Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 12 (1933)
- Issue
- Nr. 3 (August 1933)
- Date
- 1933-08-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/6682492-5438700-5438900--668-4871840- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Warum es in Italien r keine Juclenteinätchaft gibt Von B. Ludwig (Rotn) 'JL'cr^ ab 'JliiilaiiiH-bcutidjcr, aus Italien fomiucnb, in bieten iaaeit in ber Heimat mit; jüdischen Bekannte» tu plaudern (velegenheit hatte, stößt immer wieder auf die Frage nach der Lage der Inden in Italien: genauer gesagt! auf den Hinweis, daß Italien, das faschistische Italien! — den Autisemitismus nicht kenne, und daß hieraus auf dick deutsche Entwicklung Rückschlüsse gcwgen werden dürften, p" richtig und logisch das bei einer oberflächlichen Betrachtung erscheinen mag, so irrtümlich erweisen sich solche vermeintlichen parallelen bei genauerer Betrachtung. Dennoch kann inan in deh Kreisen der deutschen Inden sicherlich aus den Verhältnissen ii> Italien viel lernen, nur muß man. märt ob ne weiteres vom deutschen '!i a t i o n ak s o z i cz l i s m u s die Folgerungen ermatten. die liierst und^vor allem, meiner Meinung nach, von den Deutschen Inden gezogen rverden müßten. - Dolche. Hinweise werden vielleicht dem Teil der deutschen - Inden Nützen, die den Wunsch haben, mehr als deutsche Züfallsgeliorene zu sein, denen die Werte Vaterland, 'Juitianunb Nationalsvialismus beute ein untrennbarer Begriff sind, auch -wemi ie selbst zur Jrit unter Sckncksalsscblägen leiden, deren ule hl oder llnrecht nicht zur Erörterung stehen darf, wenn es um eine Revolution geht, die den Bestand des deutschen Volkes als solchen zu retten und neu zu sichern , sich als. hohe Rufgabe gesetzt hat. Wenn das englische „wriirlvt or wrony — my iiamtry" feinen jede ialfche Individual Ethik ^überwindende», heröifch fich hingebcnden Sinn behalten soll: dann auck heute und gerade heilste i irr die n a I i o n a l d e >> t i ch c n Inden 1 in ii e u e n d r i 11 e n R e i ch a 11 e r Deutsche n. 'Ibas zunächst die Lage der Inden in' Italien ai belangt, io 'ist in der Tat festiiistellen, daß es einen eieentlichen Anliieniilisinus dort nicht gibt, wenn 'man von Pig um grenzten Lilerateiilrcisen abstcht, die auch sonst ein politisch literariiches Programm verfechten, welches bewußt die! ulturelleuror äiichen Boraussetznngeu Italiens in Religion und Geschichte zugunsten eines erträumten eiirafischen „römischen Imperiums" aufgeben will. Sonst aber ist weder religiöser noch Rasienantisemilismus bekannt und es ist ferner richtig, daß in Politik, Heer und Gesellschaft. als Beamte und Offiziere. als Richte! und Staatsanwälte die /Inden in Italien völlig gleichberechtigt neben ihren christlichen Landsleuteu den! Dtaate dienen. Plan kann auch die sich daraus ergebende Folgerung als berechtigt annehnlen,' drß sich, am Beispiel Italiens bewiesen, 'Nationalismus u n'd I u d e n t u in , totaler 2 t a a t int d B o l k g e m e i » - i d) a f t aller .'.Kan e u und- B e k e. n.n t n i s s e . wenn >: e i i ch nur zur R a t i o n einen, k e k 'n e - w e g s ausschließen. Als Ursache dieser vom deutschen Standviinkt aus auffallenden Erscheinung ist vielleicht indirekt der traditionelle Katholizismus der Italiener mitbest mmend. insofern wenigstens, als die katholische Ueberzeiigung pon der völligen seelischen und menschlichen Wiedergeburt durch die Taufe für Rom den reinen Rassenantisemitisnius ai sschließt und zum mindesten den nichtarischen Christen eine Gleichstellung mit romanischen Volksgenossen in Italien sichert. Bei der Elaubenslauheit vieler - Kreise und bei den prinzipiellen Gegensätzen zwisckren Staat und Kirche. )ie auch in Italien ausgekämpft werden mußtest, sind aber so che rein religiösen Einwirkungen auf die Iudenfrage in Italien nur unbedeutender Natur. Wichtiger sind yolksbiologi che Gesichtspunkte, wonach die Romanen in Habitus.' in Gsstik und Denkart als Mittelmeerrasse dem jüdischorieutalischet' Rassecharakter in etwas näher stelzen, als die nordischen Völker, so daß die Rassenuiiterschiede.' die alssolche natürlich jauch in Italien vorhanden und für Volkskenner bemerkbar sind, als solche nicht oder kaum empfunden werden. Andererseits, wenn man sich an den Antisemitismus in Frankreich. Rumänien, nicht zuletzt auch in Spanien erinnert, so kommt man doch zu der Ueberzeugung, daß auch dieses^Momeitt zur Begründung des Problems nicht ausreicht, sonach bleibt nur der logische Weg, die Ursache ' des fehlenden Antisemitismus in Italien Nicht in Religions- und Rassenfraqen, sondern bei den Juden Italiens selbst zu suchen: che Tatsache ihres völligen und umfassenden Aufgehcms im Italienertum nimmt dem Antisemitismus die Reibungsfläche und damit die Berechtigung. Es ist durchaus eine Bestätigung des Pro gram nies und des 'Weges des „Verbandes natron a l d.e u t s ch er Inden", daß nur durch völlige., d. h. seelischgeistige, soziale und v ö l k i s ch e'E i n g l i e dp r u n g des Judentums in das Vaterland