Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 12 (1933)
- Issue
- Nr. 3 (August 1933)
- Date
- 1933-08-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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jVationaldeutfchee Judentum während der vierzehn Jahre Zwifcbenfeld am zweiten Huglift vonnane Neurache Zurrst eischienen im »Rationaldeutfchen Juden" vom August ISA, Nr. 8. Das Bedicht gehört zu einer Folge satirischer Betrachtungen deS ewig zwischen Deutschtum und jühischnationalem Empfinde« schwankendrn »Zwiichenschichil^rs", verkörpert in Herrn Siegmund Zwischenfeld, Mitglied deS .Blaubensgerossen-Bereins"; man beachte die im letzten Teile des Gedichts enthaltene Wiedergabe des damals und noch heute typischen Inhalts des von dem „Glaubeusgenosien-Berein" — auch heute noch — herausgegebe cn Wochenblättchens.) Herr Zwischenfeld hat nach dem Abendessen Gedankenvoll aus dem Balkon geiessen. Man braucht zwischen Einkauf und Djenit am Kunden Bisweilen auch besinnliche Stunden, Und die Zeit geruhsamer Abendverdauung »■ | Ist bestens geeignet für Weltanschauung. — So über das Leben und seinen Sinn. Mit Mag natürlich. Doch immerhin.! - I 3n dämmernden Straben verebbt der Verkehr. Der zweite August. Berlin ist leer. Die besseren Leute sind noch im Bade. Das hat man schon hinter sich. Wirklich schade.! So geht's seit Jahren. Was bleibt als Rest? Der ewige Wechsel — ohne Protest. Geschäft, Erholung, Erhaltung der Gattung, . j Zum Ende die festliche Feuerbestattung. Der Staub dem Staube, der Jugend das Geld. Und ein Nachruf dem seligen Zwischenfeld. Leben iit Sterben mit Hindernissen. Wozu das Ganze? Na. Gott mag's winen. Früher, da hatte man grobe Rosinen. < Dachte nicht nur an's Eeldverdienen, > Wollte nbch wirken für allerhand. j Zum Beispiel, na ja. für's Vaterland. .Das iit ja nun ziemlich anders gekommen.. Wie sagt der Dichter? „Die Blut ist verglommen". Doch man lebt ja schlichlich und ihl sich satt. Und die Hauptsache ist. dah man Ruhe hat. Dort unten belebt fich ein Strahcwtreifen, i Ein Marsch klingt auf aus Trommeln und Pfeifen.! In Windjacken stampft ein Zug daher. ■ Feiler Marichtrill. Wie Militär. Gesinnungs-Gleichschritt. Demonstration!' Für was? Gegen was? Weih man'? schon? Schwär,rotgold oder Schwarzweihrot? ' - Dder iit's Rotfront trotz dem Verbot? Sieht alles gleich aus im' Dämmerlicht. Kokarden verschieden — sonst merkt man's nicht. Aber den Drill, das iit gewih, Haben sie alle vom alten Kommih? Db auch das Mundwerk nach Zukunft schreit, In den Knochen steckt die Vergaizgenheit. °—.! So schritt man selb'! mal in der Kolonne. .— Dachte an gar nichts. — Schwitzte mit Wonne- > — Trommeln und Pfeifen. — Marschieren ist Lust! — Herrgott, — heut ist ja der zweite August! Gedenktag heute. — Da heiht es schreien! Die kennen nicht Deutsche, nur noch Parteien. . i Zetern aus Angst wie die Kinder bei Nacht. I An ein Gedenken wird gar nicht gedacht. Und wäre doch wirklich was zu gedenken, * Dhne dadurch die Verfassung zu kränken. Da reden sie höhnisch von „grober Zeit . Groh war das Eine: die Einigkeit. Heut sieht man ja manches in anderem Licht, Und schön ist's in Deutschland wahrhaftig nicht. Und man schämt sich manchmal und ist auch empört Und weih nicht recht, wo man hingehört. Doch Anno Vierzehn, am zweiten August.' Zum Donnerwetter, da hat man's gewuht. Da ging man los und fragte nicht weiter. Man war doch Deutscher. Und Landwehrgefreiter. Und man wollte gar Nicht so sicher wissen. Wer gerade die erste Bombe geschmissen. , Deutschland in Not! Und die Welt in Brand! ■. Recht oder Unrecht — mein Vaterland! Ja. das ist vorbei und die Zeit gewandelt. Man hat uns wirklich nicht gut behandelt. Enttäuschung ist bitter. Man hält sich kühl Und bezweifelt