Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 12 (1933)
- Issue
- Sondernummer (Mitte Mai 1933)
- Date
- 1933-05-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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J^atlonaldcutfcb« Juden vor zwölf fahren i i. Das Programm cler nationaldeutfcben Juden Unveränderter Abdruck aus der ersten Nummer des Mitteilungsblattes, September 1921 Man verlangt von uns ein „klares Programm". Programme schmieden heisst Worte aneinanderreihen und Worte sind gefährlich, denn das bestgewählte Wort gibt Anlatz zu Mitzoerständnissen für den Freund, zu Verdrehungen für den Feind. ( ' Was wir wollen, haben wir ausgesprochen in unserer' Satzung, in der Flugschrift „Brennende Fragen", in unserem Aufruf. Aber der Deutsche verlangt nun einmal ein „Programm". ein handliches Stück Papier, auf dem Gesinnungen und Absichten sauber und übersichtlich nach Ziffern geordnet sind. Wohlan, wir wollen sprechen wie Walter von Stolzing. als er den Singestuhl der regelgctreucn Spicher besteigt. „Für Sich. Geliebte, sei's getan." Und die Geliebte, um die wir es tun. ist unsere deutsche Heimat, der wir dienen wollen mit Leib und Seele. Ser Sänger sitzt. Fanget an! Unser Programm Iaht sich in'einen Satz zusammendrängen. Wir wollen di: Grundlage schaffen für gemeinsame Arbeit naiionaldeutscher Juden und nationaldeutscher Nichtjuden zum Wiederaufbau des-armen, zerschlagenen Vaterlandes. j Sah diese Grundlage heute noch fehlt, kann niemand leugnen. Sas deutsche Volk ist zerrissen in zwei Bevölkerungsgruppen. Hie Richlinde». hie Juden. Wie es dazu kam und ob es so kommen mutzte, wir wollen es heute nicht untersuchen. Sie Tatsache' besteht und selbst ein Blinder muh sie wahrnehmen. er kann sie.mil Händen greifen. Unter den Juden wie unter den Nichtjuden sind Nationaldeutsche. sind solche, denen Seutschland im Herzen über alles geht, die nicht anders als deutsch empfinden und denken können. Aber sie können zusammen nicht kommen, das Wasser ist allzu tief. Wir müssen erit die Brücke von. Ufer zu Ufer schlagen. Wer gemeinsam mit einem anderen' arbeiten roll mutz Verständnis für das Evesen des anderen haben. Sas gilt für ganze Gruppen wie für den einzelnen Menschen. Sie nationaldeutschen- Nicbtjuden müssen Einblick gewinnen in das wahre Weien der bilden, die nationaldeutschen Juden in das der Nichtjuden. Heute weitz keiner von deckt änderen mehr, als was ihm die landlätiiigen Schlagworte sagen, was ihm in frühester Tugend., als Vorurteil eingeimpft toird. Juden und Nichtjuden glauben sich z» leniren. aber sie kennen sich nicht. Sie müssen sich kennen lernen. Ser Nichtjude meint. Jude sei Jude, einer wie der andere. Er mutz lernen, das; diese Meinung ein Vorurteil ist. Satz die jüdische Abstammung zwar Gleichmätzigkeiten der Erscheinung. des Temperaments und der besonderen Veranlagung für diese und jene praktische Tätigkeit begründet, datz aber das Verhältnis zum Seutschtum ausfchlietzlich bestimmt wird durch das Gefühl und datz dieses Gefühl bei Juden genau so verschiedenartig ist. wie bei Nichtsudeu. Satz auf dem Boden dieser tnefüblsverschiedenheit der nationäldeutsche Jude mir denk nationaldeutschen Nichtjuden Schulter an Schulter steht und von dem Inden, der nicht nationaldeutsch fühlt, durch eine unüberbrückbare Kluft getrennt ist. -Ser Jude meint, jeder Nichtjudesei im Grunde seines Herzens „Antisemit", und er stellt sich vor. jeder Antisemit sei wie der andere. Auch er mutz kernen, datz diese Meinung ein Vorurteil iit. auch-er mutz Verständnis gewinnen für die Seele des nichtjüdischen Seutschen. Er Mutz lernen, datz nicht jeder „Antisemit" ein rettungsloser Summkopf oder ein vorteilsüchtiger Geschäftsmann nt. datz die Menschen, die sich selbst Antisemiten nennen, von cinand:r so verschieden s nd. wie es Menschen nur sein tonnen. Wohl gibt es „Gesühls- Antisemiten", mit denen kein vernünftiges Wort zu reden iit. weil der Judenhatz ihnen zur Zwangsvorstellung wurde und ihr Gefühl im Banne hält. Wohl gibt es „Geschäfts- Antisemiten". für die der Judenhatz nur ein' Mittel zum Zweck - iit. die ohne Bedenken in-'s ändere Lager. übergeben, wenn dort der. grötzere Vorteil winkt. Aber der deutsche Jude mutz lernen, datz diese beiden.Gruppen nur einen winzigen Bruchteil derer darstellen, di« sich -selbst für' Gegner der Juden halten. Satz unter dem weitaus überwiegenden Rest sehr ehrliche, vornehme und kluge Menschen sind. die. nnr darum die Gesamtheit der Juden für widerwärtig und schädlich halten, weil sie in Vorurteile verstrickt sind, weil sie Einzelerscheinungen verallgemeinern, weil sie die Juden nicht kennen. Wie bringen wir die beiden Gruppen zusammen, die im Gefühl für das Seutkchtinn zueinander gehören? Wie