mehr als ( in üUolf «ibt. Der nationcle Gcdanle eint. Eine Nation ist i nmer eine i villensgömeinscha t. Der nationale Gedanke trennt. Eire Nos io» ist immer ei re Kampfgemeinschaft gegen ander:. Und wq l es immer Sieger und Besiegte gibt, find die Grenzen der Ration verändert!ch und werden immer mehr erweileri mit diu Wissen und d:n Machtmitteln der Menschen, mit b:r m-Uchlichen Eroberi rkraft. JmMex stecken in dem Liegrif: der Nation Bilder ans einer an grasten Taten reichen Geschichte u nb von begeistert :n Männern, die auf felbst gebau en TZegen zu längst ersehnten Zielen eilen. Der nationale Gedanke errnuchs aus inem anderen, um vieles älteren: aus dem Gedank n voll der Auserwähltheit d:s Menschen vor allen anderen Biesen. Der Mensch der llrjrit' dachte egozentrisch. Auf seinen Wohnsitz fühlte er sich als die Mitte nicht nur der Erde, [onbinv d«s gmizen Kosmos. Und dieses Denken und Fühlen :rstarben n cht, sondern blieb:» immer — wenn auch angefockten — neben ihren später;» Wandlungen: zunächst neben kem Denken und Fühlen onn der Auserwähltheit des eigenen VKkes vor allen ander:» Böllern, neben dem primiti >en natiö ralen Denken und Fühlen. Der zweite Hauptteil der Geschichte 1 »cs nationalen Cedanlens beginnt mit den Aposteln tes Elristentums, die d:n Aiiserwähltheitsgedanken vom ratioralen Gedanken trennten. Die Auserwähltheit vor anderen nird nnn nicht mehr v>n der Zugehörigkeit zu einer betimmten Nation, vom Dienst für einen bestimmten Nationalgott, non dir Arbeit auf einem bestimmten Stück Erde, sondern nur vim Bekenntnis zur Gemeinschaft Christi abhängig gemccht. Der Christ ist auserwählt nicht zu Gegenwärtigere, fordern zur Teilnahme cim kommenden ewigen Reich. Die christliche Lehre entstand in Lande Palästina, des zum riesigen Römischen Reich { ehör e. Di ist sie im Gegens rtz zum nationalen Gedanken ents:and, haben wohl die Jud^n, aber nicht immer die Römer bi merkt. De ' Jude, der Träger des Christentums wurde, hatte den Glaul en an die Wied ererweckung seiner Nation, an die Wiederaufnchtung des eigenen Staates verloren. Der Röme:, der zum Christentum üb:rtrat, hatte nicht das Bewuht ein, ferner Nation untreu zu werden. Klar war ihm sicherlih nur. das er seinen Göttern »»treu wurde, die aber schon längst in ernationale Eöt er waren. Der Römer wollte die Welt beh rrschey. Der christliche Römer betrachtete das rör rische! Welt eich als Uebergayg zum ewigen Weltreich. Dagegen war der Jude dazu erzogt», sich in einem Lande zu behau >ten, das un der Grenze vsn drei Erdkeilen liegt und daher das Land der Sehnsucht und zudem Erenzland der nach Weltherrschaft Strebenden wnr. Die Abtrennung des Auserwählt heitsgedanl e»s vom nationalen Gedanken folgte auf den Trie i und Wu rsch nach Ganzhoit. nack Ueberwindung allen Hwie palts. Ur zeitliches, kosmisckes Denken und Fühlen bricht in di n jUrchriste hervor. Doch das einzige Reich, das verheißene Reich des Friedens, kam nicht. Die Zahl der Mmschstn wurde immer gröber. Wälder wurden gerodet. Städwurdchi gegründete Jmnier mehr Völler wurden zum Christentum kiekchrt. Man kämpfte um neuen Lebensraum. Man entdeckte wieder eigene und fremde Art und ging auf immer weiter: Entdeckungen auf der Erde aus. Man las wiedei vorchristliche Literatur. Man sab den Gegensatz zwischen der christlichen Lehre mit der Absage an die irdische Natur und den täglichen Nöten des Christenmenschen. Die Macht der Kaistjr und Päpste im Heiligen Römischen Reich sank immer tiefer. Aber es hat immerhin 1500 Jahre gedauert bis in Elropa der nationale Gedanke mit dem christlichen verbunden wurde. Und oer Kampf um die allseitige Anerkmnung un> um die Festiguiig dieser Verbindung dauert bis l eute fort. Während nun jedes christl che Volk davon spricht, dost es eine besondere Sendung od, r Aufgab« in der Welt habe neben anderen Völkern mit anderen Angaben: wirkt untjer Juden noch immer der Gedanke des vnn Gott vor allen anderen anserwählten Volkes. Kein Kerner der Geschichte wird daran zweifeln, dah der Auserwä jltheitsgedanke feste Macht ist, welche die Iudenfr« ge hervor zerufen und bis zu diesem Tage den Völkern aufgedrängt Hali Forscht man danach, wesha b der Au-erwähltheitsgedastke gerade unter Juden zu solcher Stärke entwickelt wurde und sich bis auf den heutigen Tag in der urz iitlichen Fassung erhalten hat, während er in nllen anderen höhersteigenden Völkern in enge Verbindung mit dem christlichen Gedankt» der Nächstenliebe gebracht wur >e. dann söht man auf zwei Gründe. Der erste Grund heizt die Laze Palästinas, der zweite heiht die Verfassung des römischen! Weltreiches. In allen Grenzpnd Eefihrenzonein der Erde wachsen Völker heran, die an ihrer u berlieferu,!g mit schwer über- Von Erleb ^rünau windljcher Zähigkeit hängen. All ihr