die joahre Verschmelzung erreicht werden kann, unjb daß auch nur so der Antisemitismus, das ist die berechtigte und naturgegebene Abwehrijedes national und völkisch bewußten Voltes gegen das Fremd- und Anderssein eigener Lanbs- . r ' Icute, überwunden werden kann. Gerade weil in Deutschland bei vielen Juden diese eigentliche und innere Eindeiitschiing nicht erreicht, in den letzten Jahren im Gegenteil durch Einwirkungen des Zionismus, durch i nternationale und Vaterlands lose Betätigung, durch individualistische „Recht aufs Dasein"-Methoden sogar bewußt erschwert worden ist —, weil in den Nachkriegsjahrcn nicht-bodenständige jüdische Einwanderer, in den jüdischen Gemeinden nicht weniger als in Staat und Gesellschaft. einen ihnen nicht zukommenden Einfluß haben erringen dürfen, deshalb gibt es in Deutschland einen berechtigten Antisemilismiis und deshalb, weil diese Voraussetzungen in Jtalieur fehlen, gibt es in diesem Innerlich beruhigtem Lande diese Selb st wehr des Volkes gegen Schmarotzer nicht. Die italienischen Inden sind nicht nur. zusammen mit anderen Kriegsteilnehmern und Intellektuellen, durch die ja die faschistische Bewegung vorzugsweise entstanden ist. zum großen Teil freiwillige und begeisterte „Faschisten der ersten Stunde" gewesen: sie sind auch heute i» Presse und Literatur, in Politik und Wirtschaft wahre und fördernde Mitstreiter der nationalen faschistischen. Ideen und der faichistüchen Praris. Was man, trotz aller Gleichschältuiig. vielleicht noch immer nicht von allen in Deutschland erscheinenden Zeitungen dem Nationalsozialismus gegenüber behaupten kann, Theodor Wolff und Georg Bernhard sind persönlich glücklicherweise' verschwunden, ihr Geist entfteigt aber unter tarnenden Masken manchmal noch, sozusagen hintenherum, den Tintenfässern^- und Schreibmaschinen gewisser Redaktionsstuben. In Italien aber haben sich die Inden nicht „auf den Boden der Tatsachen gestellt", sondern haben, diese Tatsachen mit schaffen helfen! Es wäre eine Unehrlichkeit der deutschen Juden, wenn sie entgegnen würden: „man ließ uns ja nicht...". Wer selbst als Außenstehender Wut und Unverstäittwis. Gift und Kalle hat spüren tönnen, welches die führenden Organe und Organisationen hes deutschen Iudcntums' etwa dem „Verband natioiialdeutschcr Inden", entgeg^ngeschleudert haben, als ei»- inal i» seiner Zeitschrift vor Jahren schon die Frage, ob Juden nalioiialsozialistisch wählen dürften, bejahend beantwortet wurde, weiß, daß nicht der Nationalsozialismus sich den Juden entzogen hat, sondern daß ein Großteil der Juden, aus mangelnder Eindeutschung, von vornherein den Sinn des 'Nationalsozialismus nicht begriffen hatte, der dann auch im Würdigung dieser Tatsachen sich ihnen von vornherein entgegcnstcllte. In Italien hat es niemals eine innere Gegenwehr der Iiidcii als solcher gegen den totalen Staat gegeben, der laut „E. B. Zeitung" heule noch als „für Juden unmöglich" bezeichnet. wird, womit sich diese Inden schon eines Anrechtes auf Mitarbeit am neuen Deutschland begeben. I» Italien haben aber auch die Juden in sozialer Schichtung keineswegs in gleicher 'Weise wie bei uns die Schlüsselberufe des Geistes okkupiert. Von den etwa 200 000 Juden Italiens sind höchstens 10Aerzte, Rechtsanwälte und Journalisten, mindestens aber ebcnsovicle ungelernte Arbeiter, Spezialarbciter und Handwerker. Das Gros ist dort wie bei uns in Handel und Industrie tätig und, bezeichnenderweise, durchaus nicht prinzipiell in führenden Stellungen, sondern ebenso oder annähernd so wie das gesamte italienische Angcstelltenheer auf hie höheren und mittleren Stellen verteilt. Auch im Beamtcnkörpcr Und sie ebenso Briefträger und Straßenkehrer wie Regierungsrat und Steuerinspektor, nicht nur „Generäle", wie das an den zwei oder drei „Beispielen" immer aufgezeigt wird, sondern auch Feldwebel und Unteroffiziere. Vor allem aber gibt es in Italien keinen Zionismus oder gab es keinen solchen, bis deutsche „Emigranten" und andere jüdische Ausländer ihn in den letzten Wochen oder in den letzten Jahren, erfreulicherweise vergeblich. in Italien einzuführen versuchten. Welche Bedeutung gerade, diesem Umstand für die Judenfrage in Italien zukommt. erhellt aus dem bekannten Worte Mussolinis, daß es „für ihn nur eine Iudenfrage gäbe, wenn die Juden .eine solche stellten". Mussolini hat weiter einmal dem Eroßrabbiner der jüdischen Gemeinden Italiens in klaren Worten auseinandergesetzt, daß er jeden Zionismus unbrtinc direkte oder indirekte Betätigung als eine antiitalienische und antination.ale Haltung betrachten und daß er. wenn es wirklich zu zionistischer Betätigung kommen sollte, nicht zögern würde, dann die Juden „zu dem zu machen, was sie wünschten". Eine Haltung, die' das volle Verständms der, italienischen Judengefunden hat. die selbst sich gegen jeden zionistischen „Geistesimport" aufs heftigste zur Wehr setzten. Hätte der Weimarer Staat, .statt Zionisten zu hoben Staatsbeamten zu machen, ihnen das gewünschte „Recht" auf Fremdheit im