Mannheim
Compact Memory

Der nationaldeutsche Jude · 1933-05-01 · Sondernummer (Mitte Mai 1933) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
12 (1933)
Issue
Sondernummer (Mitte Mai 1933)
Date
1933-05-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/6682492-5438700-5438896--648-4871822
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

für die Empfindungen des Volkes, zu dem sie! sich zählen, Verständnis aufzustringen. Mit dem Worte „Gerechtigkeit" ist hier nichts getan.. Der Zorn ist niemals gereht und mit ethischen oder gar juristischen Argumenten ist ihm nicht beizukommen. Was in den ersten Tagen des Zorns geschehen, ist, war erschütternd und niederdrückend, nicht nur für die Betroffenen selbst und die Menschen, die ihnen nahestehen, sondern auch und in erster Linie für die im Herzen Gerechten, die damals dem Zornrausch erlagen und die in diejem Rmische manches taten, was sie heute ernüchtert um ihrer eigenen Seele willen schon selbst bedauern. Nur so darf ein Deutscher die Dinge verstehen, die in den Tagen des Zorns geschahen, — auch der jüdische Deutsche, wenn er - wirklich „nicht anders als deutsch eint sindkn und denken kann". Es hat keinen Sinn, in solcher Zeit über Einzelheiten zu rechten, Um Deutschlands wrlleii, um der deutsche» Zukunft willen und um unserer eigenen deutschen Zukunft willen-müssen wir deutschfühlcnden Juden heute sei »st den Tag des Boykotts vergessen und die Abhalfterung deutscher Hochschullehrer jüdischen Stammes, die vom Katheder feit Jahrzehnten mit glühenden Herzen und glühenden Worten das Deutschtum predigten, und das Sludcntenmanifesj. das „den Juden", die Fähigkeit abstreitet/ in deutscher Sprache die Wahrheit zu sagen, — und vieles -andere-. Gerade wir nationaldeulschen Juden müssen, -dies alles vergessen.. weil wir selbst, trotz allem, was uns aufgeregte Menschen noch heute ins Gesicht schreien mögen, „m t deutschein Wesen und deutscher Kultur unauflöslich verwachsen sinv"/wcil wir darum auch den dculichen Zorn begreifen, , weil'dieser Zorn auch unser eigener Zorn ist, — selbst wenn er sich zeule gegen uns kehrt und gegen Menschen, die wir lieben wie uns selbst. Wir haben ihn ja stets empfunden, diesen deutsche, Zorn, der in 14 Jahren nationaler Schmach aufwuchs, diesen Zorn, aus dem alle die Ungerechtigkeiten und Uestergriffe dieser Tage geboren sind, diese Ueberschrcitungen einer deutschen Notwehr gegen Gesinnungen und gegen Menschen, gegen düe wir selbst seit bieten Jahren in heihestem Kampfe stehen. Wir nationaldeulschen Juden dürfen dies heute niederschreiben. weil wir heute nicht anders fühlen, denken und handeln, alsvor 12 Jahren bei Gründung unseres Verbandes, zu einer Zeit, zu der noch jeder jüdische Deutsche, der über jüdische Dinge aufrichtiges Deutsch zu sprechen wagte, von der Nieule der „Andersdenkenden" stiedergeheult und, wo es anging, zerrissen wurde. Wir dürfen dies heute schreiben, weil wir uns in diesen 12 Jahren des Heiheslen Kanzpfes gegen „alle Aeuherungen und .Betätigungen undeutschen Geistes, mochten sie von, Juden oder Nichljuden ansgehen", auch nicht um Haaresbreite von der geraden Linie unseres.Empfindenshaben abdrangen lassen. Wir dürfen, dies - heute schreiben, weil wir in den gefährlichsten Tagen des deutschen Zorns unablässig und nicht ohne Erfolg bemüht waren, auch noch heule bemüht iind, Ungerechtigkeiten nach Niöglichkeit zu verhindern, Härten zu mildern,' -neue Ausbrüche der Erbitterung zu verhüten — und Hier alles -ohne Rücksicht auf die uns selbst seit der Gründung unseres Verbandes von jüdischen StannnesgenosseN