zuletzt das eigne Gefühl. Gewih, man ist Deutscher. Doch darf man wagen. Heute zu sich ..erst recht!" zu sagen? Man kommt sich dann vor wie ein Reaktionär. Nur einfach ein Deutscher — das trägt man nicht mehr. Da lieft man bei fortgeschrittenen Dichtern Von moralischer Schuld und schlammigen Trichtern. Und das Blatt vom Glaubensgenossen-Verein, Das schreibt nur immer vom Judesein. Man kann sich das Deutschtum nicht wegdisputieren Und will doch nicht geistig den Anschluh verlieren. Man kann nicht vergehen und will nicht verzichten. Und so pendelt man immer zwischen den Schichten. Und trägt man sein Bändchen dann und wann. Dann grinst uns ein Freund von der Seite an j Und fragt: „Sie sind wohl deutschnational?" — Und was bin ich wirklich? — Sentimental! — Herr Zwischenfeld hat sich in's Zimmer gewandt. Da lag sein Vereinsblatt. Er nahm's zur Hand. In vielen Spalten war dort zu lesen, Dah es wieder einmal-sehr schlimm gewesen. Und in Nieder-Tupfing im dunklen Bayern Da wolle man nicht die Verfassung feiern, Und ein Bauernbursche in Eroh-Elubschin Der habe was gegen die Juden geschrie'n, Und er sei noch nicht in's Gefängnis geschafft. Und in der Justiz sei es krisenhaft. Und man müsse die Einheitsfront errichten Und auf.innerjüdischen Streit verzichten, Und für die Einheitsfront sei es egal, Db deutsch oder jüdischnational, Und vor allem müsse mit vollen Händen Man für den Kampffonds spenden, spenden! Herr Zwischenfeld las es fast unbewuht, Und in ihm summte der zweite August. Dann schob er's fort und zog ein Gesicht. „Vielleicht wieder morgen. — Heute mal nicht." „Kulturbund deutscher Juden/' W» haben' gegen diese Gründung,' trotzdem hintejr ihr natürlich wieder jüdischnationale Drahtzieher stehen,, von unserem deutschen Standpunkte aus nichts eiyzüwenden. Wen» Juden, die in Deutschland leben, das Bedürfnis fühlen, sich selbst ins Ghetto zu sperren, — uns kann es recht sein.! den» es fördert die reinliche Scheidung. Dies war auch offenbar der Grund dafür, dah die Staatsbehörden gegen die Gründung nichts einzuwenden hatten: auch sie find' für jede Demaskierung dankbar, und es iit der Gipfel der Komik/' menn alljüdische Blätter sich in byzantinischer Begeisterung über die „Genehmigung" ihres Ghettos seitens der Behörden geradezu überschlagen. Die Menschen, die sich zu Diesem „Kulturbund" zuiammenfinden, haben ja auch im Grunde siels in einem geistigen Ghetto gelebt: warum sollte jetzt nicht eine Sonderahteiluiig in Vereinsform aufgezogen werden? Nur Eines ist von unserem nationaldeutschen Stand»,mkle aus zu bemerken, und dies richtet sich in erster Linie an die bedauernswerten Künstler und Jkunstbeslissenen. die si^> für 4 diesen Ehettobetrieb zur Verfügung stellen, obwohl sie selbst nicht jüdiichnational sind. Man ' mag einem Künstler mildernde Umstände bewilligen, der sonst heute in Deutschland keine Betätitzungsmöglichkeit findet und aus Furcht, zu ertrinken, nach diesem Strohhalm greift. Aber darüber mögen sich die „Kulturbündler" im klaren sein: Wer sich jetzt, der Not gehorchend oder dem eigenen Trieb, durch Beteiligung an derartigen Bestrebungen s e l b st aus der Gemeinschaft deutschen Kulturwillens a u s s ch l i e h t, wird später, auch wenn die äuheren Umstände sich günstiger gestalten sollten, kaum jemals wieder die Möglichkeit! haben, in diese Gemeinschaft einzu gehen. Man wechselt das Vaterland und damit auch d^s Kulturgefühl nicht wie ein Kleid. Es wird diesen Kulturflüchtlinge» nicht anders ergehen, als denen, die sich jetzt im rein körperlichen Sinne von Deutschland trennen. Deutschland wird ihnen für alle Zeit verloren sein. — und es ist immerhin schade um den einen oder anderen, der heute die Nerven verliert und den jüdischnationalen Rattenfängeni zuläuft. Y