Sinnen und Beu:n ist darauf gerichtet, das Erbe mit Bollwerken zu schü im, die ihnen nneinnehmbar erscheinen. So war es auch im alten Palästina. Hier odet in der Nähe wurde das Alphu' et erfunden. Hier wurde das Buch der Bücher geschrieben. Difin wurde allen Zeiten det Auserwähltheitsgedanke in d r jüdischen Form überliefert. Man spürt die Macht der Bü''>- staben, wenn man liest, datz noch heute sogar christ iü: Theologen die Judenfrag/ als die Frage nach dem < us erwählten Volk, als „bie brennendste Frage der Politik Gottes" ansehenAlle Persuche zur Wiederherstellung und Neuordnung des jüdischen Gemeinwesens nach der Zerstörung Jerusalems durch Nebukadyezar sind von der „heiligen Schritt" angeregt. Schon Esra, der erste Zionist, war ein „Sch >ttgclehrtcr"^ Die jüdischen Schriftgesthrten vermochten überall z» trotzen. Das römische Weltreich wär ein ungeheurer Städtcbund, der von dem Magistrat der Stadt Rom, von dem Senat, regiert wurde. In diesem Städtebund wurde der seit langem genährte» Hoffnung der .Inden auf eine nationale jüdische Zukunft und dem alten'Glauben der Juden an. ihre Auserwählthcit kein stärkerer nationaler Gedanke entgegengesetzt. Die Mischoölker des späten römischen Weltreiches,' deren Rationalgefühl nur schwach entwickelt war, und das Leben' von Millionen Einzelmenschin in lokaler Beschränktheit während des frühen christlichen Mitti lalters haben den jüdischen Schriftgelehrten und ihrem nächsten Anhang die jahrhundertelange Erhaltung des von Juden zeschaffenen Ghettos, das ursprünglich Handelskolonie war, erleichtert. Aber eine Willensurd Kampfgemeinschaft, eine NäHon. waren die Juden schon zur Zeit Esras nicht mehr. Seit dem babylonischen Eril hat es immer Juden gegeben, welche die antihistorische Lehre der Schriftgelechrtcn verwarfen und am Werdegang der sie umgebenden Völker teilnahme» oder teilnehmen wollten. Als infolge der gr« tze» französischen .Revolution die Ghettomauern zu fallen Schriftgelehrten sehr besor Gleiches geschah später Emanzipation der i Juden trächtlicher Teil der westfroh. datz nun auch fSF\j Wer daher annimmt, ba_, eine jüdische war. der irrt im dritten Band seiner o Kaisers Maiimilian, der dem von ihm oeranlatzten die deutsche Reformation II. begannen, wurden die jüdischen . ...... gt. Im September 1791 Pachten in Paris orthodore Juden Schwierigkeiten wegen der Verleihung des Äollchürgerrechtes an die Juden Frankreichs -). - ri-t. ------ allen Staaten, in denen die. beschlossen wurde. Doch ein! be- - und mitteleuropäischen Juden war . He eine neue Zeit angebrochest Har. die grohe. französische Reoplntiont nicht weniger als Heinrich Graetz lkstümlichen Geschichte der Oichen in dem er behauptet, dah der jüdische Iudenkommissar des Metzger Joseph Pfefferkorn, tmit Streit, wider und für den Talmud herbeigesührt habe. Die Ursachen der groben französischen Nwolution kann man überall linden, nur nicht bei den Juden. Uyd Pfefferkorn war nur einer und leider persönlich nicht bei "**’-**- i s;» das beschleunigte Tempo werdens der Völker in mä als notwendig, empfanden fühlen gegen das Ghetto Verteidigung des Ghettos beste jener Ghettobewohn-r. die der Nationalisierung, des sGltichchtiger werdenden Staaten innerlich und keinen Hehl aus ihren Gr¬ und gegen den Talmud, der zur geschatfen war, machten. Datz Ehettomauern erst nm düs Jahr 1800 fallen konnten aus der Stärke zu erklären, den damals der 'Drahg hervorragendsten christliche, Völker zum Nationalstaat zur endgültigen Beseitig»! ig des störenden jüdischen sthkus in statu erreicht hatte. Man befreite die Jude» aus nationalen Erwägungen heraus und in der Erwartung,!dah mit dem Ghetto auch sie allmählich verschwinden würden, das sieht man besonders deutlich, wenn man die Verhandlungen' des Ersten Vereinigten Preußischen Landtages <vom 14. bis z»m 17. Juni 1847) über die Emanzipationsfrage der Inden »achliest. In diesen Verhandlungen sagte einer der 'Abgeordneten: „Ich will vernichten ein Volk, das in meinem Volke ausgehen soll: ich will das Volk, welches heute Jude» heiht. zu Deutschen, zu Preuhen machen: ich will, dass das gehässige Wort aufhö^e :,ein preußischer Jude" und dafür gesetzt werde „ein jüdischer Preuhe", und diese Besttebung scheint die zu sein, welche im allseitigen Interesse Prenhens und Deutschlands liegt" 3)i Andere riefen Aehnliches in die ') Lic. W. Fischer, Zur Judenfrage. Pastoraltheologie. Monatsschrift zur Vertiefung des gesamten pfarramtlichen. Wirkens. 1933. S. 185—190. 2) Schreiben aus Paris ay einen Berlinischen Kaufmann. Vossische Zeitung. 1791. Nr. 123. s> Vollständige Verhandlungen des Ersten Vereinigten Preuhischen Landtages über die Emanzipationsfrage der Juden. Verlin 1847. S. 174. s. 7

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