Überdrücken wir das tiefe Wässer? Indem wir nicht blindlings auf jeden wahren und vermeintlichen „Antisemiten" glxichmätzig losschlagen, indem wir unterscheiden lernen, wen wir in berechtigter Notwehr bekämpfen müssen und wen wir mit Wort Und Tat davon überzeugen können, datz seine Meinung über die Juden nur ein Vorurteil ist. Der «Antisemitismus als Gruppenerscheinung kann nicht bekämpft, er muh abgebaut werden. Jeder ^.anständige" Antisemit gibt zu. datz es „anständige" Juden gibt. Aber er hält sie für Ausnahmen, die nur die Regel bestätigen. Er wird aufhören, eick'Antisemit zu sein, wenn wir ihm beweisen, datz die Juden, die fühlen wie er. nicht nur Einzelerscheinungen sind, datz sie eine starke Gruppein der Gesamtheit der deutschen Juden bilden. Er wird bereit sein, mit uns zusammen gegen alle Feinde des Deutschtums, jüdische wie nichtjüdische, zu kämpfen, wenn, wir ihm dartun. datz wir nicht eine Handvoll Ueberläufcr sind, sondern ein Heer, das von dem gleichen Geiste beseelt ist wie das seine. Sarum brauchen wir nationaldeutschen Juden den^Zusammenschlutz.j den „Verband". Die Welt steht im Zeichen der Organisation. Jede Menschenklasse, jeder Berufsstand hat erfahren, datz die Tat des Einzelnen wirkungslos verpufft, datz nur Einigleit stark macht. Aber nur die Einigkeit derer, die innerlich wirklich zusammengehören, die von gleichem Gefühl und gleichem Geiste zueinander gedrängt werden, die bereit sind, ihre ganze Persönlichkeit einzusehen für die gemeinsame Sache. Nur Gleichartige wollen wir darum zusammenfassen. Wir wollen uns nicht belasten durch das Gewicht von Mitläufern, die nicht' wie wir durch den Zwang des Gefühls Deutsche und nur Deutsche sind. Wir wollen und können nicht Zusammengehen mit Zionisten und Jüdischnationalen, die nur Zufallsdeutsche sind, aber innerlich Juden und nichts als Juden, die uns fremd sind wie nur irgendeinem nationaldeutschen Nichtjuden, trotz der gemeinsamen. Abstammung, denn unser deutsches Gefühl überwindet das Blut. Wir wollen und können nickt Tzusammengehen mit Zwischenschichtlern, die in ihrer Art Deutsche sind, aber doch nur Deutsche von Fall zu Falls Deutsche auf Widerruf. Deutsch«, solange nicht das jüdische Gemeinschaftsgefühl an die Pforte ihres Herzens pocht und sie ihm auftu» müssen, weil ihr Wesen nicht in allen Fasern vom Deutschtum durchtränkt ist. weil ihr Empfinden ein unklares Gemisch von Deutschtum und Judentum ist. Wir wollen und können nicht Zusammengehen mit „international" fühlenden Menschen, mit Menschen, die nicht begreifen, datz man den grotzcn Menschhcitsgcdanken nur fördern kann, wenn man fest auf dem Boden des eigenen Vaterlandes steht, die trotz aller grotzen Worte nur zerstören, nicht aufbaucn köcknen. Was das XSefühl geschieden hat. soll der Mensch nicht zusammenfügen. Heraus aus der jüdischen Einheitsfront! Unseren eigenen Heerbann müssen wir bilden, den Heerbann der nationaldeutschen Juden. Pionierarbeit ist's. die wir für's erste zu leisten haben. Auf zum Brückenschlag der nationaldeutschen Verständigung! Schon hat man am anderen Ufer unsere Arbeit bemerkt, schon regen sich auch drüben geschäftige Hände. Von beiden Seiten wächst die Brücke über den Strom. Baut weiter und jagt die Unfugstifter fort, die uns bei der Arbeit stören! . Und ist die Brücke einmal vollendet, dann hinein in die nationaldeutsche Einheitsfront, hinein zum fröhlickzcn Kämpfe gegen alles Treiben, das dem wahren Deutschtum feindlich und schädlich ist. mag cs von Menschen jüdischen oder nichtjüdischen Blutes verübt werden! Kein Veriuschen und Beschönigen mehr! Ein Lump soll ein Lump und ein Vaterlandsverräter soll ein doppelter Lump heitzen, mag er zufällig Jude oder Nichtjudc sein. Und fort mit den widerlichen Resten der Ehettozeit, fort mit den fremden Worten, die in nichts klarer und einprägsamer sind, als die Worte unserer guten deutschen Muttersprackze, fort mit dem frevelhaften Worte „Goi", das - immer von neuem unsichtbare Ghettomauern um uns auftürmt. Fort mit-dem knechtischen Gemisch von Kriecherei uud Aufdringlichkeit, dem Ueberbleibsel' aus der Zeit des innerlich zerrissenen Ghettojudcn. der jeden albernen Scherz eines Nichtjuden als ehrende Vertraulichkeit empfand und dabei doch stolz war, zum „auserwählten Volk" -zu gehören. Wir selbst wollen wir sein! Unsere jüdjsche Abstammung nicht felge verstecken, uns des Wortes Jude nicht schämen und. wenn wir gläubig sind, nicht das Gebetbuch auf dem Wege zum Tempel sorgsam in Zeitungspapier.hüllen. Aber auch gickst prunken mit unserer Abstammung.' Nicht falsche Demut und nicht falschen Stolz^ wollen wir hegen, nicht an eine! Weltmission des ÄudentumsValauben. aber auch nicht glaubenj datz unser Stamm schlechter ass andere sei. Und ' - / 4