systematisch zugefügten Verunglimpfungen und Schädigungen, und dies alles für die Gesamtheit der deutschen Juden, von denen^piele mit uns nationaldeutschen Juden nur..durch die ferne Erinnerung einergemeinsamen Abstammung und durch den Amksausdruck „Jude" verknüpft sind. Wir*dürfen dies heute schreiben, weil wir trotz allem, was auch heute noch geschieht, in festem Glauben an die Gesundheit unseres deutschen Volkes der — durch rnancherlei Tatsachen gestützten — Ueberzeugung sind, datz der Tag des Zorns doch schon im all mählichen Verdämmern ist. wenn auch hier und dort noch Blitze aus dem Gewölk zucken, zumal Iglus jenen Bezirken, in denen die um die Freude am deutschen Vaterland betrogene Jugend ihren Grimm angesammelt! hat. Wir vertrauen darauf, das; der Tag der deutschen Selbstbesinnung nicht mehr, ganz fern ist, der Tag. an dem der „arische" Deutsche dem Deutschen aus jüdischem stamme' wieder die Hand reichen wird, wohl vorerst nock, zögernd und mihtrauisch, aber doch schon bereit, auch hier die Bewährung gelten zu lassen. Der Tag, an dem die alte Kameradschaft des Schlachtfeldes und des Schützengrabens wieder lebendig werden wird, zumal des Schützengrabens, in dem es nicht auf den Tapferkeitsrausch des Augenblicks ankam. sondern aus das zähe, gelassene, ziel- und verantwortungsbewuhte Kopfhinhalten/. Der Tag, an dem das Deutschtum wieder wesensgleich fein wird mit dem alten Frontkämpfer- und Arbeitsgeist, diesem Geist der schlichten, wortkargen, sachlichen Pflichterfüllung, die in ihrer Selbstverständlichkeit alle Klassen- und Rassenunterschiede überbrückt. den wahren Frontgeist, den uns deutsche Dichter gedeutet haben, nicht spintisierende und wehleidige Auch- und Muhkrieger, sondern wahrhafte Deutsche, mögen sie „Arier" »ein oder von jüdischem Stamme wie Rudolf Borchardt, Walther Heymann. v. Hünefeld. ganz zu schweigen von den vielen Namenlosen, deren deutsches Gefühl nur in verschollenen Feldpostbriefen und verwehten Grabengesprächen zur Wortformung kam. Kommt einmal dieser Tag der Selbstbesinnung, so beginnt an ihm die wahre Lösung der deutschen Judenfrage. Was - bisher als Lösung hingestellt wurde, war nur Verwirrung und Verwickelung. Die wahre Lösung beginnt, wenn Nichtjuden und Juden in Deutschland endlich begreifen, dah die' Bereinigung dieses rein national-kulturellen, keineswegs religiösen Problems weder durch Weiterzüchtung eines antijüdischen Rassedünkels zu gewinnen ist, noch durch Pflege eines formalistischen Staatsbürgerwcsens. einer papierenen Gerechtigkeit und einer sogenannten „jüdischen Würde", die nichts ist, als der 'arische Rassedünkel mit umgekehrtem Vorzeichen. Deutsch ist. wer „sich mit deutschem Wesen und deutscher Kultur sd unauflöslich verwachsen fühlt, dah er nicht anders , als deutsch empfinden und denken kann". Die Judenfrage ist ein Problem der E n t w i che l u n g. Ihre Lösung kann, wie es in einer der ersten Schriften des Verfassers heiht, „nicht errechnet, sondern nur erarbeitet werden". Deutsch ist, wer für das Deutschtum reifist. Dah nicht alle in Deutschland lebenden Juden diesen Reifegrad schon heute erreicht haben, wird jetzt bereits von vielen ^uden begriffen, selbst von solchen, die gestern noch dem verheerenden „Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" nachliefen und sich von ihm mit klischierten Beruhigungs-Phrasen ihr. besseres inneres'Wissen wegschwatzen liehen. Reif für das Deutschtum ist nur der nationaldeutsche Jude. Ein nationaldeutscher Jude ist nicht, wertste Mitgliedskarte unseres Verbandes als vermeintlichen Schutzbrief in der Tasche trägt. Nationaldeutsch ist, wer in seinem Fühlen und seiner ganzen Wesensart mit dem Deutschi. tum völlig verschmolzen ist, wem Deutschland nicht nur ein beliebig auswechselbares Wohnland, sondern die ewige Heimat der! Seele ist. wer an seinem deutschen Volkstum nicht irre werden kann, auch wenn man ihm sein Amt nimmt oder ein Boykottplalat an das Fenster klebt. Nicht nationaldeutsch ist ein Jude, der bei jeder Wahl zwischen Deutschtum und Judentum instinktmühig auf die jüdische SeiteJ fällt, der sich heute mit Juden, die dem Deutschtum völlig ( fremd gegenüberstehen. zu einer .„Schicksalsgemeinfchaft" zu-V, lammendrängen, der sich von auhen her diktieren' läht, ob er ein Deutscher sein darf oder nicht. Wer begreifen will, welcher Art ein nicht nationaldeutscher Jude ist. der lese die C. V.-Zeitung. das Organ jenes „Ccntraloereins", dessen Führer nach der Massenflucht der ersten Angsttage heute schon wieder aus ihren ausländischen -Schlupflöchern hervorkriechen und den deutschen Juden das freiwillige Ghetto als ■ einzig „würdigen" Aufenthalt, als naturgegebene Zuchtstätte ihres „Judeseins" anpreisen. Die Mitglieder dieses Vereins waren und sind noch heute zum guten Teil nationaldeutsche Juden. Aber die Leitung des Vereins war stets darauf bedacht, ihre Mitläufer im alljüdischen Geiste zu erhalten und nur das an sie herankommen zu lassen, was sie gern hörten, nicht das, was ihnen zuträglich war. Sie treiben wahrhaftig heute schon wieder ihr Unwesen, diese instinkt- und verständnislosen sogenannten „Führer", deren Geltungsbedürfnis und Fremdgefühl jede Einsicht überwiegt, die durch, eine jahrzehntelange Politik der Vernebelung und Verdumpfung es Zeitig gebracht haben, einer leider nicht geringen Zahl deutscher Juden den nationaldeutschen Entwickelungsgedanken verdächtig oder gar verächtlich zu mache», die es fertig gebracht haben, durch ihr unheilvolles Treiben der Gesamtheit der „deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens" den einzigen Weg zu verbauen, auf dem sie aus der Enge des Ghettos schrittweise hätten ins Freie gelangen können. In den Schriften und Reden unseres Verbandes ist — das wird heute selbst von Blättern, die dem Nationalsozialismus nahestehen, öffentlich anerkannt — seit vielen Jahren unablässig darauf hingewiesen worden, dah dieses Treiben eines Tages zur Katastrophe führen mühte. Man hat uns totgeschwiegen und mit allen Mitteln mundtot zu machen versucht. Unsere Mitglieder hat man wirtschaftlich und. wo es möglich war, gesellschaftlich boykottiert. Am liebsten hätte man unsere Führer gesteinigt. Einer dieser Verblendeten hat einmal vstr Jahren zu einem Nichtjuden, einem General, wörtlich gesagt, man mühte den Verfasser dieses Aufsatzes „t o t tr a m p e l n". Das ist nun freilich nicht zur Ausführung gelangt, aber „totgetraMp e l t" hat man — die Gesamtheit der deutschen Juden. T>iese Menschen, die sich heute schon wieder breit und wichtig machen, tragen die moralische Verantwortung für alles, was den deutschen Juden jetzt geschieht. Sie sind es, die in vierzehn Jahren des Mihbrauches deutscher. Geduld den Volks; orn heraufbeschworen haben, dessen Ausbrüche uns heute erschrecken und niederziehen. Sie hasten jedes Unwesen, an dem Juden beteiligt waren, feige geduldet, rührsam beschönigt und nach Möglichkeit vertuscht. S t e haben den ungeheuerlichen Gedanken ausgebrütet und ausgesprochen, dah die Juden „nicht nötig hätten, von ihren Schädlingen abzurücken, solange nicht die Nichtjuden von ihren Schädlingen abrückten". Der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.